Immobilienmarkt: Chinas Immobilienmarkt bedroht

Immobilienmarkt: Chinas Immobilienmarkt bedroht

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Chinas Immobilienmarkt droht einzubrechen (hier Hongkong)

Trotz Gegensteuerns der Regierung droht Chinas Immobilienmarkt einzubrechen. Langfristig aber wird der Wohnungsmarkt weiter boomen.

Die Kundin ist stark geschminkt, eine Geschäftsfrau, die das Handy nicht aus der Hand legt. Zwei Wohnungen in der Anlage „Julong Garden“ im zentralen Osten Pekings will sie sich heute von Zhang Chunhe, Angestellter der Immobilienmaklerfirma Hualiang, zeigen lassen. Die rund zwei Dutzend sechsstöckigen weißen Häuser und das wolkenkratzer-ähnliche Hauptgebäude liegen zentral im beliebten Stadtviertel Chaoyang, ein guter Ort fürs Geschäftemachen, Einkaufen und Ausgehen.

Seit einem halben Jahr sucht die Enddreißigerin ein Drei-Zimmer-Apartment für ihre Eltern. Rund zwei Dutzend Apartments hat sie sich schon angeschaut. Mal passt ihr die Lage nicht, mal der Schnitt, mal der Preis. „Sie zögert“, sagt Zhang, „weil sie Angst vor einem Einbrechen des Immobiliensektors hat.“ Oder weil sie hofft, dass die Immobilienpreise nachgeben und sie eine Wohnung später zu einem günstigeren Preis kaufen kann.

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Seit über drei Jahren versucht Chinas Regierung den Immobilienmarkt abzukühlen. Die Regierung hat die Bedingungen für die Bauland- und Kreditvergabe verschärft, die Notenbank wiederholt die Zinssätze erhöht. Lange blieb das ohne große Wirkung, doch jetzt zeigt der Markt erste Anzeichen der Abkühlung. Bei den profitverwöhnten Immobilienunternehmen herrscht Katerstimmung, weil sie ihre Objekte nicht mehr so schnell loswerden.

Im Süden Chinas sind die Preise bereits eingebrochen

Zwar ist in Peking der Quadratmeterpreis für Wohnungen in diesem Jahr sogar noch leicht gestiegen auf knapp über 12. 000 Yuan (rund 1.200 Euro). Auch in der Businessmetropole Shanghai sind die Preise stabil. Aber seit Beginn dieses Jahres ist der Verkauf von neuen Immobilien landesweit um sieben Prozent gefallen – der erste Rückgang seit 1997. In Peking etwa haben allein im Mai und April rund acht Prozent der Wohnungskäufer in zehn neu geplanten Apartmentanlagen ihre Kaufentscheidung rückgängig gemacht.

In anderen Regionen Chinas sind die Preise sogar schon eingebrochen: In den südlichen Metropolen Shenzhen und Kanton sind die Preise seit Anfang des Jahres um 7,3 Prozent beziehungsweise 3,3 Prozent gefallen (siehe Grafik rechts). Derweil hält der Bauboom unverändert an. Nach Angaben der internationalen Wirtschaftsberatung Global Insight nahmen die Investitionen in städtische Immobilien in den ersten fünf Monaten dieses Jahres um mehr als 30 Prozent zu – ein „atemberaubendes Tempo“ und kein bisschen langsamer als im Vorjahreszeitraum.

Kaufpreisentwicklung für Wohneigentum Index 100 = 1. Quartal 2000 (Zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken) Quelle: DTZ

Kaufpreisentwicklung für Wohneigentum Index 100 = 1. Quartal 2000 (Zur Vollansicht bitte auf die Grafik klicken)

Bild: DTZ

Bröckelnde Nachfrage und weiter steigendes Angebot – kein Wunder, dass mehr und mehr Investoren von der US-Investmenbank Wachovia über die niederländische Bank ING und Morgan Stanley Real Estate Fund bis hin zur chinesischen Shanghai Zicheng Enterprise sich nun mit dem Verkauf ihrer Eigentumsobjekte beeilen. Sie alle wollen schnell raus, den kränkelnden Markt verlassen. Auch der Markt mit Gewerbeimmobilien ist betroffen. Viele Objekte stehen leer..

Die beiden Wohnungen, die Zhang Chunhe seiner Kundin heute anbietet, liegen beide im elften Stock des Hauptgebäudes der „Julong Garden“-Anlage. Beide sind raffiniert geschnitten. Über den Preis – 13.000 Yuan pro Quadratmeter (1.300 Euro)– redet sie erst gar nicht. Der Wohnungsbesitzer antwortet auf ihre Fragen mit verschränkten Armen. Runter mit dem Preis will er nicht. „Sollen sie doch sehen, ob die Preise wirklich fallen“, knurrt er. Das spekulative Zurückhalten von Wohnraum war neben der Kungelei zwischen Immobilienfirmen, Banken und Regierung ein Grund dafür, dass sich in China eine Immobilienblase gebildet hat. Von 2001 bis 2006 haben sich die Wohnungspreise beispielsweise in Peking und der Perlflussdelta-Metropole Shenzhen vervierfacht. In ähnlicher Größenordnung kletterten sie auch in anderen Großstädten wie Shanghai oder Xiamen. Viele Investoren kauften Wohnungen nur in der Absicht, das Objekt kurze Zeit später mit Aufschlag wieder verscherbeln zu können. Manche Wohnung hatte so schon mehrere Eigentümer, bevor überhaupt jemand eingezogen war.

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