Hackerangriff auf Sony: Nordkorea droht USA mit "härtestem" Krieg

Hackerangriff auf Sony: Nordkorea droht USA mit "härtestem" Krieg

, aktualisiert 22. Dezember 2014, 11:58 Uhr

Erst bietet Nordkorea den USA gemeinsame Untersuchungen zur Cyberattacke auf Sony an, dann kommen wüste Kriegsdrohungen aus Pjöngjang. Obama will Nordkorea wieder auf die US-Terrorliste setzen lassen.

In der Affäre um den Hackerangriff auf das Filmstudio Sony provoziert Pjöngjang mit wüsten Kriegsdrohungen gegen die USA. Die 1,2 Millionen Mann starke Armee Nordkoreas werde „mutig zu unserm härtesten Gegenschlag gegen das Weiße Haus, das Pentagon und das gesamte amerikanische Festland“ ausholen, teilte die Nationale Verteidigungskommission am Sonntagabend mit.

Verbreitet wurde deren Stellungnahme von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA. Darin wurden die USA zudem als „Kloake des Terrorismus“ bezeichnet.

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Washington wirft der Führung in Pjöngjang vor, hinter der Cyberattacke zu stecken, die offensichtlich mit Sonys Film-Satire „The Interview“ über ein fiktives Attentat auf Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Verbindung steht. Bei dem Hackerangriff waren zahlreiche hochsensible Mitarbeiterdaten sowie Drehbücher und anderes Material gestohlen worden.

Nach Bombendrohungen gegen Kinobetreiber in den USA sagte Sony den für 25. Dezember geplanten Start des Films ab. Nordkorea hatte zuvor bereits mehrfach geäußert, den Film als beleidigend zu empfinden. Eine Verwicklung in den Hackerfall wies Pjöngjang in der Erklärung erneut zurück. Obama verbreite vielmehr „frech“ Gerüchte über eine von Nordkorea orchestrierte Attacke.

Fünf spannende Fakten über Nordkorea

  • Wirtschaft

    Nordkorea produziere kaum wettbewerbsfähige Güter. Außerdem herrsche ein Mangel an Devisen und somit auch Investitionsgütern. Die Infrastruktur ist marode, zahlreiche Industrieanlagen sind seit Jahren nicht mehr in Betrieb, schreibt das Auswärtige Amt auf seiner Internetseite. Allerdings entstanden unter Kim Jong Un 13 neue Sonderwirtschaftszonen.

  • Innenpolitik

    Das Land ist streng zentralistisch organisiert und betreibt einen intensiven Personenkult, um mittlerweile drei Führer. Nordkorea wurde 1948 gegründet, und verfügt formal über Verfassungsorgane wie Parlament, Gerichtsbarkeit und Regierung. Allerdings übt vor allem ein übermächtiger Führer mit einem kleinen Kreis an Vertrauten die Macht aus.

  • Medien, Internet, Handy

    Die Medien sind durchgängig staatlich kontrolliert. Die meisten Nordkoreaner haben keine Möglichkeit auf Internet zuzugreifen, teilweise wissen sie nicht einmal, was es ist. Von den knapp 25 Millionen Nordkoreaner haben gerade mal eine Million Menschen ein Handy: Es gibt lediglich einen einzigen Mobilfunkbetreiber, der zwar ein 3G-Netz anbietet, aber keine Datendienste.

  • Menschenrechte

    Anfang 2014 stellten die Vereinten Nationen einen Bericht über Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Nordkorea vor. Darin heißt es: Nordkorea ist ein totalitärer Staat, in dem als politisch unzuverlässig eingestufte Menschen systematisch ermordet oder als Arbeitssklaven missbraucht werden.

  • Beziehungen zwischen Deutschland und Nordkorea

    Grundsätzlich bestehen zwischen Nordkorea und Deutschland politische Beziehungen, diese sind allerdings auch durch die von der EU und der UN verhängten Sanktionen belastet. Für die ehemalige DDR war Nordkorea einer der wichtigsten Partner des Landes im Ostblock.

