Bild: dpaDeutsche Bank
Mitt Romney war der eindeutige Favorit der Wall Street. Die Beschäftigten der dort aktiven Investmentbanken wie Goldman Sachs, Bank of America und Credit Suisse zählten zu seinen eifrigsten Spendern. Auch die Angestellten der Deutschen Bank unterstützten ganz überwiegend den Republikaner. Laut der Internetseite opensecrets ließen sie für den Wahlverlierer rund 140.000 Dollar springen, Obama bekam von ihnen nur 27.000.
Kein Wunder: Romney als ehemaliger Chef des Finanzinvestor Bain Capital gilt Bankern als einer der ihren. Sie erhofften sich von ihm nicht nur weniger Steuern, sondern auch eine mögliche Abmilderung der Finanzmarktregeln "Dodd-Frank". Dazu hatte sich Romney im Wahlkampf nur vage, aber grundsätzlich entgegenkommend geäußert.
Für die Institute heißt das nun, dass zum Beispiel das Verbot des Eigenhandels und eine Beschränkung der Beteiligung an Hedgefonds unverrückbar bleiben. Das gilt auch für das US-Geschäft der Deutschen Bank, deren Aktienkurs bis zum Mittag um 0,5 Prozent nachgab.
Bild: dapdDeutsche Telekom
Für 39 Milliarden US-Dollar wollte Telekom-Chef René Obermann seine angeschlagene US-Tochter T-Mobile an den Branchenriesen AT&T verkaufen. Doch der Mega-Deal scheiterte am Veto der Wettbewerbsaufsicht. Damit fiel auch eine Grundsatzentscheidung. Die zuständigen US-Behörden, an deren Spitze Barack Obama einige Weggefährten gesetzt hat, wollen keine Konsolidierung unten den Big Four, den vier großen Mobilfunkbetreibern Verizon, AT&T, Sprint und T-Mobile. Mit Obamas Wiederwahl ändert sich daran in den nächsten vier Jahren nichts. Obermann muss also weiter dafür kämpfen, dass die Aufsichtsbehörden der kürzlich angekündigten Fusion mit der Nummer Fünf MetroPCS ihren Segen geben. Die Entscheidung wird im nächsten Jahr fallen.
Bild: REUTERSAutomobilindustrie
Die deutschen Autobauer wuchern in den USA mit zwei starken Verkaufsargumenten: Dem guten Ruf von „German engineering“ und dem vergleichsweise geringen Verbrauch ihrer Autos. Bei dem Verbrauchsargument konnten sich VW, Daimler und BMW bislang auf Obamas tätige Mithilfe verlassen: Strengere Verbrauchsgrenzen gehörten zu den wenigen großen Projekten, die Obama vor seiner Wahl zum Präsidenten versprach und die er letztlich auch realisierte. Genüsslich störte der Präsident im August den Parteitag der Republikaner mit seiner Ankündigung, dass er den Verbrauch von Neuwagen in den USA bis 2025 halbieren wird – per Gesetz.
Zwischen 2017 und 2025 muss der Verbrauch der Fahrzeugflotte eines Herstellers schrittweise von 8,2 auf 4,3 Liter Benzin pro hundert Kilometer sinken. Die effizienteren Antriebe könnten Autos um rund 2500 Euro verteuern, rechnete die US-Umweltbehörde EPA aus, allerdings würden die Kunden durchschnittlich 8000 Euro an der Tankstelle sparen. BMW arbeitete, wie auch 12 andere Hersteller aus den USA und Asien, bei dem Gesetzesvorhaben mit der Obama-Administration zusammen. Daimler und Volkswagen dagegen waren nicht mit im Boot. Allerdings nicht, wie man vermuten könnte, weil sie gegen die verschärften Auflagen waren. Sie kritisierten, dass der Vorstoß Obamas nicht weit genug gehe.
Die Wiederwahl Obamas gibt den deutschen Herstellern nun die Sicherheit, dass sie weiterhin gute Geschäfte mit ihren spritsparenden Modellen in den USA machen können. Romney, der strikt gegen die Verschärfung war, hätte das Gesetz womöglich kassiert. Der Absatz deutscher Diesel-Modelle wird weiter zulegen und in einigen Jahren werden starke Hybrid- und Elektromodelle hinzukommen. Vor allem VW wittert noch eine weitere Chance: Erdgas-Autos. Lange hat der Konzern diesen schadstoffarmen und günstigen Antrieb unterschätzt. Durch die Erdgas-Schwemme, die in den USA wegen neuer Fördermethoden erwartet wird, könnte Erdgas nun in den USA ein großes Thema werden. Das passt zu der neuen Modellstrategie von VW, nach der bei Kleinwagen teilweise schon heute Erdgas- satt Dieselvarianten angeboten werden.
Bild: APLuftfahrt und Rüstung
Obama und Romney schenken sich ist in puncto Rüstung nicht all zu viel. Beide favorisieren die heimische Industrie. Romney hätte jedoch nicht am Militärbudget gespart, sondern es eher noch aufgestockt. Mit knapperem Budget steigt die Chance für die deutsche bzw. europäische Rüstungsbranche als eventuell günstigerer Anbieter auch einmal zum Zug zu kommen. Obama zeigt sich zudem gegenüber den europäischen Verbündeten offener als Romney. Das könnte Unternehmen wie Airbus, die versuchten vermehrt in den USA Fuß zu fassen, zu Gute kommen.
