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Helmut Anheier: "Gegner zum Zanken für die Banken"

von Cordula Tutt

Der Chef der Hertie School of Governance über die "Occupy Wall Street"-Proteste und die Folgen für Banken und die Finanzbranche.

Helmut Anheier Quelle: PR
Helmut Anheier, Chef der Hertie School of Governance in Berlin. Quelle: PR

WirtschaftsWoche: US-Demonstranten verlangen „Occupy Wall Street“, auch hier protestieren Menschen gegen Banken. Warum?

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Anheier: Die Bewegung, wenn man sie so nennen kann, hat unterschiedliche Motive, denen ein allgemeiner Unmut und tiefe Verunsicherung zugrunde liegen. Das Interessante ist die globale Verbindung der Proteste.

Warum haben die Kapitalismusproteste in den USA begonnen?

Die Proteste begannen ja in Madrid und Tel Aviv, sprangen dann in die USA über. Dort spüren die Menschen eine Krise, deren Ende sie überhaupt nicht abschätzen können. Das geht gegen den eingebauten Optimismus des Landes. Es gibt schon im dritten Jahr viele Hochschulabgänger, die keine geeigneten Jobs finden. Auch viele Ältere um die 60 oder 70 können sich den wohlverdienten Ruhestand nicht mehr leisten.

Sind die Wall-Street-Kritiker der Ursprung einer neuen Bewegung?

„Occupy Wall Street“ allein schafft das nicht unbedingt. Wenn der Euro weiter Probleme bereitet, können sich die Unruhen ausweiten. Interessant ist, dass die neue Bewegung, auch die zur Globalisierung, weniger organisiert ist als vorige. Das mag mit den neuen Kommunikationsformen zu tun haben. Die Gruppen erscheinen oft professionell im Auftreten, aber führungslos.

Was fehlt den Neuen?

Da hilft das Beispiel des Umweltschutzes. Zunächst haben sich kleine, lokale Bewegungen gebildet, dann gab es eine grüne Partei und schließlich Gesetzesänderungen. Heute sind wir stolz auf das, was wir hier erreicht haben. Das gilt auch für die Frauen- oder die Friedensbewegung. Solche Bewegungen brauchen aber eine gute Organisation. „Occupy Wall Street“ hat das doch nicht. Die sind diffus, sie wissen noch nicht genau, was sie wollen. Sie haben keine Botschaft außer ihrem Unbehagen. Deshalb ist nicht klar, ob hier ein Gegengewicht zur Finanzbranche entsteht.

Warum füllt das keine Gruppe aus?

Die Finanzwelt ist so komplex, dass kaum jemand Botschaften für die Allgemeinheit formulieren kann. Im Umweltbereich ist es einfacher. Jeder versteht, dass es nicht gut ist, wenn der Rhein verschmutzt ist. Wer versteht aber in der Bevölkerung, wie der Euro funktioniert oder wie Derivate gehandelt werden? Viele sind beim Thema Finanzen schnell überfordert.

Wie lässt sich das ändern?

Die wichtigen Fragen der Wirtschaft werden an den allgemeinen Schulen kaum unterrichtet. Die Universitäten haben auch versagt. Die Wirtschaftswissenschaften sind keine abgehobenen Wissenschaften, da geht es auch um gesellschaftliche Verantwortung. Es gibt noch einen Grund: Wenn Sie verstehen, wie die komplizierten Finanzprodukte funktionieren, müssen Sie irgendwann entscheiden, 200 000 Euro in Frankfurt oder 400 000 Euro in London zu verdienen oder mit einem kleinen Aktivistensalär auszukommen.

Es gibt Globalisierungsgruppen. Warum sind die zum Finanzmarkt kaum aktiv?

Attac hat ja auch mal versucht, hier aktiv zu sein. Die sind aber nicht aus ihrer Ecke herausgekommen. Die mögen die Finanzwelt im Grunde nicht. Solche Nichtregierungsorganisationen müssten anerkennen, dass der Finanzmarkt nützlich ist, aber eben Grenzen braucht. Wir brauchen professionelle Gruppen, die auf einer Augenhöhe mit Finanzern sprechen können. So wie Greenpeace es mit Shell tut oder Amnesty International mit Unternehmen zur Kinderarbeit.

Gruppen wie Finance Watch kennt keiner. Warum?

Diese Gruppen sind expertenbezogen und wirken nicht in der Breite. Man redet dort zu sehr untereinander.

Wer könnte das ändern wollen?

Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Hier könnten die Stiftungen gute Arbeit leisten und in den nächsten zehn Jahren den Aufbau einer Infrastruktur unterstützen. Wir brauchen in dieser Zeit vielleicht eine Milliarde Euro und dafür fünf oder sechs große Stiftungen in Europa.

Was sollte denn mit dem Geld geschehen?

Stiftungen haben das auf anderen Gebieten immer wieder gemacht. Sie suchen unter den 25- bis 35-Jährigen die brillanten Köpfe, vernetzen und begleiten sie. Weil die Finanzwelt globalisiert ist, kann man das nur international angehen.

Und was sollen die Banken davon haben?

E.On und Evonik oder Nike und Shell trauern wohl kaum Zeiten nach, als es noch keine Nichtregierungsorganisationen gab. Das sind Gegner, mit denen man sich zanken kann, die einen aber auch weiterbringen. Das würde der Finanzbranche guttun. Viele Banker verstehen, dass sie ein Gegenüber brauchen, das andere Ideen einbringt. Transparenz und Verbindlichkeit schaden keinem Unternehmen.

