Hoffnung für die Ukraine: USA und Russland einigen sich auf Hilfseinsatz

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Hoffnung für die Ukraine: USA und Russland einigen sich auf Hilfseinsatz

, aktualisiert 12. August 2014, 04:27 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Trotz der zuvor geäußerten Bedenken eines russischen Einmarsches einigen sich die westlichen Staaten mit Russland auf einen humanitären Hilfseinsatz in der Ukraine. Deutschland soll dabei eine Schlüsselrolle bekommen.

Die notleidende Bevölkerung in der umkämpften Ostukraine kann mit internationaler Hilfe rechnen. Präsident Petro Poroschenko stimmte einem solchen Einsatz am Montag nach einem Telefonat mit US-Präsident Barack Obama zu. An der Mission unter Leitung des Internationalen Roten Kreuzes (IRK) sollen sich demnach Russland, die EU und andere Partner beteiligen, wie die Präsidialverwaltung in Kiew mitteilte.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) erklärte sich dazu bereit, die Federführung zu übernehmen. Nach Absprache mit russischen und ukrainischen Behörden könne das Rote Kreuz bald Hilfe leisten, teilte die Organisation in Genf mit. Vereinbart wurde demnach mit den Konfliktparteien, dass das IKRK seinen Grundsätzen entsprechend unabhängig und unparteiisch helfe. Das Rote Kreuz reagiert nach den Worten Corbaz' auf die jüngste Forderung Russlands nach einer humanitären Mission. Die Details des Einsatzes müssten jedoch noch geklärt werden.

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Russland hatte zuletzt immer wieder eine Hilfsmission gefordert und dem Westen „Blindheit“ für die Notlage der Menschen vorgeworfen. Die Regierung in Kiew befürchtet hingegen, dass Russland unter dem Vorwand humanitärer Hilfe auch Kämpfer und Waffen über die Grenze schaffen könnte. Die Bundesregierung betont, dass es einen Hilfseinsatz nur mit Zustimmung Kiews geben darf.

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Angestellte arbeiten in der letzten russischen Gas-Verdichterstation vor der ukrainischen Grenze nahe der russischen Stadt Kursk. Quelle: dpa

Die Lage in Lugansk und anderen Gebieten in der Ostukraine sei ernst, sagte der zuständige IKRK-Leiter, Laurent Corbaz. Dort wehren sich prorussische Separatisten seit Wochen erbittert gegen die Angriffe ukrainischer Regierungstruppen. Die Lage der Bevölkerung ist teils dramatisch. So waren in Lugansk bereits den neunten Tag in Folge rund 250 000 Bewohner bei Sommerhitze ohne Strom und Wasser.

Zuvor standen vor allem die Kämpfe der ukrainische Armee in der Nähe der Rebellenhochburg Donezk im internationalen Fokus. Die Truppen hätten beträchtlich an Boden gewonnen und einen Keil zwischen die separatistischen Kämpfer getrieben, sagte Militärsprecher Andrii Lysenko am Montag in Kiew. Die Regierungstruppen hätten nun Donezk von der anderen Rebellenhochburg Luhansk an der Grenze zu Russland abgeschnitten.

„Die Truppen des Anti-Terror-Einsatzes bereiten sich auf den letzten Schritt zur Befreiung von Donezk vor“, sagte Lysenko. „Unsere Soldaten haben Donezk komplett von Luhansk abgeriegelt. Wir arbeiten daran, beide Städte zu befreien, aber es ist besser, zuerst Donezk zu befreien – es ist wichtiger.“

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Russlands Präsident Wladimir Putin hat vor Einschränkungen der Erdgaslieferungen gewarnt. Hintergrund ist der Schuldenstreit mit der Ukraine. Lieferungen sollen mit sofortiger Wirkung auf Vorkasse umgestellt werden. Quelle: REUTERS

Wegen der blutigen Kämpfe rät die Regierung in Kiew den Bewohnern der umkämpften Regionen zur Flucht. „Für Zivilisten ist es besser, Donezk und Lugansk zu verlassen“, sagte Andrej Lyssenko vom Sicherheitsrat am Montag. Die „Anti-Terror-Operation“ werde fortgesetzt, in jeder Stadt gebe es Fluchtkorridore. Die Armee müsse schnell handeln, damit die prorussischen Separatisten sich nicht neu formieren und mit Nachschub ausrüsten könnten.

Die Antwort der Rebellen kam am Nachmittag: Die in Donezk eingeschlossenen prorussischen Separatisten kündigten eine Gegenoffensive in den kommenden zwei bis drei Tagen angekündigt. Nähere Details nannte der Anführer der sogenannten Volksrepublik Donezk, Alexander Sachartschenko, nicht. Der gebürtige Ostukrainer hatte in der vergangenen Woche den Russen Alexander Borodai an der Spitze der Rebellenbewegung abgelöst und damit Hoffnungen auf eine Deeskalation geschürzt.

Die Regierung in Kiew hatte am Sonntag eine Feuerpause im Kampf gegen die prorussischen Separatisten abgelehnt. Diese hatten sich zu einer Waffenruhe bereiterklärt, um der Bevölkerung in den belagerten Städten Donezk und Luhansk zu helfen. Sie relativierten dieses Angebot später jedoch.

Am Absturzort des malaysischen Flugzeugs MH17 teilten die militanten Gruppen mit, alle Leichen und privaten Gegenstände der 298 Opfer geborgen zu haben. „Wir haben die letzten Überreste unter Wrackteilen entdeckt und der ukrainischen Seite übergeben“, sagte Separatistenführer Andrej Purgin. Seine Leute hätten das Trümmerfeld bei Grabowo komplett abgesucht.

Von internationalen Experten gab es zunächst keine Bestätigung. Die Helfer hatten das Gebiet nach dem mutmaßlichen Abschuss der Boeing am 17. Juli abgesucht, mussten den Absturzort aber zuletzt wegen zunehmender Gefechte verlassen.

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