Interview Margot Schüller: "Noch immer weit hinten"

Interview Margot Schüller: "Noch immer weit hinten"

Bild vergrößern

Margot Schüller

China-Expertin Margot Schüller über die Renaissance der deutsch-chinesischen Beziehungen und chinesische Investoren in Deutschland.

Frau Schüller, nach dem Empfang des Dalai Lama durch Bundeskanzlerin Angela Merkel sind die deutsch-chinesischen Beziehungen merklich abgekühlt. Mittlerweile hat es aber versöhnliche Signale gegeben. Normalisiert sich das Verhältnis wieder?

Ja. Die deutsche Diplomatie hat geholfen, die Beziehungen wieder zu kitten. Hier hat wohl die Erklärung der Regierung, dass Tibet und Taiwan Teil des chinesischen Hoheitsgebiets sind, die Kehrtwende gebracht. Aber eine anhaltende Eiszeit zwischen den beiden Staaten liegt auch nicht im Interesse der Chinesen. Wir sind Chinas wichtigster Handelspartner in der EU und haben eine Schlüsselrolle beim Technologietransfer. Ich glaube auch, dass die anstehende Olympiade eine große Rolle spielt. Die chinesische Regierung will alle Konflikte vermeiden, die Anlass zu Kritik am System bieten könnten.

Anzeige

Nach dem China-Besuch von Umweltminister Gabriel Ende Januar wollen Deutschland und China ihre Kooperation beim Umweltschutz ausweiten und unter anderem ein Windkraftabkommen schließen. Wird dies ein neuer Schwerpunkt der deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen?

Die deutsche Wirtschaft verfügt hier über deutliche Wettbewerbsvorteile und will auch den chinesischen Markt erschließen. Bisher war es aber für deutsche Unternehmen schwierig, sich an solchen Projekten zu beteiligen. Die chinesischen Behörden bevorzugen bei der staatlichen Beschaffung immer noch inländische Firmen. Hier sollte die deutsche Regierung darauf drängen, ausländische Firmen beim Bieterverfahren fairer zu behandeln. China hat ja angekündigt, Verhandlungen über einen Beitritt zum Government Procurement Agreement aufzunehmen. Das ist ein Zusatzabkommen zur WTO, welches internationale Standards für die staatliche Auftragsvergabe regelt. Vielleicht werden deutsche Unternehmen deshalb künftig weniger Probleme haben.

Nach Prognosen der Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) wird China schon 2008 Deutschland als Exportweltmeister ablösen. Müssen wir uns darüber Sorgen machen?

Nein. Wenn man die Exporte und die gesamte Wirtschaftsleistung im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße sieht, liegt China noch immer weit hinten. Außerdem wird etwa die Hälfte der chinesischen Ausfuhren von Unternehmen mit Auslandskapital produziert. Ein guter Vergleichsmaßstab ist das Pro-Kopf-Einkommen: Da können sich die Chinesen noch lange nicht mit den Deutschen messen. Richtig ist allerdings: China holt immer weiter auf…

…und überholt irgendwann sogar die USA?

Da China sich nach wie vor stark entwickelt, kann es als Land mit der größten Bevölkerung auch irgendwann die größte Wirtschaft haben.

Die wirtschaftliche Dynamik hat aber zuletzt etwas nachgelassen. Ist dies nur eine kurze Delle – oder ein Trend nach unten?

Die jüngsten Schneestürme haben zu Engpässen im Transportsektor und bei der Energieversorgung geführt. Das wird Produktion und Wachstum aber nur kurzfristig beeinträchtigen. Der größte Wachstumsdämpfer in den letzten Monaten war die geringere US-Nachfrage nach chinesischen Exporten. Außenhandel, hohe Investitionen sowie staatliche und private Nachfrage wirken aber weiterhin als Wachstumsmotoren. Die Weltbank hat ihre Wachstumsprognose für China lediglich von 10,8 auf 9,6 Prozent gesenkt. Außerdem hat ja die Regierung selbst versucht, den Boom zu drosseln. Von daher könnte der Dämpfer vielleicht sogar willkommen gewesen sein. Der Plan ist, das Wachstum zu kontrollieren und Investitionen stärker in umweltschonende Energieerzeugung, Hochtechnologien und Landwirtschaft zu lenken.

Wollen chinesische Unternehmen auch verstärkt im Ausland investieren - etwa in Deutschland?

Insgesamt sind die privaten chinesischen Investitionen in Deutschland noch gering. Sie werden aber künftig ansteigen - auch weil die chinesische Regierung dies massiv unterstützt. Wie stark sich die chinesische Wirtschaft bereits bei uns eingekauft hat, ist nicht leicht zu beantworten, weil die Investitionsstatistiken der Bundesbank oder anderer Behörden da nicht ausdifferenziert sind. Ich habe deshalb mit einer Kollegin die Datenbank Dealogic ausgewertet, in der Informationen über Zusammenschlüsse und Übernahmen internationaler Firmen gespeichert sind. Danach haben chinesische Unternehmen zwischen 2001 und 2007 in nur 22 Fällen deutsche Unternehmen gekauft oder sich an diesen beteiligt. Wir schätzen das Investitionsvolumen auf rund 200 Millionen Euro. Die chinesischen Investoren hatten es hauptsächlich auf den deutschen Maschinenbau abgesehen und interessierten sich für bekannte Marken, neue Technologien und das Vertriebsnetz der Übernahmekandidaten.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%