Am Freitag hatte der US-Präsident eine „angemessene Reaktion“ auf die Cyberattacke angekündigt, aber keine Details genannt. In einem am zwei Tage später ausgestrahlten CNN-Interview brachte er dann eine Aufnahme Nordkoreas auf die US-Liste von Terror-Unterstützerstaaten ins Spiel.

Hackerangriffe erfüllen die Kriterien nicht

Auf dieser hatte Pjöngjang zwei Jahrzehnte lang gestanden, bis es 2008 im Zuge der Atomverhandlungen von der Bush-Regierung gestrichen wurde. Washington führt derzeit noch den Iran, Sudan, Syrien und Kuba auf der Liste. Konsequenzen sind unter anderem Beschränkungen der US-Entwicklungshilfe, der Rüstungsexporte und bestimmter Finanztransaktionen.

Doch das abgeschottete Nordkorea wieder auf die Liste zu setzen, könnte schwierig werden. Das US-Außenministerium müsste dafür nachweisen, dass Pjöngjang eine ganze Reihe von Kriterien erfüllt. Dazu zählt, Akte internationalen Terrorismus wiederholt unterstützt zu haben. Diese beziehen sich aber eher auf gewaltsame, physische Angriffe und nicht gerade auf Hacker.

Zudem haben die USA bereits Handelssanktionen gegen Nordkorea verhängt, und militärische Aktionen dürften auf keine Unterstützung treffen. Obamas Handlungsspielraum ist also begrenzt, Nordkorea für den Hackerangriff zu bestrafen.

Einen Tag vor den martialischen Drohungen hatte die Führung in Pjöngjang den USA noch eine gemeinsame Untersuchung des Vorfalls vorgeschlagen. Das lehnt Washington aber ab. Ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats des Weißen Hauses, Mark Stroh, sagte in Washington, die USA hielten an der Schlussfolgerung der Bundespolizei FBI fest, wonach Pjöngjang hinter der Attacke stecke.

Weitere Artikel

Die Entscheidung von Sony, den Kinostart zu kippen, entfachte in den USA eine Grundsatzdebatte über die Meinungsfreiheit. Obama hatte Sony vorgeworfen, damit einen „Fehler“ begangen zu haben. Sony-Chef Michael Lynton hatte sich am Freitag verteidigt. Er habe keine andere Wahl gehabt, nachdem die Kinoketten sich geweigert hätten, den Streifen zu zeigen, sagte er.

Hacker attackieren südkoreanische AKW-Betreibergesellschaft

In Südkorea ist derweil am Montag das Computersystem der Betreibergesellschaft aller Atomkraftwerke des Landes Opfer eines Hackerangriffs geworden. Ein Sprecher von Korea Hydro und Nuclear Power (KHNP) sagte in Seoul, bei dem Internetangriff seien aber keine sensiblen Daten erbeutet worden. Auch sei die Sicherheit der Atomanlagen zu keinem Zeitpunkt gefährdet gewesen. Es sei ausgeschlossen, dass durch einen Cyberangriff ein Atomreaktor beeinflusst werden könne, versicherte ein Sprecher des staatlichen Unternehmens. Das Energieministerium stützte diese Darstellung. "Das Kontrollsystem ist derart ausgerichtet, dass es keinerlei Risiko gibt", sagte Vize-Energieminister Chung Yang Ho.

Die Betreibergesellschaft der 23 Atommeiler in Südkorea machte "Kräfte, die soziale Unruhen entfachen wollen" für den Angriff verantwortlich. Über Twitter bekannte sich eine Umweltgruppe zu der Hackerattacke und forderte die Stilllegung älterer Meiler. Zu der Glaubwürdigkeit des Tweets konnten die Behörden keine Angaben machen. Ein Zusammenhang mit Nordkorea wurde von keiner der Stellen hergestellt.

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