Hannelore Kraft in China: Keinen Investor zurücklassen

Hannelore Kraft in China: Keinen Investor zurücklassen

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Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft begrüßt Studenten beim Besuch der Tsinghua Universität in Peking. Kraft besucht eine Woche lang die Volksrepublik China.

von Konrad Fischer

Seit Jahren schwächelt NRW im wirtschaftlichen Wettbewerb mit anderen Bundesländern. Jetzt sollen Geldgeber aus China den Umschwung einleiten.

Hannelore Kraft kramt. Linke Tasche, nichts. Rechte Tasche, auch nichts. Dieser verdammte Zettel. ¨Da hab ich mir zu allen Investoren ein paar Notizen gemacht, aber ich glaub der ist im Koffer¨, sagt Kraft. Sie sitzt im Schnellzug von Peking Richtung Shanghai, gerade hat sie ein paar Journalisten um sich versammelt, um ihnen von den Erfolgen bei der Investorenwerbung zu berichten. Zehn von denen hat sie am Vorabend getroffen, ¨die waren alle total begeistert¨, erzählt Kraft, fast ein bisschen aufgekratzt. Nur auf die Namen kommt sie gerade leider nicht.

Seit knapp fünf Jahren ist Hannelore Kraft (SPD) jetzt Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen. Seitdem gibt es dort keine Studiengebühren mehr, auch die Zuschüsse für Kindertagesstätten hat sie deutlich erhöht. 'Kein Kind zurücklassen', so nennt Kraft ihren Politikansatz. Über den Erfolg wird noch gestritten, nur die Schulden sind in jedem Jahr weiter kräftig gestiegen. Das wirtschaftliche Wachstum hingegen hat NRW bisher kaum erfasst. Während die Arbeitslosenquoten in Ostdeutschland rasant gefallen sind, liegen sie im Ruhrgebiet noch fast durchgehend über zehn Prozent. Wenn in Deutschland über verfallende Infrastruktur gesprochen wird, dann stammen die Bespiele fast immer aus dem äußersten Westen der Republik. Egal wie viele Kinder Kraft mitnimmt, solange ihr der Ruf als Schuldenkönigin ohne Wirtschaftskompetenz anhaftet, gewinnt sie keine Wahlen. Und die nächste ist schon 2017.

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Wie Daimler 2014 abgeschnitten hat

  • Mercedes-Benz Cars

    Absatz: 1,722 Millionen Fahrzeuge

    Umsatz: 73,6 Milliarden Euro

    Ebit: 5,853 Milliarden Euro

    Umsatzrendite: 8,0 Prozent

    Quelle: Daimler-Geschäftsbericht

  • Mercedes-Benz Trucks

    Absatz: 495.700 Fahrzeuge

    Umsatz: 32,4 Milliarden Euro

    Ebit: 1,878 Milliarden Euro

    Umsatzrendite: 5,8 Prozent

  • Mercedes-Banz Vans

    Absatz: 294.600 Fahrzeuge

    Umsatz: 10,0 Milliarden Euro

    Ebit: 0,682 Milliarden Euro

    Umsatzrendite: 6,8 Prozent

  • Daimler Buses

    Absatz: 33.200 Fahrzeuge

    Umsatz: 4,2 Milliarden Euro

    Ebit: 0,197 Milliarden Euro

    Umsatzrendite: 4,7 Prozent

  • Daimler Financial Services

    Verleaste oder finanzierte Fahrzeuge: 3,3 Millionen Fahrzeuge

    Gesamtes Vertragsvolumen: 99,0 Milliarden Euro

    Ebit: 1,387 Milliarden Euro

    Eigenkapitalrendite: 19,4 Prozent

  • Konzern

    Absatz: 2,5 Millionen Fahrzeuge

    Umsatz: 129,9 Milliarden Euro

    Ebit: 10,8 Milliarden Euro

    Ergebnis: 7,3 Milliarden Euro

    Dividende: 2,45 Euro je Aktie

Im Jahr 2015 sollte deshalb alles anders werden. Kraft startete das Jahr mit einer programmatisch gemeinten Rede zur Digitalisierung der Wirtschaft, die vor allem einen ironischen Widerhall fand. Einen zweiten Akzent versucht sie derzeit mit einer Delegationsreise nach China zu setzen. Eine Woche, außer dem Besuch im Pandabärengehege geht es ausschließlich um wirtschaftliche Themen. Es ist Krafts erste Auslandsreise mit einem so klaren Wirtschaftsfokus, mehr als 30 Unternehmer reisen mit ihr. Ein gelungener Auftritt hier könnte eine Imagewandel einleiten.

Das Ziel ist durchaus gut gewählt. In vielen Vergleichen mag NRW derzeit schlecht abschneiden, in einem ist das Land immer ganz vorne: Direktinvestitionen aus China. 850 chinesische Unternehmen haben inzwischen ihren Sitz in NRW, allein im vergangenen Jahr kamen 77 hinzu. Noch vor Frankreich ist China inzwischen der zweitwichtigste Handelspartner des Bundeslandes. Umgekehrt machen auch viele Unternehmen aus NRW in China gute Geschäfte, zuletzt investierten sie dort mehr als 12 Milliarden Euro jährlich.

¨Wir können Stukturwandel¨, diesen Satz lässt Kraft von Peking bis Chengdu in fast jeder Rede fallen. So einfach haben sie sich das vorgestellt in der Düsseldorfer Staatskanzlei: NRW hat den Wandel durch Industrialisierung in seine Härten erlebt wie kaum eine Region in Europa. Genau dieser Strukturwandel steht China jetzt bevor. Wenn am Jangtse die Luft wieder klar werden soll, wer wäre dafür besser geeignet als die Experten von der Ruhr, wo der Himmel längst wieder blau ist?

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Die ersten Tage aber bringen Ernüchterung. Die mitgereisten Bergbauzulieferer erhalten zwar höfliches Interesse an ihren Technologien, nur bezahlen will dafür in China keiner mehr. Einen zweiten Schwerpunkt sollte die Stadtentwicklung bilden, eine ganze Reihe renommierter Projektentwickler und Architekten waren dafür mitgereist. Doch statt neuer Aufträge alte Klagen: Die Gesprächspartner reden zwar viel von Klimazielen - wenn es konkret wird aber endet das Interesse.

Also geht Kraft zu ihrem Koffer. Ein wirtschaftlicher Aufschwung beginnt schließlich immer mit guten Nachrichten. Investoren folgen auch geografisch dem Herdentrieb der Börse. Wenn alle sagen, dass München ein toller Standort ist, warum dann Wuppertal ausprobieren? Ein paar Minuten bleibt sie verschwunden, dann kommt sie wieder, in der Hand zwei gefaltete Blätter. Am linken Rand Porträtfotos chinesischer Unternehmer, daneben Pfeile, Striche, ihre handschriftlichen Notizen. Sie beginnt zu referieren.

Der Netzwerkbauer ZTE will dreihundert neue Stellen in Düsseldorf schaffen. Der staatliche Stahlkonzern Sinosteel verlegt den Sitz seiner Niederlassung von Hamburg nach Düsseldorf. Der Nutzfahrzeughersteller Foton Motors baut sein Entwicklungszentrum in Mönchengladbach aus. So geht es weiter, zehn gute Wirtschaftsnachrichten aus NRW. Währenddessen verkündet in Bielefeld Wincor Nixdorf, gut 1000 Stellen zu streichen. Nächste Woche ist Hauptversammlung beim Krisenkonzern RWE. Sie wird noch viele Zettel hervorkramen müssen.

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