Handelsminister Manturow: Russland umgarnt deutsche Investoren

exklusivHandelsminister Manturow: Russland umgarnt deutsche Investoren

, aktualisiert 09. November 2015, 18:45 Uhr
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Der russische Handelsminister Denis Manturow.

von Florian Willershausen

Vor ein paar Monaten wandte sich der Kreml wegen des Ukraine-Konflikts vom Westen ab und China zu. Jetzt werben die Russen aktiv wie nie zuvor um deutsche Investoren. m Interview verspricht ihnen der Handelsminister sogar Zugang zu Staatshilfen. Im Interview verspricht ihnen der Handelsminister sogar Zugang zu Staatshilfen.

Es war eine Wette auf Russland, und zwar eine überaus riskante: Claas, der Agrartechnik-Hersteller aus dem ostwestfälischen Harsewinkel, entschied sich zum Bau von Europas modernstem Mähdrescher-Werk im südrussischen Krasnodar. Von Anfang an war offen, ob die Regierung die Finanzierung von Landmaschinen je bezuschussen würde, denn mit der Zinskostenerstattung päppelten Staatsbanken gezielt Wettbewerber mit rein russischem Kapital und starkem Lobbying in Moskau, keine Ausländer. Als das Werk diesen Oktober stand, waren 120 Millionen Euro verbaut – doch nun stand das Unternehmen in Zeiten von Sanktionen und Rubelschwäche vor noch größeren Absatzrisiken.

Erst jetzt kommt die gute Nachricht: „Claas wird dieselben staatlichen Hilfen erhalten wie russische Unternehmen“, berichtete Denis Manturow im WiWo-Gespräch, der russische Minister für Industrie und Handel. Am Dienstag werde auf der Hannover-Messe ein Memorandum für eine Investitionsvereinbarung unterzeichnet, was man bei Claas bestätigt. Dort heißt es, mit dem Zugang zur Zinskostenhilfe falle gegenüber russischen Wettbewerbern ein Finanzierungsnachteil von 25 Prozent weg. Der Markt ist frei für Claas.

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Quelle: dpa

Claas soll kein Einzelfall bleiben. Manturow verspricht: „Wir schauen uns verschiedene Sektoren an, in denen wir ein Interesse am Einkauf ausländischer Technologien haben.“ Hier wolle man die Ansiedlung ausländischer Fertigungsbetriebe über staatliche Programme forcieren. Es brauche „Kompetenzzentren“ Damit scheint die russische Regierung erstmals seit der Finanzkrise 2009 vom Weg zu mehr Protektionismus in der Handelspolitik abzuweichen: Statt rein russische Hersteller vor dem Wettbewerb mit meist teureren, aber qualitativ stärkeren ausländischen Unternehmen zu schützen, erhalten letztere nun Zugang zu staatlicher Unterstützung. Ein Neustart?

Jedenfalls umgarnte der Minister deutsche Investoren auffällig wie es seit Jahren kein russischer Politiker getan hat. Bereits am Vormittag traf er im Haus der Deutschen Wirtschaft beim Frühstück knapp 30 Vertreter meist größerer deutscher Unternehmen. Danach ließ er sich von Podium zu Podium reichen, wo überall dieselbe Botschaft anklang: Die deutsche Wirtschaft bleibt für Russland ein Schlüsselpartner – trotz der Sanktionen, der er sich ebenso ungeschehen wünscht wie die meisten Wirtschaftsvertreter.

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