IfW-Präsident Dennis J. Snower: "Wie Bob Geldof"

IfW-Präsident Dennis J. Snower: "Wie Bob Geldof"

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Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower

von Hermann J. Olbermann

Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel, Dennis J. Snower, will Grenzen überwinden und eine globale Identität schaffen. Als Vorbild nimmt sich Snower den Musikstar Bob Geldorf

WirtschaftsWoche: Erleben wir eine Renaissance des Nationalismus, weil in der Krise jeder Staat zunächst an sich denkt, obwohl globale Lösungen nötig sind?

Snower: Auf ökonomischer Ebene hat die Krise den Nationalismus gestärkt. Die meisten wirtschaftspolitischen Instrumente befinden sich auf nationaler Ebene. Und da sich die einzelnen Staaten wegen der Krise stark verschuldet haben, wollen sie auch national die Rahmenbedingungen schaffen, die helfen, aus der Krise herauszukommen. Dennoch haben wir riesige globale Probleme, die nicht auf nationaler Ebene gelöst werden können. Die Wirtschafts- und Finanzkrise ist nur eines davon.

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Wie löst man den Widerspruch auf?

Ich glaube, es gibt nur einen Weg. Man muss Menschen aus verschiedenen Ländern, Kulturen und Berufen in Foren zusammenbringen, um gemeinsam Lösungsansätze für globale Probleme zu erarbeiten. Dann könnte sich daraus eine globale Identität entwickeln.

Das Global Economic Forum, zu dem im September mehr als 300 Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft kommen, hat diese Zielsetzung. Noch wird die nationale Identität betont. Wie wird das Internet benutzt? Die Kommunikation läuft doch größtenteils innerhalb einer Kultur, innerhalb eines Landes. Wir haben die Möglichkeit, grenzüberschreitend zu kommunizieren, nutzen sie aber nicht.

Die Vorschläge solcher Foren wären ja unverbindlich. Wie erreichen Sie, dass die Ideen umgesetzt werden?

Das geht nur freiwillig, indem man gemeinsam Visionen schafft. In den acht Jahren, in denen George W. Bush US-Präsident war, haben wir gelernt, wie wichtig Soft-Power ist, wie viel erreicht werden kann, wenn Leute freiwillig ihren Beitrag leisten, weil sie in eine gemeinsame Richtung gehen wollen. So müssen wir unsere globalen Probleme angehen.

Im Zuge der Finanzkrise wurde immer wieder der Mangel an Kontrollen kritisiert. Das widerspricht doch Ihrem Wunsch nach Freiwilligkeit?

Ich sehe das nicht als Widerspruch. Wir haben eine mangelnde Kontrolle auf globaler Ebene. Ein Grund ist, dass die Wähler nicht erpicht darauf sind, dass die nationale Macht verwässert wird. Aber je mehr Leute in der Welt begreifen, dass wir globale Probleme haben, die wir gemeinsam lösen müssen, desto mehr werden Wähler die Politiker zu internationalen Kooperationen drängen.

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