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Inlandsprodukt: Chinas Wachstum schafft die Wende

18. Januar 2013, aktualisiert 18. Januar 2013, 10:36 Uhr
Containerriese der Reederei China Shipping: Chinas Zahlen ziehen an. Quelle: dpaBild vergrößern
Containerriese der Reederei China Shipping: Chinas Zahlen ziehen an. Quelle: dpa
von Finn Mayer-Kuckuk Quelle: Handelsblatt Online

Nach sieben Quartalen Abwärtstrend steht die Lokomotive der Weltkonjunktur wieder unter Dampf: Das Inlandsprodukt der Volksrepublik ist nach offiziellen Zahlen um 7,9 Prozent gestiegen.

Die chinesische Wirtschaft wächst wieder stärker. Im vierten Quartal des vergangenen Jahres ist das Inlandsprodukt offiziellen Zahlen zufolge um 7,9 Prozent gestiegen. Nach sieben Quartalen sinkenden Wachstums bedeutete das einen lange erwarteten Anstieg: „Die Wirtschaftsaktivität hat sich insgesamt stabilisiert“, sagte Ma Jiantang, ein Ökonom des Nationalen Statistikamtes, am Freitag in Peking.
Im Gesamtjahr war die Wirtschaft zwar nur um 7,8 Prozent gewachsen, was den schwächsten Wert seit 13 Jahren markiert. Doch der Durchhänger hatte sich lange abgezeichnet: Nach einem unerwartet starken Boom infolge üppiger Konjunkturprogramme 2009/10 gilt die Abkühlung als nötige Korrektur.

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China und EU handeln jeden Tag für mehr als eine Milliarde Euro

  • Gegenseitige Abhängigkeit

    China und Europa sind voneinander abhängig. Das Reich der Mitte wird in diesem Jahr zum größten Exportmarkt der Europäer aufsteigen und damit die USA überholen. Umgekehrt ist die Europäische Union der größte Abnehmer chinesischer Ausfuhren. Beide Seiten handeln jeden Tag mit Waren im Wert von mehr als einer Milliarde Euro.

  • Ausfuhren gestiegen

    Nach einem Zuwachs von 37 Prozent 2010 stiegen die europäischen Ausfuhren nach China im vergangenen Jahr von Januar bis November um 21 Prozent auf 124 Milliarden Euro. Deutschland hat mit deutlichem Abstand und knapp der Hälfte der EU-Ausfuhren nach China den größten Anteil daran, gefolgt von Frankreich und Großbritannien. 60 Prozent der EU-Ausfuhren waren Maschinen und Fahrzeuge.

    Während die 27 EU-Länder im Jahr 2010 rund 19,8 Millionen Autos produzierten, waren es in China nicht viel weniger: rund 18,3 Fahrzeuge.

  • Weltgrößte Devisenreserven

    Die Importe aus China kletterten nach einem Anstieg von 31 Prozent 2010 im vergangenen Jahr bis November um weitere fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 244 Milliarden Euro. Seit Jahren gibt es ein großes europäisches Defizit im Handel mit China, das 2010 noch bei 168 Milliarden Euro lag. Aus diesem Überschuss sammelt China die Euros in seinen weltgrößten Devisenreserven im Wert von insgesamt 3,18 Billionen US-Dollar an. Rund ein Viertel sollen Euros sein.

  • Negative Leistungsbilanz

    Während die Leistungsbilanz der 27 EU-Länder im vergangenen Jahr bei minus 24 Milliarden Euro lag, konnte China einen deutlich positiven Saldo von 258 Milliarden Euro verbuchen. Auch das BIP der Chinesen war 2011 mit 12.900 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch wie das BIP der EU (5100 Milliarden Euro).

  • Schlechter Marktzugang

    Die Wirtschaftskooperation zwischen Europa und China ist rasant gewachsen. Doch beklagen europäische Unternehmen in China schlechten Marktzugang, ungleiche Wettbewerbsbedingungen, mangelnde Transparenz und Rechtsunsicherheiten.

  • Urheberrechte verletzt

    Schlechter Schutz des geistigen Eigentums ist unverändert ein großes Problem. Sieben von zehn in China tätigen europäischen Unternehmen wurden nach eigenen Angaben schon Opfer von Urheberrechtsverletzungen mit teils erheblichen Verlusten. Mehr als die Hälfte aller Raubkopien, die der Zoll in Europa sicherstellt, stammt aus China.

  • Zögerliche Investitionen

    Die 27 EU-Staaten zählen mit 7,1 Milliarden Euro 2010 zu den fünf wichtigsten Investoren in China - neben Taiwan, Hongkong, USA und Japan. Rund 20 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen in China stammen aus Europa. China investiert aber nur sehr zögerlich in Europa. Zwar stiegen die chinesischen Investitionen 2010 von 0,3 auf 0,9 Milliarden Euro, doch stammen nur 1,7 Prozent aller ausländischen Investitionen in Europa aus China.

Für das laufende Jahr erwarten Experten nun wieder einen Wert über acht Prozent. „Es gibt Anzeichen für energischere Wirtschaftsreformen“, sagt Ökonom Ma Jun von der Deutschen Bank in Hongkong. Das werde Früchte tragen: Die Talsohle sei bereits seit Monaten überschritten, jetzt gehe es bergauf. Die Regierung hat zuletzt die Kreditvergabe ausgeweitet und neue Bauprojekte angeschoben – das spült Geld in die Kassen der Unternehmen.

Die global zweitgrößte Volkswirtschaft wird damit auch ihrer Rolle als Schwungrad der Weltkonjunktur wieder gerecht. Im Dezember waren die chinesischen Importe um sechs Prozent gestiegen, was gerade dem wichtigsten Handelspartner des Landes zugute kommt: Europa. Deutsche Autos, italienische Luxushandtaschen oder Schweizer Uhren waren wieder extrem gefragt. Die Ausfuhr von Olivenöl aus Spanien, Italien und Griechenland nach China legte im vergangenen Jahr um 38 Prozent zu.

Die Gefahr einer „harten Landung“ nach einer Überhitzung im Jahr 2010 ist mit den aktuellen Daten vom Tisch. Im März übernimmt der kommende Präsident Xi Jinping offiziell sein Amt – und er will im ersten Jahr gute Zahlen vorweisen. Als Wirtschaft mit etwa fünfzig Prozent Staatsanteil kann China viel machen, um die Konjunktur in Schwung zu halten. Peking kann die Banken beispielsweise einfach auffordern, hohe Summen in bestimmte Regionen oder Branchen zu pumpen.

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