Im Alter von 66 Jahren: Früherer IRA-Anführer McGuinness gestorben

Im Alter von 66 Jahren: Früherer IRA-Anführer McGuinness gestorben

, aktualisiert 21. März 2017, 21:20 Uhr
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Der frühere IRA-Anführer und ehemalige Vizeregierungschef von Nordirland, Martin McGuinness, ist im Alter von 66 Jahren gestorben.

Quelle:Handelsblatt Online

Ein Friedensbringer mit gewalttätigem Hintergrund: Der frühere IRA-Anführer Martin McGuinness ist gestorben. Neben Würdigungen sparen britische und irische Politiker allerdings nicht mit Kritik.

LondonDer einstige IRA-Anführer und spätere nordirische Vizeregierungschef Martin McGuinness ist am Dienstag im Alter von 66 Jahren gestorben. Sein Sarg wurde am Abend durch die Straßen von Bogside, dem katholischen Viertel von Londonderry, zu seinem Haus getragen. In der Stadt war McGuinness 1950 geboren worden. Anwohner standen an der Straße und applaudierten, als der Trauerzug an ihnen vorbeikam. Die britische Premierministerin Theresa May würdigte die Verdienste des Politikers, fand aber auch kritische Worte.

McGuinness hatte die Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee auf den Weg zur Versöhnung mit Großbritannien geführt. Er litt unter Amyloidose, einer seltenen Erkrankung, bei der sich körpereigene Eiweiße im ganzen Körper ablagern. Er sei nach kurzer Krankheit gestorben, teilte seine Partei Sinn Féin mit. Erst vor kurzem war McGuinness wegen seiner Krankheit von seinem Amt als Vizeregierungschef der nordirischen Allparteienregierung zurückgetreten, das er ein Jahrzehnt lang ausgeübt hatte.

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Der Präsident von Sinn Féin, Gerry Adams, gehörte zu denjenigen, die den Sarg trugen. Der frühere US-Präsident Bill Clinton, der eine wichtige Rolle im Friedensprozess von Nordirland gespielt hatte, pries McGuinness für seine Arbeit, Katholiken und Protestanten zu einen, nachdem er den bewaffneten Kampf gegen die britische Herrschaft beendet habe.

Der britische Ex-Premier Tony Blair würdigte McGuinness' Verdienste um den Friedensprozess in Nordirland. Blair war Premier, als 1998 das sogenannte Karfreitagsabkommen verabschiedet wurde, ein Meilenstein im Friedensprozess.

May sagte, McGuinness sei ein Pionier darin gewesen, die Machtverteilung über die unterschiedlichen Lager hinweg umzusetzen. Dennoch werde sie niemals den Weg entschuldigen, den er in seinen frühen politischen Jahren eingeschlagen habe.

Der frühere irische Ministerpräsident Bertie Ahern meinte, McGuinness habe eine für das moderne Irland beispiellose Reise unternommen: Von einem sehr jungen Mann auf der Suche nach gewaltsamem Kampf habe er Wochen vor seinem Tod noch einmal den Frieden gestärkt, für dessen Durchsetzung seine Führung wesentlich gewesen sei.

McGuinness' Wandel zum Friedensbringer war in der Tat bemerkenswert, weil er als hochrangiger IRA-Vertreter stets darauf beharrte, Nordirland müsse sich von Großbritannien abspalten. Auch als Sinn Féin begann, sich als legaler Ableger der IRA in den 1980er Jahren zur Wahl zu stellen, blieb McGuinness hart. Der „bewaffnete Kampf“ bleibe wesentlich, sagte er damals als stellvertretender Parteichef.

„Wir glauben nicht, dass der Sieg bei Wahlen oder eine Anzahl von Stimmen zu Freiheit in Irland führen wird“, sagte er 1986 in einer BBC-Dokumentation. „Am Ende des Tages wird es die Klinge der IRA sein, die Freiheit bringt.“

Dennoch erfuhr McGuinness das Gegenteil, als er verdeckt in Kontakt mit dem britischen Geheimdienst stand und dies schließlich zu einem Waffenstillstand und zwischenparteilichen Gesprächen führte. Anders als der ihm nahestehende Adams machte McGuinness nie einen Hehl aus seiner Vergangenheit als IRA-Anführer, einer Organisation, die von der britischen, irischen sowie der US-Regierung als Terrororganisation eingestuft wurde.

Zuletzt verschlechterten sich die Beziehungen zu der Chefin der britisch-protestantischen Democratic Unionist Party, Arlene Foster, rasant. Nach einem Misstrauensvotum im Parlament im Dezember hatte die DUP-Regierungschefin McGuinness' Rücktrittsforderung abgelehnt. Daraufhin trat er zurück und provozierte so Neuwahlen. Anfang März ging Sinn Féin dann als großer Gewinner hervor; zur DUP besteht nun lediglich noch ein Sitz Abstand.

Quelle:  Handelsblatt Online
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