Inside Africa: Warum Südafrika Angst vor der Zinswende hat

ThemaNotenbanken

kolumneInside Africa: Warum Südafrika Angst vor der Zinswende hat

Bild vergrößern

Südafrikanische Rand-Banknoten. Die Bevölkerung fürchtet sich vor der bevorstehenden Zinswende.

Kolumne von Saskia Littmann

Deutsche Sparer verbinden mit einer Zinswende die Hoffnung auf höhere Renditen. Die Südafrikaner dagegen fürchten einen weiteren Verfall ihrer Währung. Dabei macht der schwache Rand das Leben schon jetzt sehr teuer.

Während deutsche Sparer einer Zinswende seit Langem entgegenfiebern, hofft man in Südafrika vielmehr darauf, dass die US-Notenbank noch möglichst lange mit einer Anhebung des Leitzinses warten wird. Denn die Aussicht auf höhere Zinsen für Sparguthaben oder Lebensversicherungen haben hier die wenigsten.

Stattdessen drohen Kredite für Wohnung, Auto oder Fernseher noch teurer zu werden - Schulden wiegen deutlich schwerer als Ersparnisse. „Wir haben keine Sparguthaben”, sagt ein Südafrikaner, der meine Ansicht, dass die Fed die Zinsen nun endlich leicht erhöhen muss um glaubwürdig zu bleiben, nicht teilt.

Anzeige

Verwunderlich ist das nicht. Spätestens seit bekannt wurde, dass Südafrikas Wirtschaft im zweiten Quartal um 1,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal geschrumpft ist, ist die Angst vor einer Rezession spürbar. Erst seit gut einer Woche bin ich als Gastredakteurin einer südafrikanischen Sonntagszeitung in Johannesburg. Aber schon in dieser kurzen Zeit haben die Sorgen der Bevölkerung deutlich zugenommen. Die angeschlagene Wirtschaft ist ein präsentes Thema, in den Zeitungen finden sich Hinweise, wo und wie weiter Geld eingespart werden kann.

US-Notenbank Fed Kommt heute die Zinswende?

Gespannt warten Börsianer weltweit auf die Zinsentscheidung der US-Notenbank. Läutet Janet Yellen das Ende der Nullzinspolitik ein? Wäre das richtig? Selbst Nobelpreisträger streiten darüber. Pro und Contra Zinsanhebung.

Die Händler an der Wall Street warten auf die Zinsentscheidung von US-Notenbankchefin Janet Yellen Quelle: REUTERS

Das gilt insbesondere für die privaten Haushalte, denen die deutlich gestiegenen Lebenshaltungskosten zu schaffen machen. Das liegt vor allem an der steigenden Inflation. Die Teuerung lag im Juli bei fünf Prozent, also gerade noch im Rahmen des Inflationsziels der südafrikanischen Zentralbank, welches innerhalb einer Spanne von drei bis sechs Prozent rangiert.

Vor allem der schwache südafrikanische Rand ist für die tendenziell steigenden Preise verantwortlich. Im Juli hat die Zentralbank daher erstmals seit einem Jahr den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte erhöht – obwohl die schwache Wirtschaft eigentlich das Gegenteil erfordert.

Entsprechend sind die Zinsen für Verbraucherkredite bereits gestiegen. Zwar hat Südafrika eine wachsende Mittelschicht. Diese hat aber viele ihrer Wohnungen, Autos oder Reisen per Kredit finanziert. Zusätzlich belasten steigende Kosten für Strom und Lebensmittel das Portemonnaie. Laut einer aktuellen Umfrage geben Südafrikaner mittlerweile 68 Prozent ihres monatlichen Einkommens allein für die alltäglichen Lebenshaltungskosten aus. 2011 waren es noch 57 Prozent.

Erhöht die Fed nun den US-Leitzins, fürchtet Südafrika einen weiteren Verfall der heimischen Währung. Teurere Importe dürften das Preisniveau weiter steigen lassen. Innerhalb dieses Jahres hat der Rand gegenüber dem Dollar mehr als 17 Prozent an Wert verloren.

Im Gegensatz zu anderen Notenbanken hat Südafrikas Zentralbank nicht genug Munition, um den Rand gegen die Kapitalabflüsse der internationalen Investoren zu verteidigen. Rund 41 Milliarden Dollar Nettoreserven hält die Notenbank. Anfang 2012 waren es noch fast 50 Milliarden. Zum Vergleich: die Reserven von China, dem wichtigsten Handelspartner Südafrikas, sind rund 90 Mal höher.

Würde die Fed ihre Zinserhöhung zumindest bis Dezember aufschieben, hätte Südafrika etwas Zeit gewonnen, um einige Probleme anzugehen – so hoffen viele. Denn, das gibt man auch hier zu, viele der wirtschaftlichen Probleme am Kap sind hausgemacht. Zum Beispiel durch den staatlichen Energieversorger Eskom, der es nicht schafft, eine verlässliche dauerhafte Stromversorgung auf die Beine zu stellen. Die daraus resultierenden Produktionsausfälle belasten nicht nur die Unternehmen, sie bereiten auch den internationalen Ratingagenturen Sorge.

weitere Artikel

Noch wird Südafrika von Fitch, Moody’s und S&P als Investment bewertet. Einige Beobachter befürchten allerdings, die Agenturen könnten mit Südafrika das zweite Schwellenland nach Brasilien in den Junk-Status versetzen. Noch steht das Land am Kap allerdings etwas besser da als die Südamerikaner. Unter anderem ist der Dollar-Anteil an der Verschuldung in Südafrika deutlich geringer, ein Groβteil der Schulden wird in Rand gehalten. Entsprechend sanfter fällt der Schlag einer US-Zinswende aus.

Natürlich gibt es auch in Südafrika Optimisten, die eine Zinswende begrüβen würden. Scott Thiel, Anleihe-Experte beim Vermögensverwalter Blackrock, glaubt sogar, der Rand könnte nach der Zinswende an Wert gewinnen. Er hält die Schwäche der südafrikanischen Währung für eine dramatische Überreaktion.

Mit seinem Optimismus ist Thiel allerdings relativ allein. Viele Südafrikaner hoffen eher darauf, dass die Fed bis Dezember wartet. Bis dahin, so ihre Hoffnung, könnte sich die weltwirtschaftliche Situation noch soweit verschlechtern, dass die Zinswende vorerst ganz abgeblasen wird.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%