Hugo Chávez: Hardcore-Sozialist im Goldrausch

Hugo Chávez: Hardcore-Sozialist im Goldrausch

, aktualisiert 18. August 2011, 17:49 Uhr
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Von seiner Krebserkrankung gezeichnet: Venezuelas sozialistischer Staatschef Hugo Chávez.

von Alexander BuschQuelle:Handelsblatt Online

Venezuelas Staatschef Hugo Chávez beherrscht das Spiel mit den Medien. Sein neuester Coup: Gold- und Devisenreserven werden aus westlichen Staaten abgezogen und in den „sicheren Tresor“ Venezuela verlegt. Das hat Gründe.

São PauloEin geniales Marketing-Gespür werden auch die ärgsten Feinde dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez nicht absprechen können: Jetzt hat er öffentlichkeitswirksam angekündigt, dass er die Gold- und Devisenreserven aus westlichen Banken und Zentralbanken abziehen und in „diesen unruhigen Zeiten lieber im sicheren Tresor“ in Venezuela haben will. Damit hat er wieder mal gezeigt, dass er genau weiß, wie das Spiel mit den Medien und der Öffentlichkeit funktioniert: Denn mit den Transfers von 99 Tonnen Gold alleine aus der Bank von England, macht Chávez genau das, was der Mann auf der Straßen auch am liebsten im Chaos der Finanzmärkte machen würde – aber eben nicht kann. Der Anti-Imperialist Chávez dagegen lehrt den Zentralbanken Mores. Damit ist Chávez gleich zweierlei gelungen:

Einerseits will er damit von seiner schweren Krankheit ablenken. Denn eigentlich ist der 57-jährige Präsident gesundheitlich schwer angeschlagen. Er leidet an Krebs und muss sich im Wochenrhythmus in Kuba einer Chemotherapie unterziehen. In Zeiten, in denen die Medien weiter die ersten Nachruf-Portraits auf den deutlich gezeichneten Chávez veröffentlichen, hat der seit 13 Jahren regierende ehemalige Putschgeneral damit gezeigt, dass er noch alle Fäden in der Hand hat. Und hinter dem Deckmäntelchen des Kapitalistenfressers ist ihm gleichzeitig gelungen, neues Kapital nach Caracas zu schleusen.

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Elf Milliarden Dollar sind seine ausländischen Goldreserven wert. Weitere sechs Milliarden Dollar Cash-Reserven will er von den Zentralbanken der G7 abziehen. Denn wegen Korruption  und Misswirtschaft schrumpfen die liquiden Devisenreserven Venezuelas trotz des hohen Ölpreises rapide. Investmentbanken warnen schon seit längerem, dass Chávez Goldvorräte verkaufen muss, wenn der Ölpreis sinkt. Das kann er jetzt problemlos machen – unkontrolliert. Für den Wahlkampf 2012, in dem der Tropen-Caudillo erneut als Präsident gewählt werden will, kann er die Finanzspritzen gut gebrauchen.


Venezuelas Wirtschaft gefährdet Machtanspruch

Was ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung machen könnte für die weiteren Regierungspläne, ist die Wirtschaft des Landes. Nur wegen der Rekordölpreise wächst Venezuela dieses Jahr nach zwei Rezessionsjahren rund drei Prozent – während es Südamerika so gut wie schon lange nicht mehr ging. Da gleichzeitig jedoch die Inflation rund 23 Prozent beträgt, leiden vor allem die armen Venezolaner am meisten unter dem schwachen Wachstum – und das sind die Chávez-Wähler. Zwar bekommt die Regierung wegen des hohen Ölexporte und der im internationalen Vergleich niedrigen Verschuldungsquote von rund 35 Prozent der Wirtschaftsleistung weiterhin problemlos Geld von Investoren aus dem Ausland. Doch das könnte sich schnell ändern, wenn der Ölpreis sinkt.

Denn die Wirtschaft Venezuelas reagiert immer sensibler auf Schwankungen des Ölpreises: Sinkt der Ölpreis, wie in der jetzigen Krise, dann werden nicht nur die Budgetmittel der Regierung knapp. Die Regierung kommt auch unter Abwertungsdruck. Kann sie einen Abwertung des künstlich starken Bolivars nicht mehr verhindern, dann würden abrupt Venezuelas Schulden im Ausland steigen. Möglich ist deshalb auch, dass Chávez die Goldvorräte zurück beordert hat, um künftig im Falle eines Zahlungsstopps auf die Auslandsschulden nicht gepfändet werden zu können. Nach Ansicht des Oppositionsabgeordneten Julio Montoya will Chávez mit der Goldrepatriierung bereits jetzt verhindern, dass ausländische Banken Zahlungsverpflichtungen Venezuelas per Justiz einklagen.

Auf die Börse in Caracas hat sich der schlechte Gesundheitszustand von Chávez übrigens zusätzlich positiv ausgewirkt: Rund 20 Prozent  hat der Börsenindex zugelegt, seit Chávez seine Krebserkrankung öffentlich machte. Daran hat auch die Krise der letzten Wochen wenig geändert. 

Quelle:  Handelsblatt Online
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