Inflation: Die Krisen befeuern den Preisauftrieb

Inflation: Die Krisen befeuern den Preisauftrieb

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Die Notenbank-Chefs von Großbritannien, Mervyn King, USA, Ben Bernanke, und Europa, Jean-Claude Trichet (von links)

von Malte Fischer

Die Erdbebenkatastrophe in Japan, die Unruhen in Nahost und die Geldschwemme durch die großen Notenbanken drohen die Teuerungsraten weltweit spürbar nach oben zu treiben.

Es war ein Schocker für die Finanzmärkte. Anfang vergangener Woche meldete das Statistikamt in London, die Inflationsrate in Großbritannien sei im Februar auf 4,4 Prozent gesprungen. Mit einem so kräftigen Anstieg hatte niemand gerechnet. Nicht nur Energie und Lebensmittel, auch Bekleidung und Schuhe sind auf der Insel deutlich teurer geworden. Experten rechnen damit, dass die Inflation bis zur Jahresmitte die Marke von fünf Prozent erreicht – höher als derzeit in China.

Der Inflationsschock in Großbritannien ist ein Vorgeschmack auf das, was bald auch anderen Industrieländern bevorstehen könnte. Die extrem expansive Geldpolitik der großen Notenbanken, die Ölpreishausse sowie steigende Rohstoffpreise im Gefolge des Wiederaufbaus in Japan bilden eine gefährliche Mischung für die globale Preisstabilität.

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Inflation im Aufwärtstrend

Schon seit Monaten hat der Preistrend unter dem Einfluss der höheren Ölpreise nach oben gedreht. In der Euro-Zone kletterte die Inflationsrate im Februar auf 2,4 Prozent, in Deutschland lag sie bei 2,1 Prozent. In den USA ist die Deflationsangst der Inflationssorge gewichen. Im Februar stieg die Teuerung auf 2,1 Prozent. Neben Nahrung und Energie haben sich die Wohnungsmieten verteuert. Ökonomen rechnen mit einem Anstieg der Inflation auf mehr als drei Prozent bis Mitte 2011.

Die Hoffnung, der globale Teuerungsschub werde sich bald zurückbilden, steht auf wackeligen Füßen. Zum einen könnten die Unruhen in Nahost einen neuen Höhenflug des Ölpreises auslösen. Zum anderen dürfte der Wiederaufbau in Japan bald beginnen. Der wird Nippons Nachfrage nach Energie- und Industrierohstoffen steigen lassen. Die Notierungen für Energierohstoffe haben darauf schon reagiert. Der Preis für Flüssiggas legte nach dem Atomunfall prompt um rund zehn Prozent zu. Der Grund: Große Teile der japanischen Kapazitäten für die Stromerzeugung sind für Monate lahmgelegt. Japan ist verstärkt auf die Einfuhr fossiler Energieträger wie Kohle, Diesel und Flüssiggas angewiesen. „Es wird Jahre dauern, bis die AKW-Kapazitäten in Japan wieder ihr Vor-Krisenniveau erreichen – wenn überhaupt“, urteilen die Ökonomen der Bank UniCredit.

Rohstoffpreise könnten explodieren

Mit dem Wiederaufbau von Straßen, Gebäuden, Schienen und Brücken dürften zudem die Preise für Industrierohstoffe auf dem Weltmarkt auf neue Rekorde zusteuern. Insbesondere Stahl, Aluminium, Kupfer und Nickel werden profitieren. Japan verbraucht rund acht Prozent des globalen Angebots an Kupfererz, fünf Prozent an Aluminium, elf Prozent an Nickel. Platin und Palladium, die vor allem in der Auto- und Elektroindustrie eingesetzt werden, gehen zu 17 beziehungsweise 20 Prozent nach Japan. Hinzu kommt, dass sich nach dem Reaktorunglück von Fukushima eine weltweite Renaissance fossiler Energieträger abzeichnet. Das wird in  Europa die Nachfrage nach Emissionszertifikaten in die Höhe treiben, deren Preise werden steigen.

Für die Notenbanken sind das keine guten Nachrichten. Sie haben riesige Summen an Zentralbankgeld in die Weltwirtschaft gepumpt und damit die Spekulation an den Rohstoffmärkten angefeuert. In vielen Schwellenländern haben die Währungshüter in den vergangenen Monaten zwar die Wende eingeleitet und die Zinsen erhöht. Doch in den großen Industrieländern halten die Notenbanken den Fuß weiter auf dem Gaspedal. In Japan hat Zentralbankchef Masaaki Shirakawa nach dem Erdbeben umgerechnet rund 322 Milliarden Euro Nothilfen in das Bankensystem gepumpt. US-Notenbankchef Ben Bernanke will bis Ende Juni weiter Staatsanleihen im Wert von insgesamt 600 Milliarden Dollar ankaufen. Die Notenbanker der Europäischen Zentralbank (EZB) haben zwar höhere Leitzinsen signalisiert. Doch aus Furcht vor einem Wiederaufflackern der Schuldenkrise dürften sie zögerlich vorgehen. So könnte nach dem Atomschock der Preisschock zu einer neuen Belastungsprobe für die Weltwirtschaft werden.

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