Inflation: Gefährliche Preisspirale in Asien

Inflation: Gefährliche Preisspirale in Asien

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Fleischhandel in Shanghai

von Matthias Kamp

Nirgendwo auf der Welt steigen die Preise so stark wie in Fernost – auch wegen der lockeren Geldpolitik in den USA.

Seit Kurzem haben die Bewohner Jakartas eine neue Freizeitbeschäftigung: Sie pflanzen Chili an. Weil die scharfen Schoten für viele Geringverdiener Indonesiens inzwischen unerschwinglich sind, hat die Regierung das Volk aufgefordert, selbst Chili zu ziehen. Zuletzt hatte sich der Preis für das Gewürz, ohne das kaum ein indonesisches Gericht auskommt, im Jahresvergleich fast verdoppelt. Jetzt sprießen in immer mehr Gärten der indonesischen Hauptstadt Chilipflanzen aus Blumenkästen. Insgesamt liegt die Inflationsrate im nach Bevölkerung viertgrößten Land der Welt im Januar bei sieben Prozent – so hoch wie seit 20 Monaten nicht. Treiber waren vor allem die Lebensmittelpreise.

Auch in anderen Ländern Asiens zieht die Inflation an. In China erreicht sie aktuell 5,6 Prozent. Die Preise für Geflügel und Eier kletterten teils um mehr als 30 Prozent. Experten wie Ma Jun, China-Chefökonom der Deutschen Bank in Hongkong, rechnen für das erste Halbjahr 2011 weiter mit Raten von mehr als fünf Prozent. Sollten die Preise um sechs bis sieben Prozent steigen, erfordere dies "drakonische Maßnahmen", so Ma. Das wiederum berge die Gefahr einer harten Landung für die Wirtschaft.

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Lockere US-Geldpolitik fördert asitische Inflation

Auch kleinere Länder wie Thailand haben mit steigenden Preisen zu kämpfen. In Indien liegt die Inflationsrate aktuell bei neun Prozent. "Die Bekämpfung der Inflation wird in den kommenden Monaten für die indische Zentralbank höchste Priorität haben", sagt Indranil Pan, Chefökonom der Kotak Mahindra Bank in Mumbai.

Sicherlich sind Extremwetterlagen, etwa die starken Regenfälle in Indonesien im letzten Jahr, aber auch die weltweit gestiegenen Rohstoffpreise Gründe für die hohen Inflationsraten in Fernost. Doch die Ursachen gehen tiefer. So hat die extrem lockere Geldpolitik der Amerikaner in den vergangenen Monaten zu starken Kapitalzuflüssen nach Asien geführt. Viel Geld ist in die Aktienmärkte, in festverzinsliche Papiere, aber auch in den Immobilienmarkt geflossen. Um den Wechselkurs ihrer Währungen dennoch stabil zu halten, haben die Notenbanken Asiens ihre Währung gegen Dollar verkauft. China verzeichnete auf diese Weise im Schlussquartal 2010 einen Zuwachs seiner Devisenreserven um 199 Milliarden Dollar, so viel wie seit 14 Jahren nicht mehr. Die Folge: Die heimische Geldmenge bläht sich auf, die Inflation steigt weiter.

Lohn-Preis-Spirale

Grafik: Preissteigerungen in Asien Januar 2011

Grafik: Preissteigerungen in Asien Januar 2011

Dazu kommt: In einigen Ländern der Region steigen die Löhne rasant. In Thailand gilt seit Anfang des Jahres ein höherer Mindestlohn. In China hatten die Behörden schon im Frühsommer des vergangenen Jahres die gesetzlichen Mindestlöhne in vielen Städten um bis zu 25 Prozent erhöht. In zahlreichen Regionen wollen Chinas Behörden die Löhne in diesem Jahr in ähnlichen Größenordnungen anheben. Manche Experten fürchten nun eine gefährliche Lohn-Preis-Spirale.

Die Regierungen in Thailand, Indonesien und Südkorea haben deshalb bereits partielle Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, um den Zustrom von spekulativem Geld zu bremsen. Thailand hat in den vergangenen sieben Monaten außerdem viermal die Zinsen erhöht, Chinas Zentralbanker haben seit Oktober zweimal an der Zinsschraube gedreht. In Indien hat die Notenbank den Leitzins im zurückliegenden Jahr sechsmal angehoben.

Trotzdem sind die Zinsen vor allem in den Asean-Ländern und China nach Meinung vieler Experten noch immer zu niedrig. In Thailand etwa liegt der Leitzins derzeit bei 2,25 Prozent. Höhere Zinsen, so das Argument vieler Regierungen, würden die Währungen weiter aufwerten und die Ausfuhren bremsen. Davor fürchten sich Länder wie Thailand und Südkorea, vor allem wegen der Konkurrenz aus China.

Die Länder der Region warten daher auf eine Aufwertung der chinesischen Währung. Diese würde ihnen eine flexiblere Geldpolitik ermöglichen – und den Chinesen ebenso.

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