Irland: Finanzkrise lässt Chancen auf EU-Reform sinken

Irland: Finanzkrise lässt Chancen auf EU-Reform sinken

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Zeitungsleser in Dublin

Die Bankenkrise treibt Irland noch tiefer in die Rezession – was die Hoffnung auf eine Reform der EU noch weiter sinken lässt.

Wenigstens hier ist die Welt noch in Ordnung: Anfang Oktober trafen sich 80.000 Pferdeliebhaber, Rennstallbesitzer und Händler im westirischen Städtchen Ballinasloe zum ältesten und größten Pferdemarkt Europas. Mehrere Tausend Hengste, Stuten und Fohlen wurden feilgeboten, Verkäufe in traditioneller Manier per Handschlag besiegelt. Irlands Pferdezüchter haben immer noch gut lachen.

Damit gehören sie zu einer selten gewordenen Spezies im Land. Die Grüne Insel an der westlichen Peripherie Europas, die jahrelang ein rasantes Wirtschaftswachstum vorlegte, leidet noch stärker als andere EU-Staaten unter der Finanzkrise – und ist als erstes Mitglied der Euro-Zone offiziell in die Rezession abgerutscht.

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Die Regierung in Dublin steht mit dem Rücken zur Wand. Mit dem Nein zum Lissabon-Vertrag isolierte sich das kleine Land in Europa. Als die Regierung dann kürzlich alle Einlagen der sechs führenden Banken unter staatlichen Schutz stellte und damit eine Garantie für insgesamt 400 Milliarden Euro aussprach – mehr als das Doppelte des Bruttoinlandsprodukts – da tobte der Nachbar Großbritannien.

Ursprünglich hatte die Regierung nur den Kunden der sechs nationalen Geldinstitute Schutz in Aussicht gestellt, was die irischen Banken im Wettbewerb bessergestellt hätte. Inzwischen sieht das Paket auch eine umfassende Garantie für Guthaben bei den fünf ausländischen Geldinstituten in Irland vor.

Die Finanzkrise erwischt das Land zu einem äußerst prekären Zeitpunkt. Die Wirtschaft ist in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen geschrumpft. Das rasante Expansionstempo, das den Iren in der zweiten Hälfte der Neunzigerjahre zweistellige Zuwachsraten bescherte, hat sich merklich abgekühlt.

Jahrelang erschien das irische Modell als europäische Erfolgsstory. Niedrige Steuern, preiswerte Arbeitskräfte und der Zugang zum europäischen Binnenmarkt bescherten dem ehemaligen Armenhaus rasch wachsenden Wohlstand.

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