Hongkong: Polizei nimmt zwei Anführer der Proteste fest

Hongkong: Polizei nimmt zwei Anführer der Proteste fest

Hongkongs Polizei zeigt Härte. Nach Ausschreitungen lässt sie weitere Straßensperren in Hongkong räumen. Dutzende Menschen werden festgenommen - laut Studenten auch zwei ihrer prominenten Wortführer.

Hongkongs Polizei hat nach Angaben der Studentenvereinigung zwei Anführer der prodemokratischen Proteste in der früheren britischen Kronkolonie festgenommen. Nach Angaben der Gruppe vom Mittwoch handelt es sich dabei um Joshua Wong und Lester Shum. Beide zählen zu den bekanntesten Gesichtern der seit Wochen andauernden Demonstrationen. Die Polizei bestätigte die Festnahmen der beiden Studenten zunächst nicht.

Nach den mittlerweile 60 Tage andauernden Protesten, die wesentlich von Studenten mitgetragen werden, hatte ein Gericht die Räumung von Straßenbarrikaden in Hongkong angeordnet. Am späten Dienstagabend gab es die schwersten Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Polizisten seit Tagen. Dutzende strömten auf die Straßen, um sich gegen die Räumung zur Wehr zu setzen. Wong und Shum hatten ihre Anhänger dazu aufgerufen, keinen Widerstand zu leisten.

Berühmte chinesische Regimekritiker

  • Ilham Tohti

    Der uigurische Bürgerrechtler geriet erst vor kurzer Zeit in die Schlagzeilen: Ein Gericht verurteilte ihn zu lebenslanger Haft - er will den Richterspruch anfechten. Denn die Behörden hätten seinen Verteidigern nicht alle Beweise zur Verfügung gestellt, und dem früheren Wirtschaftsprofessor auch nicht den Grund für seine Verhaftung mitgeteilt.

  • Ai Weiwei

    Der Künstler war schon mehrfach in Haft, zuletzt wegen einem angeblichen Wirtschaftsdelikt - damals wurde er unter strengen Auflagen und nur gegen Kaution freigelassen. Obwohl er oft im Ausland unterwegs ist, plant er nicht ins Exil zu gehen.

  • Liu Xiaobo und Liu Xia

    Seinen Friedensnobelpreis, den er 2010 erhielt, hat er bis heute nicht nicht abgeholt. Bei der Zeremonie in Oslo blieb sein Stuhl auch symbolisch leer, denn auch seine Frau steht unter Hausarrest. Der Schriftsteller und Menschenrechtler wurde 2009 zu elf Jahren Haft verurteilt wegen "Untergrabung der Staatsgewalt."

  • Chen Guangcheng

    Dem blinden Menschenrechtsaktivisten gelang 2012 die Flucht in die USA. Nach diplomatischen Bemühungen bekam er - überraschend schnell - ein Stipendium für eine amerikanische Universität und konnte mit seiner Familie ausreisen. Zuvor wurde er mehrfach inhaftiert und unter Hausarrest gestellt, unter anderem weil er Dorfbewohner in der Shandong juristisch beraten hatte, die sich gegen gegen Zwangssterilisationen und erzwungene Schwangerschaftsabbrüche wehren wollten.

  • Hu Jia

    Seit 2011 ist es ruhig um ihn geworden: Damals wurde der Bürgerrechtler und Umweltaktivist aus dem Gefängnis entlassen, in dem er wegen "umstürzlerischer Machenschaften" saß. Er ist Träger des Sacharow-Preises für geistige Freiheit des Europäischen Parlamentes. Mit Freunden gründete er eine Organisation zur medizinischen Vorsorge.

  • Gao Zhisheng

    Der Anwalt setzt sich vor allem gegen Menschenrechtsverletzungen vor Gericht ein, die er allerdings auch schon selbst erleben musste. Er unterstützte dabei vor allem religiöse Minderheiten, wie die Falun Gong. Er selbst ist Christ. Erst Mitte August wurde er nach drei Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen, in dem er auch gefoltert worden sein soll. Es war nicht seine erste Haft. Noch 2001 gehörte er zu den zehn besten Anwälte Chinas; 2005 trat er aus der Partei aus. Seine Familie bekam mittlerweile politisches Asyl in den USA; er steht in China unter Hausarrest und darf nicht ausreisen.

Bis zum Mittwochmorgen wurden nach Polizeiangaben mehr als 100 Aktivisten festgenommen, die sich gegen die Räumung im Geschäftsviertel Mong Kok wehrten. Die Polizei setzte Pfefferspray ein, um Demonstranten von den Straßen zu vertreiben. Aktivisten warfen den Beamten vor, unnötig hart vorgegangen zu sein. Die Polizei sprach hingegen von einer „illegalen Versammlung“. Entgegen der Gerichtsanordnung hätten Aktivisten versucht, die Straßen erneut mit Gegenständen zu blockieren. „Die Polizei hat entschlossen gehandelt und sie vertrieben“, teilte die Behörde mit. Eine Polizeisprecherin sagte auf Anfrage, 20 Beamte seien bei dem Einsatz verletzt worden.

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Taxi- und Busfahrer hatten eine einstweilige Verfügung gegen die Protestlager in Mong Kok durchgesetzt, weil sie ihr Geschäft durch die Straßensperren beeinträchtigt sahen. Die gerichtliche Verfügung sieht vor, dass Polizeibeamte jeden festnehmen dürfen, der sich der Vollstreckung in den Weg stellt. Die Proteste hatten sich an Plänen Pekings entzündet, 2017 zwar erstmals eine direkte Wahl in Hongkong zu erlauben, den Wählern aber eine freie Nominierung der Kandidaten zu verweigern. Seit der Rückgabe an China im Jahr 1997 wird Hongkong als eigenes Territorium autonom regiert.

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