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2 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 25.10.2011, 19:14 UhrAnonymer Benutzer: UK: bereits 5,2% Inflation durch BoE-"QE" ;)

    Als Vorgeschmack aufs baldige inflationäre Ergebnis des durch "unsere" Vertreter auch in der EU auf US/UK-Wunsch herbeigeführten hebelnd-versichernd-garantierenden EFSF/ESM und EZb-QE sollte man sich die nun 5,2% inflation in UK anschauen!
    Die Renten/Löhne sind dort so in gerade 10 Jahren nur noch real Hälfte wert! Und das ist nur Anfang einer hyperinflatorischen Todesspirale!

    in der EU sind's z.Zt. jetzt schon bereits 3%, noch vor bald zu G20 von Obama bei MERKOZY bestellten TOTALEN bANKEN-/STAATEN-REKAPiTALiSiERUNG nur durch glühende EZb-Geldpressen, obwohl EU-banken eigene 30.000 Mrd Euro AKTiVA unangestastet hegen!

    Damit sollen die seit Jahren weiter wissentlich betriebenen CDS-Kreditausfallwetten der US-investmentbanken hauptsächlich gerettet werden, wo vom Gesamtvolumen der 1.000.000 Mrd $ (mit 0,05% EK in Krisenfall ungesichert) gerade 154.000 Mrd $ ungefragt auf US-Steuerzahler wg. Möglichkeit des EU-bankencrashes verschoben wurden!

    Dabei betragen gesamten US-Staatsschulden aus 100 Jahren "nur" 14.300 Mrd $ also 1/10 der eben auf US-Steuerzahler verschobenen PRiVATEN Ausfall-/bürgschaftrisiken der investmentbanken, nur weil US-Regierung/Administration durch Ex-investmentbanker so bei Kronjuwelen erpresst werden, dass anscheinend sogar "Yes, we can!" Obama wie "Schosshund der US-Finanzoligarchie" durch jeden noch so absurden brennenden Reifen zum US-Untergang für investmentbanken springt!
    Unfassbar!

    Deshalb sollen Europäer sich sofort für PRiVATE banken/Vers. ruinieren, nur damit PRiVATE US-CDS-Wetten bloß nicht platzen!
    US-investment als Geburtshelfer der bald gleichgeschalteten EUdSSR auf weitgehend deutsche Rechnung.
    Und "unsere" Vertreter bedienen diese rein PRiVATEN PARTiKULAR-interessen und schubsen eigene 500 Mio EU-bürger gerade ins Verderben!

  • 25.10.2011, 19:14 UhrAnonymer Benutzer: "Scheitert EURO, scheitert Europa", weil 1+1=3 :)

    Wie man GR/PiiGS im Eurokorsett mit "Sparprogrammen" zu Tode reitet, sieht man an Fackeln in Athen!
    Wie diese OHNE staatsdirigistische "Hilfen" "unserer" Parteiapparatschicks genesen:

    Europa hat mit fix-flexiblen Wechselkursen VOR EURO bestens funktioniert (an sich nur da ;)
    JETZT auch noch, AbER NUR für EU minus EWU, also OHNE Euro (UND "KRiEGE"): Polen, Schweden, etc.!

    DE-Firmen hatten VOR EURO schwankungsbedingt -10% p.a., heute dank iNSM-Sklavenlohn bis +60% p.a.!
    DE-bürger hatten dafür +30% DM-REAL-KAUFKRAFT, heute REALLOHN -5,5% auf 1991, Niedriglohnsektor -23% auf 2000!

    Wie pervers Festzurren der EWU-Wechselkurse ist, sieht man an GR/TR:
    vor 10 Jahren beide unter sonnig-blauem Himmel in etwa gleich schwach ;)

    GR hat sich in EWU rein konsumptiv vollgesogen und Lohstückkosten um 70% hochgejagt!
    Dabei stiegen dort aber Lebenshaltungskosten gleich, womit im innenverhältnis für DURCHSCHNiTTS-Griechen Kaufkraft "seines" Euro gleich blieb!
    ALSO kein Gewinn, außer breit genutzten biLLiGSTEN Haus-/PKW-KREDiTEN, jetzt dort, für breite Masse "DER Sargnagel"!
    Das wie mit US-immos, nur wußten dort banken genau was sie tun!

    TR hat 2001-2011 genau LiNEAR TRY um 300% also auf 1/4 abgewertet!
    Als Staat kann TR nun vor Kraft kaum mehr laufen, während für DURCHSCHNiTTS-bürger im innenverhältnis Leben bunter, mit 25% Kaufkraft aber "toller" wurde!
    Wobei eigene biNNEN-PRODUKTiON OHNE KREDiTE für EWU-importe mit proportional GESENKTEN VK-Preisen als SELbSTLÄUFER zwangsläufig blüht!
    EURO-Transfers breiter EWU-Verwandschaft lindern TR-Lebensverhältnisse wohl etwas.

    "Krisenstar" Polen hat ab 08/2008 in 6 Mon. auf EUR 50% und auf $ 65% abgewertet, bei 25% PL-DE-Export :)

    Soviel zum Thema EURO ("Fällt der EURO, fällt Europa" :), "Krisenstars", "TR-Wirtschaftswunder" und "GR bleibt in der EWU!" (sonst könnte es sich in 2-3 Jahren selbst ernähren, statt mit DE-Hilfeschecks ;)

    Siehe: oanda.com, historische Wechselkurse!

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