Ifo-Präsident Sinn: Banken-Stresstest kann Deutschland noch teuer zu stehen kommen - Seite 2

Ifo-Präsident Sinn: Banken-Stresstest kann Deutschland noch teuer zu stehen kommen

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Und wenn man nur die anderen Länder außer Griechenland betrachtet, so war der Spread inzwischen an mehreren Tagen (7. bis 9. Juni und 29. Juni) höher, als es für diese Länder im Stresstest unterstellt wurde (1,16). Man fragt sich, was wohl unter dem Stress gemeint sein könnte, den man hat simulieren wollen. Eine Krise sicherlich nicht, auch keine kleine.

Noch befremdlicher ist, dass nicht einmal die minimalen Abschreibungsverluste wirklich berücksichtigt wurden, die von den unterstellten Spreads impliziert werden. Abgeschrieben wurden nämlich nur die Papiere, die die Banken im Handelsbuch führen, nicht aber jene, die im Anlagenbuch stehen – und das ist der Löwenanteil. Im Anlagenbuch werden europäische Staatspapiere zu 100 Prozent ihres Nennwertes gebucht, weil man davon ausgeht, dass die Rettungsaktionen der EU-Staaten die Zahlungsfähigkeit der bedrängten Schuldner sichern.

Das freilich ist noch gar nicht ausgemacht, denn das Rettungsangebot gilt gerade mal für drei Jahre und deckt die Laufzeit mancher Papiere gar nicht ab. Im Falle Griechenlands wurden 110 Milliarden Euro an Rettungsgeldern gewährt, während pro Jahr etwa 50 Milliarden Euro an revolvierenden Schulden und 30 Milliarden Euro an neuen Schulden finanziert werden müssen. Im Notfall würde das Geld hinten und vorne nicht reichen. Offenbar hat man bei den Stresstests eine Ausweitung und Verlängerung der Rettungsmaßnahmen unterstellt, obwohl es solche Beschlüsse noch gar nicht gibt.

Eine neue Wirklichkeit

Vielleicht kommen diese Beschlüsse unter französischem Druck noch zustande. Schließlich hat Frankreich, dessen Banken während der Euro-Krise weitaus mehr Papiere südlicher Staaten hielten als die deutschen, seine weitgehenden Vorstellungen über die von Deutschland zu leistenden Hilfen schon in der ersten Rettungsrunde durchgesetzt. Vielleicht wird eine Vertragsverlängerung aber auch mit einem Schuldennachlass zulasten der Gläubiger verbunden, wie es praktisch alle Ökonomen fordern. In dem Fall werden Abschreibungsverluste auf die Staatspapiere der südlichen Länder in den Bilanzen auch dann unvermeidlich sein, wenn die Papiere bis zum Ende der Laufzeit gehalten werden.

Auch die Märkte gingen vor der Veröffentlichung der Testergebnisse offenbar davon aus, dass der vollkommene Gläubigerschutz, den die derzeitigen Rettungspakete beinhalten, so nicht erhalten bleiben wird, denn anders kann man die Abschläge auf die Papiere der südlichen Länder nicht erklären. Aber nun haben die Tests eine neue Wirklichkeit geschaffen. Auch wenn sie selbst nichts taugen, werden sie vielleicht als Selbstverpflichtung der anderen EU-Länder interpretiert, Deutschland zu einer Verlängerung der Rettungsmaßnahmen ohne eine Mitbeteiligung der Gläubiger zu bewegen. Das wäre eine gute Nachricht für die Eigentümer von Bankaktien, doch eine schlechte für die deutschen Steuerzahler.

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9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.08.2010, 11:53 UhrAnonymer Benutzer: Dieter Spethmann

    Der Rheinische Kapitalismus förderte unsere Wettbewerbsfähigkeit, führte zu DM-Aufwertungen und dasmit zum breitenwohlstand der Zeit 1989/90. Seit wir uns dem Romanischen Kapitalismus hingeben müssen, fördern wir unsere Wettbewerbsfähigkeit trotz des Missfallens anderer, zahlen mit unseren Exportüberschüssen also deren offene importrechnungen.

  • 02.08.2010, 11:22 UhrAnonymer Benutzer: AndiDD

    Stresstests sind nur ein zur Volksverdummung gedachtes Theater. Wo immer es in der Geschichte zu dramatischen Ereignissen gekommen ist (oder wo diese ausgeblieben sind), waren die Ursachen und Folgen so radikal unvorhersehbar und neu, dass kein vernünftig denkender Mensch mit ihnen gerechnet hätte. Erst im nachhinein bauen pseudokluge Menschen diese Ereignisse zu vermeintlich logischen Abläufen zusammen, die gar nicht anders stattfinden hätten können. Dies trifft auf Weltwirtschaftskrisen ebenso zu wie auf andere geschichtliche Ereignisse.
    Wir werden uns damit abfinden müssen, dass unsere Welt nicht sicher, nicht beherrschbar und nicht vorhersagbar ist. Auch nicht mit Stresstests. Die nächste Krise kommt UNTER GARANTiE aus genau der Richtung, an die kein Stesstest gedacht hat.

  • 01.08.2010, 16:51 UhrAnonymer Benutzer: Spanien

    wenn dort die immobilienpreise sich halbieren--und das wird bald geschehen--könnte das auswirkungen auf den Goldesel Deutschland haben.

    Vielleicht kommt dann die versprochene Politisch Moralische Wende .

    Momentan ist man in der bRD im Propagandaministerium dabei durchhalteparolen + alte bunte UFA Filme zu verbreien.

    Eben sich zu halten.

    Alles ist doll--

    Man hört so gar nichts mehr von Josef Ackermann--der sich still + heimlich vom Acker gamacht hat.

    Denn der weiß genau was da auf die Schönwetterrepublik zu kommt.

    Die USA-Probleme kommen mit 4-5 monatiger verspätung auch hier an.

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