Irland: Musterknabe unter den Sorgenkindern

Irland: Musterknabe unter den Sorgenkindern

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Irland

von Yvonne Esterházy

Irland kroch als erstes Land unter den Rettungsschirm. Jetzt scheint die kleine Volkswirtschaft auf der Grünen Insel die Wende zu schaffen. Doch es bleiben Risiken.

Flaches Schuhwerk, randlose Brille, Ann Nolan umgibt die Aura einer erfahrenen Grundschullehrerin. Mit einem unterdrückten Schnauben und einem tadelnden Blick drückt die Staatssekretärin im irischen Finanzministerium ihre Missbilligung über eine Frage aus, die sie ganz offenkundig als ungehörig empfindet: Wie sieht Irlands Notfallplan aus, falls es in Griechenland zu dem fast unvermeidlichen Schuldenschnitt kommt? „Es gibt keinen Plan B. Unsere größte Sorge ist es, wieder an die Kapitalmärkte zurückkehren zu können, gleichzeitig sicherzustellen, dass der soziale Zusammenhalt bestehen bleibt und dass es echtes Wachstum gibt“, sagt sie – und klingt dabei ziemlich streng.

Das erinnert zwar ein wenig an die Beschwörungen vom Herbst vergangenen Jahres, als die Regierung in Dublin bis zuletzt behauptete, sie werde ohne internationale Finanzhilfe auskommen, obwohl die Realität längst eine andere war. Doch diesmal könnte es klappen.

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"Wenn Irland es nicht schafft - wer dann?"

Irland ist wie Griechenland eines der Problemländer der Euro-Zone, aber im Reigen der sogenannten PIIGS-Staaten (Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien) gilt es wegen seines harten Sparkurses und seiner Reformbereitschaft derzeit als leuchtendes Beispiel. Die EU braucht angesichts der vielen Hiobsbotschaften aus der Euro-Zone dringend einen Erfolg, weswegen man dem ehemaligen keltischen Tiger nicht nur in Dublin, sondern auch in anderen europäischen Hauptstädten die Daumen drückt. „Wenn Irland es nicht schafft – wer dann?“, fragt ein hochrangiger europäischer Beamter.

Große Demütigung

Das Land mausert sich zum Vorbild unter den Sorgenkindern der EU. Noch im Dezember 2010 musste es als erstes Euro-Land unter den Rettungsschirm EFSF flüchten, Europäische Union und Internationaler Währungsfonds (IWF) garantierten Kredite in Höhe von 67,5 Milliarden Euro. Das alles empfanden die Iren als große Demütigung, wähnten sie sich doch lange Zeit in einem Wirtschaftswunderland, bis das Platzen der Immobilienblase und der Kollaps des aufgeblähten Bankensektors sie eines Besseren belehrte. Irland konnte die Probleme seiner Kreditinstitute nicht mehr allein bewältigen, zumal Ende September 2008 die damalige Regierung den Fehler beging, die meisten Verbindlichkeiten der größten Banken zu garantieren. Das Haushaltsdefizit schwoll deswegen auf 32 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) an – ein Rekord in der Euro-Zone. Der Schuldenberg beträgt noch jetzt mehr als 100 Prozent des BIPs.

Neues Wachstum

Doch es gibt Anlass zu Optimismus, denn inzwischen läuft vieles wieder überraschend gut. Im Unterschied zu den Griechen erfüllten die Iren bislang alle Sparziele und sonstigen Vorgaben des Rettungspakets, sie kommen bei der Restrukturierung des angeschlagenen Bankensektors schneller voran als geplant und ernten dafür internationales Lob. „Die irische Regierung hat die resolute Umsetzung des Reformprogramms beibehalten. Die Wirtschaft zeigt Anzeichen für eine Stabilisierung“, zog IWF-Vizedirektor Naoyuki Shinohara Anfang September Bilanz. Durch massive Lohn- und Gehaltskürzungen, geringere Lebenshaltungskosten und günstigere Mieten hat das kleine Land seine Wettbewerbsfähigkeit wieder verbessern können. Auch von den Finanzmärkten kommen ermutigende Signale: Die Risikoaufschläge für irische Staatsanleihen sind wieder auf Vorkrisenniveau gesunken.

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