Immobilienmarkt: In Spanien auf Sand gebaut

Immobilienmarkt: In Spanien auf Sand gebaut

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Grundstücksangebot in Spanien

Die Krise auf dem spanischen Immobilienmarkt spitzt sich zu. Doch die Banken sind gut gerüstet und auch die Regierung steuert gegen.

"Zu deiner Wohnung bekommst du jetzt gratis ein Auto dazu", locken die Plakate der Immobilienfirma TPC auf der größten Immobilienmesse weltweit, der SIMA, die Mitte April in Madrid zu Ende ging. Eine Halle weiter schenkt Konkurrent Habitat Käufern von Wohnungen, die mehr als 160.000 Euro kosten, die passenden Möbel dazu – die stammen zwar nur von Ikea, haben aber immerhin einen Wert von bis zu 3500 Euro. Wer stattdessen bei Realitas sein Eigenheim kauft, der bekommt seine Hypothek im ersten Jahr geschenkt – im zweiten Jahr zahlt das Immobilienunternehmen die Hälfte und im dritten Jahr immerhin noch ein Drittel. Martinsa Fadesa bietet günstige Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen mit staatlicher Subventionierung an und übernimmt außerdem alle Formalitäten für denjenigen, der seine Wohnung gegen einen Neubau tauschen will.

Vielleicht liegt es an solchen Angeboten, dass die Besucherzahlen auf der diesjährigen Immobilienmesse nur geringfügig niedriger ausfielen als in den vergangenen Jahren – obwohl Spaniens Immobiliensektor derzeit in einer mehr als schwierigen Lage steckt. Der schöne Schein vieler Pappmodelle von großzügigen Wohnanlagen inklusive Swimmingpool trügt: Nicht wenige der Unternehmen, die hier ausstellen, sind selbst auf Sand gebaut. Habitat etwa entlässt derzeit auf Druck der Banken die Hälfte seiner Belegschaft. Das Unternehmen konnte sich jetzt gerade noch einmal vor der Pleite retten, nachdem es das vergangene Jahr mit 444 Millionen Euro Verlust und einem Schuldenberg von 1,5 Milliarden Euro abschloss. Auch Martinsa Fadesa hat erst kürzlich in langen Verhandlungen mit den Banken doch noch einmal die Refinanzierung seiner enormen Kredite gesichert.

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Mehr als zehn Jahre lang kannte die spanische Baubranche solche Sorgen nicht. Mit mehr als 600.000 Wohnungen jährlich wurden in den vergangenen Jahren rund zwei Drittel aller Wohnungen, die in der Europäischen Union fertiggestellt wurden, in Spanien gebaut. Noch 2006, auf dem Höhepunkt des Booms, wurde mit dem Bau von 760.000 Wohnungen begonnen. Im vergangenen Jahr waren es mit 600.000 schon deutlich weniger. Da es im Schnitt aber 18 Monate dauert, bis eine Wohnung fertiggestellt wird, kommen in diesem und im nächsten Jahr mehr als eine Million neuer Wohnungen auf den Markt.

Doch jetzt geht die Nachfrage rapide zurück, die Firmen bleiben auf ihren frisch gebauten oder noch im Bau befindlichen Wohnimmobilien und den entsprechenden Entwicklungskosten sitzen. Nach aktuellen Zahlen des Nationalen Statistikinstituts wurden im Januar insgesamt 27 Prozent weniger Wohnungen verkauft als im Vorjahr. Bei gebrauchten Wohnungen, die gut die Hälfte des Marktes ausmachen, betrug der Nachfragerückgang sogar 36 Prozent.

Die Baubranche reagiert. Die Wohnungsbaugenehmigungen sanken von September 2006 bis September 2007 um 40,6 Prozent. Ein ähnlich großer Einbruch der Baubeginne hätte aber katastrophale Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und die Wirtschaft insgesamt, denn die Investitionen in den Wohnungssektor machten im letzten Jahr rund zehn Prozent des Bruttosozialprodukts aus, und seit dem Jahr 2000 wurde jeder fünfte Job in der Baubranche geschaffen. Jetzt aber wird der Arbeitsplatzverlust in der Bau- und Immobilienbranche auf mehr als einer Million geschätzt.

Zugespitzt hat sich die Situation auch durch die internationale Finanzkrise. „Implizierte schon die demografische Entwicklung einen Anpassungsprozess des Sektors, so wurde der durch die veränderten Finanzierungsbedingungen beschleunigt und verstärkt“, heißt es in einer Studie des Bauträgerverbands Asprima. Denn im Zuge der Subprime-Krise wurden Kredite weltweit knapp und teuer.

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