„Islamischen Staat“: Von Saudi-Arabiens Anti-Terror-Allianz ist wenig zu erwarten

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Kommentar„Islamischen Staat“: Von Saudi-Arabiens Anti-Terror-Allianz ist wenig zu erwarten

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Der saudische Kronprinz und Verteidigungsminister Mohammed bin Salman auf einer Pressekonferenz.

von Hans Jakob Ginsburg

Mit großem Getöse hat Saudi-Arabien die Bildung einer militärischen Allianz fast aller islamischen Staaten gegen den „Islamischen Staat“ verkündet. Dahinter steckt leider sehr wenig. Ein Kommentar.

Eigentlich war die Nachricht aus der saudischen Hauptstadt Riyadh wunderbar: Unter Führung Saudi-Arabiens formiert sich ein Militärbündnis gegen den weltweiten Terrorismus aus nicht weniger als 34 islamischen Staaten von Marokko bis Malaysia. So etwas hat es noch nie gegeben, so etwas Ähnliches allenfalls 1991, als ein breites Militärbündnis das besetzte Kuwait aus den Klauen des irakischen Diktators Saddam Hussein befreite.

Doch damals waren die beteiligten arabischen Truppen allenfalls Unterstützer des amerikanischen Militärs. Jetzt, so mag man denken, steht nicht mehr Amerika an der Spitze der Koalition, sondern das erzislamische saudische Königreich. Klingt wunderbar.

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Islamistischer Terror gegen Europäer seit "Charlie Hebdo"

  • 12. November 2015

    Die italienische Polizei deckt ein islamistisches Terrornetz auf. Unter anderem sollen die verhafteten 16 Kurden und ein Kosovare vorgehabt haben, mit Geiselnahmen den in Norwegen inhaftierten Terrorchef Mullah Krekar freizupressen.

  • 31. Oktober 2015

    Über der ägyptischen Halbinsel Sinai stürzt ein Airbus A321 der sibirischen Airline Kolavia mit 224 Passagieren - vor allem russischen Urlaubern - ab. Großbritannien und andere Länder meinen aufgrund von Geheimdienst-Informationen: wegen einer Bombenexplosion. Die Islamistengruppe Ansar Beit al-Makdis („Unterstützer Jerusalems“) behauptet, dafür verantwortlich zu sein.

  • 21. August 2015

    Ein 25-jähriger marokkanischer Islamist wird im Thalys-Schnellzug Brüssel - Paris bei einem Anschlagsversuch mit einer Kalaschnikow von Fahrgästen überwältigt. Zwei Passagiere werden verletzt.

  • 26. Juni 2015

    An einem Hotelstrand in der Nähe der tunesischen Touristenhochburg Sousse erschießt ein 24-jähriger Einheimischer mit Verbindungen zu radikalen Gruppen 38 ausländische Touristen, vor allem Briten.

  • 18. März 2015

    Extremisten erschießen im Bardo-Museum der tunesischen Hauptstadt Tunis 21 Menschen, in der Mehrheit ausländische Touristen. Die Terrormiliz IS bekennt sich zur Tat.

  • 14. Februar 2015

    In Kopenhagen feuert ein arabischstämmiger 22-Jähriger auf ein Kulturcafé, ein Mann stirbt. Der Anschlag gilt vermutlich einem Mohammed-Karikaturisten, der unverletzt bleibt. Vor einer Synagoge erschießt der Attentäter einen Wachmann, bevor er von Polizeikugeln tödlich getroffen wird.

  • 7. Januar 2015

    Beim Attentat auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ werden in Paris zwölf Menschen getötet. Die beiden Täter kommen zwei Tage später bei einer Polizeiaktion ums Leben. Zu dem Anschlag bekennt sich die Terrororganisation Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel. Ein mit ihnen bekannter dritter Täter erschießt in Paris parallel dazu eine Polizistin und nimmt in einem jüdischen Supermarkt Geiseln, von denen er vier erschießt, bevor er selbst von der Polizei getötet wird. Er bekennt sich zuvor zur Terrormiliz IS.

Denn anders lässt sich die Menschheitsgeißel „Islamischer Staat“ auch auf lange Sicht kaum beseitigen. Kein vernünftiger Mensch glaubt, dass Luftangriffe allein das Terrorsystem des selbsternannten Kalifen beseitigen können. Doch Bodentruppen will kein westliches Land einsetzen – zu Recht, weil nichts der terroristischen Propaganda mehr helfen würde als Instagram-Fotos von so genannten Ungläubigen im Nahkampf gegen die eigenen Leute.

Die islamische Allianz unter Führung des Hauses Saud mag da die ideale Lösung sein, gerade weil die Saudis selber für einen erzkonservativen Islam einstehen. Und die muslimischen Regierungen von Marokko bis Malaysia und von der Türkei bis nach Westafrika hinter sich zu scharen, ist eine gewaltige Leistung von König Salman und seinem Verteidigungsminister und Lieblingssohn Mohammed.

Nur: Es ist offenbar nicht so. In Pakistan, dem bevölkerungsreichsten der 34 angeblichen Bündnispartner, ließ die Regierung erst einmal verlauten, sie habe von der neuen Allianz bisher nichts gehört. Daraus wurde nach zwei Tagen eine schöne Erklärung der pakistanischen Botschaft in Riad, aus der sich herauslesen lässt, dass das Land in Freundschaft fest zu Saudi-Arabien steht, den internationalen Terrorismus ablehnt und ansonsten nichts Besonderes zu tun gedenkt.

Im Libanon, angesichts seiner Rolle als Finanzplatz ein wichtiger Schauplatz für die Bekämpfung des „IS“, verkündeten schiitische und christliche Politiker ihre schroffe Ablehnung eines Bündnisses, das offenbar exklusiv die Sunniten der Welt unter saudischer Führung vereinen soll. Der innerlich zerrissene Libanon ist damit ein Stück mehr aus dem Einflussbereich der Saudis in den ihrer schiitischen Feinde im Iran gerutscht.

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