Islamische Welt: Wie Pokémon die Religionshüter verärgert

Islamische Welt: Wie Pokémon die Religionshüter verärgert

, aktualisiert 21. Juli 2016, 17:33 Uhr
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Das Pokémon-Fieber hat auch islamische Länder erfasst. Doch die strengen Religionshüter halten das Smartphone-Spiel für verwerflich.

von Pierre HeumannQuelle:Handelsblatt Online

„Zeitverschwendung“ und „psychologisch ungesund“: Das Urteil der strengen Religionshüter in der Arabischen Welt über das Smartphone-Spiel Pokémon ist eindeutig. Doch auch sie können das Spiel-Fieber nicht dämmen.

Tel AvivDas Pokémon-Fieber hat auch islamische Länder erfasst. Doch die strengen Religionshüter halten das Smartphone-Spiel für verwerflich. In Saudi Arabien hat zum Beispiel die die oberste religiöse Instanz eine Fatwa wieder aufgelegt, die vor dem zersetzenden Pokémon-Einfluss warnt. Die Fatwa, also die Rechtsauskunft, ist schon 15 Jahre alt und bezog sich eigentlich auf das Vorgänger-Spiel. Nun hat der Ständige Ausschuss für Forschung und Fatwas das islamische Rechtsgutachten am Mittwoch auf seine Website gestellt, nachdem es nach eigenen Angaben wegen des Spiels zahlreiche Anfragen erhalten hatte. Pokémon Go animiert die Spieler, mit ihrem Smartphone durch die Gegend zu laufen und in der echten Welt versteckte Pokémon-Figuren „einzufangen“.

Das Spiel, heißt es, verstoße gegen das islamische Glücksspiel-Verbot. Gerügt wird zudem, dass freimauerer-ähnliche Symbole und „verbotene Bilder“ verwendet werden. Dazu gehören etwa ein Stern mit sechs Zacken, der an das Staatssymbol Israels erinnere, und die Kreuze im Spiel seien ein christliches Symbol. Auch schienen die Figuren auf der Evolutionslehre von Charles Darwin zu basieren – all das wird vom Islam abgelehnt.

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Führende Religionsführer kritisieren die Pokémon Go-Manie als „Zeitverschwendung“ und „psychologisch ungesund“. Die angesehene Institution Al Azhar, eine der führenden sunnitischen Lehrstätten, warnt: „Das Spiel könnte die Gläubigen vom Beten abhalten.“ Es führe zudem zu Realitätsverlust. Abbas Shuman, eine der wichtigsten Stimmen an der Al Azhar-Universität, vergleicht die abhängig machende Wirkung von Pokémon Go mit „Alkoholmissbrauch“.

Das geht sogar so weit, dass saudische Sicherheitskräfte am Mittwoch drei junge Männer festgenommen haben, die auf einem Flughafen auf der Suche nach Pokémon-Monstern waren. Sie hätten auf dem Parkplatz des Airports der Stadt Dschasan im Südwesten des Landes mit ihren Mobiltelefonen Fotos aufgenommen, meldete die saudische Nachrichtenseite Al-Muwatin am Mittwoch. Die Drei wurden demnach den Ermittlern übergeben. Es war zunächst unklar, welche Strafe ihnen droht.


„Bedrohung der nationalen Sicherheit“

Auch wenn es Pokémon Go noch nicht offiziell in dem streng islamischen Königreich gibt, haben sich zahlreiche Menschen bereits illegal die App heruntergeladen. Seit Anfang Juli sorgt das Spiel in vielen Ländern für Furore, in Deutschland ist die App seit einer Woche verfügbar.

Ägypten geht noch einen Schritt weiter, dort wird Pokémon als „Bedrohung der nationalen Sicherheit“ gefürchtet. Ein führender Sicherheitsbeamter fordert ein Pokémon-Verbot, weil es der Welt die Sicherheitsgeheimnisse Ägyptens verraten könne.

Der ägyptische Parlamentarier Hamdi Bakheet, der Mitglied in der Sicherheits- und Verteidigungskommission ist, bezeichnet das Spiel als Instrument ausländischer Spionageagenturen, mit denen sie das Land infiltrieren und sich dazu eines harmlos wirkenden Spiels bedienen. In Kuwait wurden die Gläubigen mit ähnlichen Argumenten vom Innenministerium aufgefordert, in Moscheen, Malls und Erdöl-Bohrtürmen Pokémon Go abzuschalten.
Fatwas und Sicherheitsbedenken hin oder her: Im Nahen Osten ist Pokémon Go ein Renner, auch im wörtlichen Sinn. Aus Dubai und Beirut wird berichtet, wie Menschen mit dem Handy in der Hand auf den Straßen die virtuellen Figuren suchen. Damit die virtuellen Figuren genug Energie dafür haben, suchen sie auf dem Weg zu ihrem Ziel sogenannte „Pokéstops“ auf. Denn dort gibt es virtuell Nachschub an Power. In Ägyptens Hauptstadt Kairo ist zu hören, dass solche Pokéstops – was für ein Frevel – sogar in Kirchen und in Moscheen gibt. Sehr zum Ärger der Religionshüter.

Quelle:  Handelsblatt Online
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