Indien: "Schreibt Indien nie ab!"

InterviewIndien: "Schreibt Indien nie ab!"

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Anand Mahindra kritisiert die Bürokratie und hofft auf eine positive Reaktion der Märkte auf die Parlamentswahlen

von Florian Willershausen

Der Chef eines der größten indischen Mischkonzerne über die schlechte Konjunktur und den vermutlichen Wahlausgang.

Herr Mahindra, die indische Wirtschaft wuchs 2013 so schwach wie seit fünf Jahren nicht. Was bedeutet das für Ihre Geschäfte?

Als Unternehmer wünsche ich mir natürlich, dass die Wirtschaft stärker wächst. Aber wir konnten die konjunkturelle Großwetterlage antizipieren und waren darauf vorbereitet, die Kosten rechtzeitig zu senken. Das ist uns auch gelungen, und deswegen haben wir das vergangene Jahr trotz des negativen Wirtschaftsklimas gut überstanden. Uns hilft aber auch, dass wir um bestimmte Sektoren einen großen Bogen machen – zum Beispiel Bau und Infrastruktur.

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Wieso das? Gerade in diesen Bereichen plant doch die indische Regierung Investitionen in Milliardenhöhe.

Höflich ausgedrückt, erfordern solche Projekte in Indien Ressourcen und Fähigkeiten, die wir nicht haben. Wir müssten uns stark mit den Behörden auseinandersetzen, um bevorzugten Zugang etwa zu Rohstoff-Projekten zu bekommen. Das wollen wir nicht, das können wir nicht. Also machen wir überhaupt keine Geschäfte, die staatliche Lizenzen erfordern oder bei denen wir uns einer staatlichen Regulierung unterwerfen müssten. Wir ziehen ein Engagement in Sektoren vor, die mit dem Privatkonsum zusammenhängen – so können wir unser Schicksal selbst bestimmen.

Viele Unternehmer machen die indische Regierung für den Abschwung verantwortlich. Was lief aus Ihrer Sicht falsch?

Man hat Infrastruktur-Investitionen verschlafen, Genehmigungen verschleppt, es kam zu Stillstand und Blockaden im politischen Prozess, sodass schließlich die Investitionen in die indische Ökonomie zurückgingen. Aber diese Schwächephase hatte auch positive Aspekte: Aufgrund der Überregulierung kam es zu einem enormen Aufschrei wegen des willkürlichen Rent-Seeking...

...also Fällen, in denen Beamte die Hand aufhalten oder sich Behördenvertreter schmieren lassen, um bestimmten Unternehmen Vorteile zu verschaffen.

Oder sogar willkürlich Lizenzen zur Förderung von Rohstoffen vergeben. Dagegen sind die Inder vorgegangen: über den Rechtsweg, mit öffentlichen Anfragen, mithilfe der Medien. Schon das Vorgehen gegen Willkür macht unser Land stärker. Indien ist keine Bananenrepublik. Dies ist kein Wirtschaftssystem, das nur ein oder zwei Business-Familien dominieren. Wir haben viel mehr Tiefgang. Und wann immer hier jemand versucht, zu viel Macht in seinen Händen zu halten, wird die demokratische Gesellschaft reagieren.

Zur Person

  • Anand Mahindra

    Mahindra, 59, ist in dritter Generation führender Manager der Mahindra Group, einem der größten Mischkonzerne Indiens.

Reichen staatliche Investitionen aus, um Indiens Wachstum wieder in Richtung zehn Prozent zu führen?

Nein, aber wir sollten eines nicht vergessen: Indien hat eine hohe Sparquote, fast 30 Prozent. Daraus lassen sich Investitionen finanzieren. Global ist zudem Geld im Überfluss vorhanden – und es gibt in der Welt nur sehr wenige Möglichkeiten, es sinnvoll zu investieren. Als der Markt jüngst bemerkte, dass die indische Notenbank den Abwärtstrend der Rupie aufhalten würde, ging es mit der Währung sofort aufwärts. Und nun notieren unsere Börsen auf einem Allzeithoch.

Scheinbar erwarten die Märkte den Wahlsieg von Narendra Modi, der als Hoffnungsträger der Wirtschaft gilt...

Ja, das hat mich auch überrascht. Wenn die Märkte also schon vor der Stimmenauszählung so positiv reagieren, dann können wir im Falle eines eindeutigen Wahlergebnisses mit Kapitalzufluss rechnen. In der Welt liegt noch viel Geld auf Halde, das womöglich bald nach Indien fließt, sobald es weitere Zeichen für eine stabile wirtschaftliche Entwicklung gibt.

Vor allem in Neu-Delhi freut sich jeder Unternehmer auf den wahrscheinlichen Wahlsieg der BJP. Warum?

Wir haben keine Präferenz für einzelne Parteien, sondern sponsern alle Parteien in gleichem Maße. Und zwar seit fünf Legislaturperioden – und völlig transparent. Wir wollen die Demokratie fördern und keine Partei. Wenn eine Regierung an der Macht ist, machen wir hartes Lobbying für das, was das Land voranbringt.

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