Ifo-Präsident Sinn: Banken-Stresstest kann Deutschland noch teuer zu stehen kommen

Ifo-Präsident Sinn: Banken-Stresstest kann Deutschland noch teuer zu stehen kommen

Der Banken-Stresstest war zu lasch, um seine Ergebnisse wirklich ernst zu nehmen. Aber er könnte Deutschland noch teuer zu stehen kommen, sagt Hans-Werner Sinn.

Nachdem die USA schon im ersten Halbjahr 2009 Stresstests für ihre Banken durchgeführt hatten, um sie, falls nötig, zur Rekapitalisierung mit öffentlichen oder privaten Mitteln zu zwingen, ist nun auch die EU gefolgt. Das Testergebnis erscheint vielen als beruhigend. Anders als in Amerika, wo viele große Banken gezwungen wurden, sich neues Eigenkapital zu besorgen, fiel in Europa kaum eine Bank durch. Nur die griechische ATEbank, eine Handvoll spanischer Sparkassen und die ohnehin schon verstaatlichte deutsche HRE schafften das Klassenziel nicht.

Mit Stresstests sollen Gefahrensituationen durchgespielt werden, um zu prüfen, ob die Banken die möglichen Wertverluste ihrer Aktiva verkraften würden. Konkret hat man unterstellt, dass das Wirtschaftswachstum um drei Prozentpunkte gegenüber der Prognose fällt und die Risikoprämien für Staatsanleihen wieder steigen, im Falle zehnjähriger griechischer Papiere um 2,85 Prozent. Ein Anstieg der Risikoprämien ist gleichbedeutend mit einem Wertverlust der schon umlaufenden Staatspapiere und belastet somit die Bankbilanzen.

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Ich habe seit dem Höhepunkt der Finanzkrise vor knapp zwei Jahren mehrfach gefordert, schwächere Banken zur Rekapitalisierung zu zwingen, weil die Bankbilanzen und die nach dem Basel-System berechneten Kernkapitalquoten das tatsächliche Ausmaß der Unterkapitalisierung verschleiern. Viele Banken haben sich zudem um die nötigen Abschreibungen auf toxische US-Papiere gedrückt. Nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) lag die Quote der anerkannten Abschreibungen zu Jahresbeginn weltweit gerade mal bei der Hälfte der tatsächlichen Wertverluste, und in Europa war sie noch etwas niedriger.

Daher ist zu begrüßen, dass die EU sich nun endlich zu einem großen Stresstest durchgerungen hat. Indes sollte der Test auch trennscharf sein. Wenn von den Schülern kaum jemand durchfällt, weckt das den Verdacht, der Lehrer habe beide Augen zugedrückt.

In der Tat wurden die Zinsaufschläge für einen wirklichen Stresstest ungewöhnlich klein gewählt. Sie implizieren bei zehnjährigen Anleihen einen durchschnittlichen Spread der Euro-Länder gegenüber Deutsch-land von nur 1,49 Prozentpunkten. Das ist zwar ein wenig mehr als der Wert von 1,39, der gemessen wurde, als die Rettungspakete geschnürt wurden. Doch schon am 29. Juni, in eigentlich ruhigen Zeiten, kam der Spread mit einem Wert von 1,44 dem Krisenszenario sehr nahe.

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