IHS-Chefökonom Nariman Behravesh: „Das goldene Zeitalter der Globalisierung ist vorbei“

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IHS-Chefökonom Nariman Behravesh: „Das goldene Zeitalter der Globalisierung ist vorbei“

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"Ich glaube, dass das goldene Zeitalter der Globalisierung vorbei ist", sagt IHS-Chefökonom Nariman Behravesh.

von Sven Prange

Der Chefökonom der Denkfabrik IHS, Nariman Behravesh, legt sich fest: Die Weltwirtschaft wird dieses Jahr um maximal drei Prozent wachsen. Den Welthandel sieht er auf Dauer gestört – worunter vor allem Deutschland leide.

WirtschaftsWoche: Herr Behravesh, wir sprechen anders als 2008/2009 nicht mehr über DIE Krise sondern über eine wahres Sammelsurium an Krisen: China, Terror, Rohstoffpreisverfall, Flüchtlinge, Markt-Chaos. Was davon ist das größte Risiko für die Weltwirtschaft?

Lassen Sie uns die Krisen einzeln sehen. Fangen wir mit der Flüchtlingskrise an, deren größte Auswirkungen ja auf Europa begrenzt sind. Ich glaube, dass das Flüchtlingsthema vor allem eine politische Gefahr ist. Ökonomisch könnte das sogar ein Gewinn für Europa sein: Wenn es gelingt, die vielen Menschen ordentlich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Aber auch, weil die Regierungen viel Geld für die Flüchtlinge ausgeben müssen. Das steigert die Haushalts-Defizite, aber eben auch Wachstum.

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Behravesh: Derzeit hat man eher den Eindruck, das Flüchtlingsthema wird zur wirtschaftlichen Last, weil es zu politischer Radikalisierung führt, die letztlich den europäischen Binnenmarkt abwürgen könnte. Schauen Sie sich die Grenzdiskussionen in Frankreich, Großbritannien oder Skandinavien an.

Da ist ein Risiko, das aber durch schlaue Politik zu händeln wäre. Wir werden womöglich mehr Grenzen sehen. Aber ich glaube nicht, dass Schengen stirbt, es ändert sich eher.

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 Kommen wir zur zweiten Krise. Öl ist diese Woche schon verschenkt worden. Gut kann das doch nicht sein?

Für die meisten etablierten Volkswirtschaften ist das erstmal eine gute Sache. Vor allem den Europäern hilft der niedrige Ölpreis wirklich. Auch den USA hilft es letztlich, obwohl sie viel selbst produzieren. Die großen Rohstoffexporteure sind natürlich angeschlagen: Brasilien, Russland, große Teile des Nahen Osten. Vor allem Saudi Arabien geht es gerade sehr schlecht. Wir erleben da gerade die Geburt einer zweigeteilten Weltwirtschaft.

 Man könnte auch sagen einer drei geteilten: Stabilität auf niedrigem Niveau im Westen, Krise in den Schwellenländern – und reines Chaos in China.

China ist derzeit die Wild Card der Weltwirtschaft. Das Land hat einen fiesen Cocktail aus drei Ursachen zu verarbeiten:  Der besteht aus strukturellen Problemen, also die hohe Verschuldung im Land und die großen Überkapazitäten in der Industrie. Dann kämpft das Land mit einer Verlangsamung des Wachstums. Aber das schlimmste an China ist das Chaos, was die Politik zuletzt angerichtet hat beim Versuch, die Märkte und die Währung zu beruhigen. Das macht mir wirklich Angst. 

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