Inside Chicago: Und täglich grüßt Al Capone

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kolumneInside Chicago: Und täglich grüßt Al Capone

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Das Gebäude der "Chicago Tribune" in Chicago.

Kolumne von Florian Willershausen

Chicago ist die drittgrößte Stadt der USA, man sieht sich dort als „Global City“. Das mag ja stimmen. Nur weiß der Rest der Welt davon nichts – auch, weil die Stadt kaum in professionelles Standortmarketing investiert.

An diesem Wochenende ist es wieder soweit: In Chicago klappen sie die Brücken hoch. Gemächlich werden hunderte Segler ihre Prachtboote vom Michigan-See über den grün schimmernden Fluss durch die Innenstadt navigieren. Die Cafés entlang des Ufers säumen Touristen, die sich in den Schluchten der neoklassizistisch anmutenden Hochhäuser aus der Jahrhundertwende einer wunderschönen Kulisse erfreuen können. Der Flash-Mob der Segler, die ihre Windjammer ins Winterlager verlegen, ist nur eines der vielen Events, die die drittgrößte Stadt der USA jedes Wochenende zu bieten hat.

Die Metropole begeistert mit einer hohen Lebensqualität – höher ist als im hektischen New York oder dem viel zu heißen Miami. Von der Kriminalität im Süden bekommt man im Stadtzentrum rein gar nichts mit. Diese Attraktivität schlug sich diese Woche auch in einem Ranking des „IBM Global Location Trend“ wieder: Nach Direktinvestitionen aus dem Ausland liegt der Großraum das dritte Jahr in Folge an der Spitze der USA und auf Platz acht weltweit.

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In der Tat muss sich die Stadt nicht verstecken vor Metropolen wie London, Paris, Hongkong oder dem verhassten Dauer-Rivalen New York. Chicago ist eine Weltstadt – und als solche nehmen sie die Chicagoer selbst auch wahr. „Global City“ lautet das Prädikat, das Rahm Emanuel, der Bürgermeister und Ex-Stabschef von Präsident Barack Obama, gern vor sich her trägt. „Chicago ist eine Stadt, wo sich Unternehmen ansiedeln und wachsen wollen“, ließ er zum Abschneiden im jüngsten Ranking verlauten, „das zeigt unsere führende Rolle in der Weltwirtschaft.“

Allerdings: Wenig bis gar nichts dringt von den realen Erfolgen oder dieser überzeichneten Selbstdarstellung hinaus in die Welt. Seinen Standort rühmt Emanuel zuhause in Chicago, in der internationalen Berichterstattung findet er keinen Widerhall. Wer in Deutschland über die Stadt sinniert, denkt zuallererst an Kriminalität und Al Capone, den Mafia-Boss der zwanziger Jahre. Kundige Beobachter wissen womöglich, dass die Stadt wie der Staat Illinois drumherum pleite sind ob überbordender Pensionsverpflichtungen.

Nirgends ärgern sie sich mehr darüber als im Rathaus selbst. Doch zugleich unternimmt die Verwaltung wenig, um das Image der Stadt zu korrigieren. Niemand sendet Pressemitteilungen in die Welt, um auf den „Iron Man“-Triathlon an diesem Wochenende aufmerksam zu machen. Es gibt keine Pressearbeit mit dem Ziel, ausländische Investoren anzuziehen. Die Agentur „Choose Chicago“ präsentiert die Stadt zwar als Tourstik-Standort auf Messen. „World Business Chicago“ lädt im Auftrag der Stadt mal Investoren ein. Aber beide Agenturen sind unterfinanziert – und von Rahm Emanuel, heißt es, vermeide ob der leeren Kassen und der womöglich negativen Presse zuhause nach Möglichkeit weite Dienstreisen ins Ausland. Die Investoren müssen von allein zu ihm kommen. Ob das ewig gut geht?

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