Iran: Energieweltmacht auf tönernen Füßen

Iran: Energieweltmacht auf tönernen Füßen

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Ölhafen Bandar Mahshahr: Privilegierte Jobs

Auch wirtschaftlich steht der Iran vor immensen Problemen. Die Herrscher im Iran wollen aus dem Ölgeschäft ihren heruntergewirtschafteten Staat finanzieren – das wird nicht mehr lange gut gehen.

Die Unruhen im Iran halten an. Alle Brutalität von Polizei und Geheimdienstleuten kann die Opposition nicht im Zaum halten. Es kommt zum Umsturz, politische und wirtschaftliche Institutionen brechen in einem der wichtigsten Ölförderländer der Welt zusammen, wachsende außenpolitische Spannungen führen zum Krieg. Die Rohölproduktion sinkt dramatisch: um 46 Prozent von einem Jahr auf das andere, um über drei Viertel im Verlauf von drei Jahren. Erdöl wird knapp auf dem Weltmarkt, der Preis explodiert, und eine Ölkrise verändert die Welt weit über die Grenzen der unheimlichen Mullah-Republik hinaus.

Nein: Das ist keine Prognose, wie es im Iran nach der Pseudo-Wahl und dem erst einmal niedergeknüppelten Aufstand weitergehen wird. Es ist nur eine von vielen Möglichkeiten – freilich der große Albtraum der Machthaber. Die wissen genau, dass ohne stabiles Ölgeschäft auch ihre Herrschaft schnell kollabieren würde.

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Denn das Horrorszenario ist nichts anderes als die Geschichte des Iran von 1978 bis 1981. Damals haben die heutigen Herrscher vom Chaos profitiert und die Monarchie gestürzt. Es war ein Streik der Ölarbeiter auf den Feldern im Südwesten des Landes, der damals dem alten System endgültig den Garaus machte. So etwas soll sich heute nicht wiederholen: Darin sind sich die Spitzenpolitiker der Islamischen Republik bei allem Hass aufeinander einig.

Ölexport ist wichtigste Einnahme für iranischen Staatshaushalt

Blutige Auseinandersetzungen wie in der Hauptstadt Teheran und auch in entlegeneren Teilen des Landes sind in den Ölprovinzen nach allen zugänglichen Informationen bislang ausgeblieben. Die Arbeiter und Techniker auf den Ölfeldern von Abadan an der Grenze zum Irak bis zur Gegend um den Hafen Bandar Abbas am Ausgang des Persischen Golfes sind nach Meinung des amerikanischen Iran-Experten Roger Stern von der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore „so privilegiert behandelt worden wie sonst allenfalls die Beschäftigten in den geheimen Atomanlagen“.

Kein Wunder: Der Erdölexport macht um die 80 Prozent aller iranischen Ausfuhren aus und ist die bei Weitem wichtigste Einnahmequelle für den Staatshaushalt.

Iran: Energieweltmacht auf tönernen Füßen

Erdöl und Erdgas im Iran: Reserven, Produktion und Eigenverbrauch

Erdöl und Erdgas im Iran: Reserven, Produktion und Eigenverbrauch (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

Ohne die Öleinnahmen wäre die Subventionswirtschaft unter der Präsidentschaft des wirtschaftspolitisch dilettantischen Mahmoud Ahmadinedschad schon längst zusammengebrochen. Nach dem Ölpreisabsturz im vergangenen Winter versuchte Ahmadinedschad mit einer neuen Mehrwertsteuer Geld in die Staatskasse zu bringen, scheiterte aber am Widerstand der Teheraner Kaufleute: einer der Auslöser für den jetzigen Volkszorn.

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