Horst Reichenbach: Ein beinharter Deutscher soll Griechenland retten

Horst Reichenbach: Ein beinharter Deutscher soll Griechenland retten

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Horst Reichenbach, Leiter der Greichenland-Taskforce der EU-Kommission steht vor einer großenHerausforderung. Foto: REUTERS/Yiorgos Karahalis

von Silke Wettach

Horst Reichenbach leitet die Griechenland-Taskforce der EU-Kommission. Der Verwaltungsexperte soll dem Pleiteland auf die Beine helfen. Reichenbach gilt als knallhart - und wurde auch deshalb in Griechenland nicht gerade mit offenen Armen empfangen.

Was hat man ihm nicht alles an Etiketten angeheftet, seit im Juli bekannt wurde, dass Horst Reichenbach die neue Expertengruppe der EU-Kommission für Griechenland leiten würde. Die deutsche Presse sprach von einem „Chefaufpasser“ (Die Welt) und einem „Katastrophenhelfer“ (Financial Times Deutschland). In Griechenland wurde der gebürtige Kieler gar als „Regent des Vierten Reichs“ und als „Statthalter Angela Merkels“ betitelt.

Reichenbach vermeidet nun alle Emotionalität und beschwichtigte bei seinem ersten Auftritt in Athen, er komme als Vertreter der EU-Kommission und nicht als Deutscher. Schon in den ersten Wochen in seinem neuen Job lässt er erkennen, warum er den Zuschlag erhalten hatte. Reichenbach liebt die leisen Töne, vermeidet Besserwisserei.

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"Krisenmanager" und "Chefaufpasser"

Als EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso die Personalie im Juli kurz vor dem Krisengipfel zu Griechenland bekanntgab, bekam er dafür viel Zustimmung. Reichenbach ist ein hoch erfahrener Mann, der 30 Jahre in der EU-Kommission tätig war und sich mehrfach als Krisenmanager bewährt hat. Auf dem Höhepunkt der BSE-Krise übernahm er die Leitung der  Generaldirektion für Verbraucherschutz. In seiner folgenden Position an der Spitze der Generaldirektion Verwaltung reformierte den Beamtenapparat der EU-Kommission grundlegend. Dabei zeigte sich, dass es ihm im entscheidenden Moment nicht an Entschlossenheit und Durchsetzungsvermögen mangelt – trotz seines verbindlichen Auftretens. „Er ist beinhart“, sagt ein Weggefährte.  

Nach 30 Jahren in der EU-Kommission wechselte Reichenbach 2005 als Vizepräsident zur Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) in London. Die Erfahrungen aus dieser Zeit dürften ihm nun zu Gute kommen. Denn im Kern geht es in seinem neuen Job darum, den Griechen zu helfen, ihre Verwaltung auf Fordermann zu bringen, damit Steuern eingetrieben werden können und das Land  Gelder aus den Brüsseler Strukturfonds abrufen kann. Bis Ende 2013 stehen Griechenland noch rund 20 Milliarden Euro zur Verfügung, die sinnvoll eingesetzt werden sollen, etwa indem die Infrastruktur verbessert wird.

Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Athen sparte Reichenbach nicht mit Lob für die Griechen. Seine Gesprächspartner hätten den Ernst der Lage erkannt, betonte er und sprach von „großartigen Gelegenheiten“ für Investoren. Der Ton kam in Griechenland gut an.

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