Handelsabkommen: Iran hält Syrien am Leben

Handelsabkommen: Iran hält Syrien am Leben

von Hans Jakob Ginsburg

Die syrische Wirtschaft liegt nach fast einem Jahr Blutvergießen am Boden. Wird der ökonomische Zusammenbruch das mörderische Assad-Regime zu Fall bringen? Wahrscheinlich nicht.

Massendemonstrationen todesmutiger Regimegegner, blanker Terror von Armee und Geheimdiensten gegen unbewaffnete eigene Landsleute, inzwischen wahrscheinlich auch bewaffnete Gegenschläge von Aufständischen, Tausende von Toten, wahrscheinlich inzwischen Hunderttausende von Flüchtlingen innerhalb des Landes und über die Grenzen in die Türkei und in den Libanon – dazu eine gewaltige Kapitalflucht, an der sich wahrscheinlich auch reich gewordene Günstlinge des Clans um Staatschef Baschar al-Assad beteiligen: Eigentlich kann keine Volkswirtschaft eine solche Entwicklung überleben. Dazu kommen noch die Sanktionen des Auslands:

Seit September 2011 importieren die EU-Staaten kein syrisches Erdöl mehr. Ein Embargo, das im Gegensatz zu dem Anfang Januar beschlossenen Boykott gegen iranisches Erdöl von der europäischen Öffentlichkeit kaum diskutiert wurde, aus einfachem Grund: EU-Europa importierte zuvor nur 1,5 Prozent seines Rohöls aus Syrien. Andererseits aber waren 92 Prozent des syrischen Exports nach Europa Erdöl und Erdölprodukte.

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Syriens Wirtschaft bleibt stabil

Die Sache hatte einen Schönheitsfehler: Syrien spielt als Erdölland allenfalls in der dritten Liga. Mit einer Tagesproduktion von ungefähr 400.000 Barrel lag das Land im noch ruhigen Jahr 2010 auf Platz 34 der Weltrangliste der Ölproduzenten. 80 Prozent des Exports hatte nichts mit Öl zu tun, sondern bestand aus Textilien, einfachen Maschinen, Agrarprodukten: Wichtigste Kunden waren – und sind – die Nachbarländer Irak und Libanon. Deren Beteiligung an effizienten Boykottmaßnahmen ist fast unvorstellbar: Der Libanon ist nach wie vor so etwas wie ein syrischer Satellitenstaat, und die syrisch-iranische Grenze im Wüstenland wird von keiner staatlichen Autorität effizient kontrolliert. Auf seinen spärlichen Produkten bleibt Assads Syrien also nicht sitzen, und darum ist auch die Währung ungeachtet des Volksaufstands überraschend stabil geblieben: Ein US-Dollar kostete vor einem Jahr fast 48 syrische Pfund, heute steht der Wechselkurs bei ungefähr 59 Pfund – angesichts der politischen Entwicklungen eine kaum nennenswerte Verschlechterung.

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