Handel zwischen USA und Mexiko: Mehr als nur Avocados

Handel zwischen USA und Mexiko: Mehr als nur Avocados

, aktualisiert 12. Februar 2017, 18:53 Uhr
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Sollte es eine Grenzsteuer geben, würden nicht nur Avocados, Tequila und Bier teurer werden - Mexiko ist ebenfalls großer Exporteur von Kühlschränken und Flachbildfernsehern.

Quelle:Handelsblatt Online

Dank der nordamerikanische Freihandelszone wurde Mexiko zum Exportland. Donald Trumps angekündigte Grenzsteuer hätte unmittelbare Folgen für den mexikanischen Arbeitsmarkt – aber auch für die Verbraucher in den USA.

Mexiko-StadtUS-Präsident Donald Trump droht dem mexikanischen Nachbarn mit einer Grenzsteuer. Sollte er diese tatsächlich auf Importe verhängen, dann werden in den USA nicht nur Tequila, Bier und Avocados teurer: Mexiko ist mittlerweile auch einer der führenden Exporteure von Kühlschränken und Flachbildfernsehern. Bei US-Autohändlern stehen viele Pkw-Modelle, die in Mexiko produziert werden. Und in den Supermärkten füllen Beeren und Gemüse aus Mexiko die Regale.

Noch Ende der 1980er Jahre exportierte Mexiko praktisch nur Erdöl. „Damals waren wir nicht wettbewerbsfähig“, sagte der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto in dieser Woche auf einer Veranstaltung, die für Produkte „Made in Mexico“ werben sollte.

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In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die mexikanische Volkswirtschaft grundlegend gewandelt. Seit 1993 – ein Jahr, bevor das Nordamerikanische Freihandelskommen (Nafta) in Kraft trat – ist das Importvolumen der USA, bezogen auf Güter aus Mexiko, um 638 Prozent gestiegen. Das geht aus Zahlen des US-Handelsbeauftragten hervor. Zu den wichtigsten Importgütern aus dem Süden zählten 2015 Fahrzeuge im Wert von insgesamt 74 Milliarden Dollar (69 Milliarden Euro), Elektrogeräte (63 Milliarden Dollar), Maschinen (49 Milliarden Dollar) und optische sowie medizinische Gerätschaften (12 Milliarden Dollar).

Am deutlichsten wird die Erfolgsgeschichte, wenn man die mexikanischen Agrarexporte ins Nachbarland betrachtet. Sie beliefen sich im Jahr 2015 auf ein Volumen von 21 Milliarden Dollar. Mehr als drei Viertel aller Avocados, die in den USA verkauft werden, und etwa ein Drittel aller Tomaten stammen aus Mexiko. Zwei Faktoren sind ausschlaggebend für den Wettbewerbsvorteil, den Mexiko im Agrarsektor hat: das günstige Klima und die niedrigen Löhne.

Doch diese Erfolge lassen viele Mexikaner kalt. Denn in den erfolgreichsten Branchen im Land selbst dominieren ausländische Konzerne – etwa bei Automobilen, Haushaltsgeräten oder Fernsehern. Hinzu kommt: Die Bauteile, die die Arbeiter in Mexiko zusammensetzen, werden größtenteils importiert. Forschung und Entwicklung findet hier praktisch nicht statt. „Ich habe immer kritisiert, dass es hier keine Perez- oder Ramirez-Autos gibt, nur ausländische Marken“, sagt der Radiomoderator Eduardo Ruiz Healy. „Naja, so ist das nun mal.“

Vom Freihandelsabkommen Nafta, das Trump neu verhandeln will, haben auch die Landwirte in den USA profitiert. Der freie Marktzugang sei „ein Geldsegen für Farmer, Rancher und Lebensmittelproduzenten“ gewesen, schrieben einige der führenden US-Agrarunternehmen im Januar in einem offenen Brief an den neuen Präsidenten. Die Lebensmittel- und Agrarexporte aus den USA nach Mexiko und Kanada hätten sich von 1993 bis 2015 mehr als vervierfacht, hieß es weiter.

Egal ob Grenzsteuer oder Änderungen im Hinblick auf die Freihandelszone – die Folgen für den mexikanischen Arbeitsmarkt wären unmittelbar zu spüren, auch in traditionellen Exportbranchen. Silber war beispielsweise eines der ersten Exportgüter, das die spanischen Eroberer von Mexiko in die europäische Heimat ausgeführt haben. Noch heute ist Mexiko der weltweit führende Silber-Exporteur. Viele Bergwerke sind allerdings in ausländischer Hand.

Wie in der Landwirtschaft oder in Fabriken gibt es im Bergbau ordentlich bezahlte Jobs für Arbeitskräfte mit niedrigem Bildungsniveau – häufig in Regionen, die die Menschen früher auf der Suche nach Arbeit verlassen mussten. Jede zusätzliche Steuer würde sich negativ auf die Beschäftigungssituation auswirken.

Hinzu kommt, dass gerade die mexikanischen Staaten am stärksten betroffen wären, denen eine zusätzliche volkswirtschaftliche Last droht: Sollte Trump seine Ankündigung wahr machen und die Abschiebung illegal eingereister Migranten forcieren, müssten viele Mexikaner aus den USA in die Heimat zurückkehren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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