Investorensuche: Dublin wirbt um deutschen Mittelstand

Investorensuche: Dublin wirbt um deutschen Mittelstand

, aktualisiert 25. November 2011, 12:53 Uhr
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Irlands Premier Enda Kenny: „Wir werden drei zu zwei gewinnen.“

von Martin MurphyQuelle:Handelsblatt Online

Seinen Antrittsbesuch bei Angela Merkel nutzte Irlands Premier Enda Kenny auch für einen Abstecher ins Frankfurter Bankenviertel. Das Ziel: Investments deutscher Firmen sollen die irische Wirtschaft wieder flottmachen.

FrankfurtEinen passenderen Ort als das Restaurant Nizza inmitten des Frankfurter Bankenviertels hätte sich Enda Kenny kaum aussuchen können. In der französischen Hafenstadt Nizza war der Vertrag für eine engere Verbindung der EU-Staaten geschlossen worden, den die Iren erst im zweiten Anlauf billigten. In dem Restaurant sucht Kenny eine zweite Chance für Irlands Wirtschaft – die soll dank einer stärkeren Industrie auf die Beine kommen.

Der im März ins Amt gewählte Kenny hat seinen Antrittsbesuch bei Kanzlerin Angela Merkel für einen Abstecher nach Frankfurt genutzt, um für Investments in Irland zu trommeln. Mit jungenhaftem Charme umwirbt er die Unternehmer. Auf der Einladungsliste für das Abendessen mit dem Premierminister stehen Vertreter aus der deutschen und irischen Wirtschaft. Als erstes der Schuldenländer werde Irland aus der Krise kommen, prophezeit er. „Jetzt ist eine brillante Gelegenheit, die Chance für einen Einstieg zu ergreifen.“

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Durch das Panoramafenster hinter seinem Rednerpult strahlt das Licht der nächtlichen Bankentürme Frankfurts. Die Kulisse ist eine Mahnung an frühere Irrwege, als Irland noch auf die Finanzwirtschaft hoffte. Deutsche Institute wie die SachsenLB siedelten Ableger an, lokale Akteure wie die Bank of Ireland oder Allied Irish Banks (AIB) wurden dank einer gewollt laxen Regulierung zu Schwergewichten.

Dass ist Geschichte – die von der Finanzkrise Dahingerafften musste die Regierung in Dublin mit Milliarden retten. Die Staatsschulden kletterten auf schwindelerregende 148 Milliarden Euro, das entspricht der jährlichen Wirtschaftsleistung.

Unter Kennys Gästen findet sich keiner der Top-Banker aus den nahen Hochhäusern. Er wirbt um den deutschen Mittelstand. Mögen Briten oder Griechen betonen, wie sehr sie ein Gegenpol zu Deutschland sind, Kenny sucht gerade wegen seiner mittelständischen Kultur die Nähe zu Europas größter Wirtschaftsmacht. Deutschlands Industrie soll die Blaupause für Irlands Aufschwung werden.

Zehn Minuten früher als geplant war der Premier im Nizza eingetroffen. Extrazeit für einen Plausch mit den Firmenvertretern, die sich mit Guinness in Stimmung gebracht haben. Anders als seine Amtsvorgänger lässt er jede Distanziertheit vermissen, jeder im Raum bekommt seinen Händedruck. Er will nahbar sein, die Manager umschmeicheln.


Vorbild Deutscher Mittelstand

„Deutschland hat so viele mittelständische Weltmarktführer“, sagt der Premier. Gerade der Mittelstand sei flexibel und innovativ. Dem müsse Irland nacheifern. „Wir haben sehr gut ausgebildete Arbeitskräfte; und auch die Produktivität ist sehr hoch.“ Den Standortvorteil niedrige Steuern erwähnt er nicht, den haben die Firmenvertreter eh auf der Rechnung.

Die Worte zum Ausbau des industriellen Sektors hört Brendan O’Regan gerne. Dem gewichtigen Mittfünfziger aus Cork gehört die Ingenieurfirma Zenith Technologies, eine der Vorzeigefirmen auf Kennys Werbetour. Das Unternehmen arbeitet eng mit der wichtigen Pharmaindustrie zusammen. Für 34,7 Milliarden Euro wurden im vergangenen Jahr Medikamente und Pharmaverpackungen in dem Land hergestellt – Tendenz stark steigend. Multis wie Glaxo-Smithkline produzieren dort, Roche will weitere 70 Millionen Euro investieren.

Zenith-Chef O’Regan ist mit dem Wachstum der Pharmafirmen groß geworden. Für diese entwickelt er Software und baut Maschinen zu einer funktionierenden Fertigungslinie zusammen. „Wir sind eine klassische Engineering-Firma.“ Eine, die sogar in Deutschland Aufträge holen kann. „Jetzt, wo wir es hier geschafft haben, wollen wir von Deutschland aus in die Welt expandieren.

Auf Expansionskurs sieht sich auch Dublin Aerospace, die Firma wartet Flugzeuge. Vertriebschef Frank Burke sieht die niedrigen Lohnkosten und die Flexibilität als Triebfedern für seine Gesellschaft, an der auch EADS beteiligt ist. „Das macht Dublin zu einem guten Standort.“ Vorteilhaft sei auch, dass es keine Gewerkschaften gebe.

Nicht in allen Feldern sucht Kenny die Nähe zu Deutschland. Bei der Fußball-EM im kommenden Jahr werde er Angela Merkel wiedersehen, und zwar im Finale. „Wir werden drei zu zwei gewinnen.“ Im Schatten der Bankentürme verliert der Ire seine Hoffnung nicht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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