Immobilienkrise: Ferienimmobilien hart getroffen

Immobilienkrise: Ferienimmobilien hart getroffen

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Strand auf Mallorca

Die Krise am Häusermarkt zieht auch die Preise für Ferienimmobilien an den Küsten mit nach unten. Schnäppchenjäger wittern Morgenluft.

Auswüchse eines Booms:  An der spanischen Mittelmeerküste versuchten in den vergangenen Jahren selbst Tankstellen ihr Glück im Immobiliengeschäft. Außer Sprit verkauften sie jahrelang Ferienwohnungen. Heute konzentrieren sie sich wieder auf ihr Kerngeschäft. „Schon 2002 hat die spanische Nationalbank gewarnt, dass die Wohnungen mindestens um 30 Prozent überbewertet sind, heute liegt die Überbewertung sicherlich bei fast 50 Prozent“, schätzt Jesús Encinar, Gründer der größten spanischen Wohnungsbörse idealista.com. In den vergangenen zwölf Monaten hat die Immobilienkrise Tausende von spanischen Pseudomaklern und Bauentwickler eiskalt erwischt, darunter auch viele Ausländer. So schloss kürzlich der britische Makler Viva Estates seine acht Verkaufsbüros an der spanischen Küste. Nach einer Studie der spanischen Unternehmensberatung Tormos y Asociados machten im vergangenen Jahr 700 Immobilienbüros in Spanien den Laden dicht. „Besonders hart hat es in den vergangenen Monaten touristische Städte wie Torrevieja und Alicante getroffen“, weiß Manuel Romera, Finanzwissenschaftler an der Managementschule Instituto de Empresa in Madrid. Real würden die Preise seit Sommer 2007 sinken, beobachtet Encinar. „Haben Bauentwickler vor fünf Jahren noch die Kredite hinterhergeworfen bekommen, ist es für sie jetzt sehr schwer geworden, sich zu finanzieren“, sagt der Experte.

Ausländische Immobilienkäufer bleiben aus. In den Regionen Valencia und Alicante wird selbst den dort stark vertretenen Briten der Platz an der Sonne zu teuer. Taylor Wimpey, der größte britische Bauentwickler in Spanien, meldet für 2007 einen Nachfragerückgang um 44 Prozent. Den Deutschen ist es schon seit Anfang des Jahres 2000 in Spanien zu teuer. Zurückgekehrt sind die Käufer aus Deutschland bisher nur nach Mallorca, auch dort laut Maklern jedoch fast ausschließlich im hochpreisigen Segment.

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Besonders stark gefallen sind die Preise und Mieten an der Costa Blanca, wo immer noch rund 60.000 Deutsche leben. In dem jüngst veröffentlichen Marktbericht des deutschen Maklerbüros Engel & Völkers, werden für Torrevieja im Süden der Costa Blanca bereits Preisrückgänge um 25 Prozent verzeichnet. Hier sind schon viele Hausobjekte wieder unter die 200.000-Euro-Marke gefallen. An der Küste sei der Moment für den verhandlungssicheren Käufer gekommen, glaubt Encinar: „Schnäppchen kann man außer an der Costa Blanca unter Umständen auch schon auf den Kanaren, an der nordspanischen Küste um Kantabrien, in Murcia und Andalusien machen.”

Auf dem Rückzug aus Spanien ist zum Beispiel der deutsche Bauentwickler und Makler Sauer International. „Wir verkaufen seit einem Jahr fast nur noch unsere eigenen Projekte, und die sind vor allem gewerblicher Natur. Der Wiederverkauf von Privatimmobilien läuft einfach nicht mehr so gut”, sagt Rosa Morena, Verantwortliche von Sauer in Estepona bei Marbella.

Von den balearischen Inseln hat sich das Unternehmen inzwischen ganz zurückgezogen. „Auf Mallorca ist nur noch das hochpreisige Segment interessant”, bestätigt U. H. vom deutschen Immobilienbüro Sonnschein International. Makler wie H. greifen in Krisenzeiten, getrieben vom allgemeinen Kampf um Käufer, zu bedenklichen Tricks. In Internet-Anzeigen, berichtet er mit bemerkenswerter Offenheit, erwecke er den Eindruck, er sei ein Privatmann und verkaufe aus finanzieller Not: „Wenn ich schreibe: Stoße alle Objekte in Spanien ab, dann denken vor allem viele Deutsche gleich, da kann man ein Schnäppchen machen – das funktioniert.“

Viele Spanier werfen ihre Zweithäuser an der Küste vor allem deshalb auf den Markt, damit sie die Hypotheken für ihr Ersthaus weiter bezahlen können: „Das Haus am Strand verkauft man bei finanziellen Problemen zuerst, deswegen bluten einige Ferienhausprojekte an der Küste derzeit regelrecht aus”, sagt Pedro Pérez Fernández, Präsident von G14, einer im vergangenen Jahr gegründeten Vereinigung der 14 größten spanischen Immobilien- und Bauunternehmen.

Während der Einbruch auf dem Ferienimmobilienmarkt spürbar ist und dort auch die Mieten sinken, bewegen sich die Preissenkungen in den Metropolen Barcelona und Madrid nur bei rund zwei Prozent, die Mieten steigen in den Zentren sogar weiter. Encinar von idealista wundert das nicht: „Das ist die logische Folge davon, dass immer mehr ihre Häuser verkaufen und lieber mieten wollen.”

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