Bild: dpaWind und Solar
Aufatmen bei vielen Unternehmen aus der grünen Energie-Branche. Mit Obama bleibt ein Freund von Solar- und Windkraft an der Macht. Ein Mann der einen Kurs favorisiert, der alle verfügbaren Energiequellen ausnutzt und den Schutz der Umwelt zu einem seiner Topthemen erklärt. Ganz im Gegensatz zu Mitt Romney. Vor allem um Wind- und Sonnenenergie werde nach Romneys Urteil zu viel "Ballyhoo" gemacht. „Grün“, so argumentiert Romney, sei kapitalintensiv und verdränge Arbeitsplätze, während Gas, Kohle und Atomenergie viel größeres Potenzial hätten. In wie weit deutsche Windkraftkonzerne wie Siemens, Nordex und Enercon oder Solarunternehmen wie Solarworld davon profitieren, ist offen. Denn Obama sagt auch: „Wir müssen Weltmarktführer in erneuerbaren Energien werden. Ich werde nicht die Wind-, Solar- oder die Batterieindustrie Deutschland oder China überlassen.“
Bild: REUTERSInfrastruktur
Siemens dürfte sich freuen. Der Technologiekonzern hat mit 43.000 US-Dollar etwa drei Mal so viel an Obama gespendet wie an Romney und hofft nun auf eine Wende in der Verkehrs- und Energiepolitik. In Charlotte, North Carolina, betreibt Siemens eine Fabrik für Windkraftturbinen, die Obama Anfang des Jahres persönlich besuchte. Außerdem produziert Siemens in einem Werk in Sacramanto, Kalifornien, Straßenbahnen - bereits jede dritte Straßenbahn in den USA stammt von Siemens. Auch beim Ausbau von Hochgeschwindigkeitsstrecken könnte Siemens profitieren. In Kalifornien, Nevada, Florida und Georgia gibt es Überlegungen, Städte per Schnellzug zu verbinden. Siemens fertigt Hochgeschwindigkeitszüge wie den ICE und Schienen-Infrastruktur wie Stellwerke und Signaltechnik.
Bild: dpaDie Pharmaindustrie profitiert von Obamas Wahl. Seit seiner Gesundheitsreform 2010 sind weitere 32 Millionen Amerikaner krankenversichert – zusätzliche Kunden für die Medikamenten-Branche. Herausforderer Romney hatte dagegen versprochen, die Reform rückgängig zu machen.
Deutsche Bank
Mitt Romney war der eindeutige Favorit der Wall Street. Die Beschäftigten der dort aktiven Investmentbanken wie Goldman Sachs, Bank of America und Credit Suisse zählten zu seinen eifrigsten Spendern. Auch die Angestellten der Deutschen Bank unterstützten ganz überwiegend den Republikaner. Laut der Internetseite opensecrets ließen sie für den Wahlverlierer rund 140.000 Dollar springen, Obama bekam von ihnen nur 27.000.
Kein Wunder: Romney als ehemaliger Chef des Finanzinvestor Bain Capital gilt Bankern als einer der ihren. Sie erhofften sich von ihm nicht nur weniger Steuern, sondern auch eine mögliche Abmilderung der Finanzmarktregeln "Dodd-Frank". Dazu hatte sich Romney im Wahlkampf nur vage, aber grundsätzlich entgegenkommend geäußert.
Für die Institute heißt das nun, dass zum Beispiel das Verbot des Eigenhandels und eine Beschränkung der Beteiligung an Hedgefonds unverrückbar bleiben. Das gilt auch für das US-Geschäft der Deutschen Bank, deren Aktienkurs bis zum Mittag um 0,5 Prozent nachgab.
„Wenn die Politiker das Schuldenproblem in den Griff bekommen, kann die US-Wirtschaft ab Ende des nächsten Jahres mit Raten von 3,0 bis 3,5 Prozent wachsen und diese Raten ein bis zwei Jahre lang halten“, sagte Behravesh der am Montag erscheinenden WirtschaftsWoche. „Der Immobilienmarkt hat sich in den vergangenen Monaten spürbar erholt. Die Hypothekenzinsen sind niedrig und die Häuserpreise stark gesunken. Das nutzen Bürger und Investoren, um günstig in den Häusermarkt einzusteigen. Dessen Erholung wird sich daher fortsetzen und das Wachstum stützen.“
Sollte es beim Streit um den Haushalt allerdings keinen Kompromiss geben, erwartet der Chefökonom erhebliche Belastungen und eine Abstufung der USA durch die Ratingagenturen. „Die Ratingagenturen werden wohl warten, wie die Verhandlungen zwischen Regierung und Kongress ausgehen. Wenn bis Mitte nächsten Jahres allerdings kein tragfähiger Kompromiss zum Schuldenabbau vorliegt, werden sie die Kreditwürdigkeit der USA wohl herabstufen.“ Damit würde die Finanzierung des Haushaltsdefizits noch teurer. „Die Zinsen würden steigen und die Fed in eine schwierige Lage bringen. Unternimmt die Notenbank nichts, riskiert sie einen Dämpfer für die Konjunktur.“
Allerdings glaubt Behravesh, dass sich Demokraten und Republikaner nun zusammenraufen werden. „Was das Schuldenlimit betrifft, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Politiker die Märkte noch einmal so verunsichern werden wie im Sommer 2011.“ Dabei sieht der Analyst bereits Kompromisslinien. „Die Chance besteht darin, die strukturelle Reform mit der Haushaltskonsolidierung zu verbinden. Obama könnte die Republikaner ins Boot holen, wenn er die von ihnen geforderte Senkung der Steuersätze mit der Streichung von Steuerprivilegien verknüpft. Das Ergebnis wäre ein einfacheres Steuersystem mit einer breiteren Basis, das dem Staat mehr Einnahmen liefert. Hinzu kommen müssten kräftige Kürzungen bei den Ausgaben im Gesundheitswesen. Dort drohen die Kosten in den nächsten Jahren im Zuge der demografischen Entwicklung sonst zu explodieren.“















