Islamischer Staat: Deutsche Tornados helfen nicht gegen den Terror

ThemaNaher Osten

AnalyseIslamischer Staat: Deutsche Tornados helfen nicht gegen den Terror

Bild vergrößern

Deutschland schickt Tornados nach Syrien.

von Marc Etzold

Die deutschen Aufklärungsjets sind ein Symbol der Treue an Frankreich, militärisch aber irrelevant. Die wichtigste Frage lässt die Anti-IS-Allianz offen: Wie will sie den Kampf überhaupt gewinnen? Eine Analyse.

Der Islamische Staat bekommt seinen Willen. Frankreich verstärkt die Militäroperationen gegen die Terrororganisationen und zieht seine engsten Verbündeten nun mit. Deutschland wird den Kampf gegen den IS künftig mit Tornados unterstützen, die Erkundungsmissionen über Syrien fliegen sollen. Ein deutsches Kriegsschiff sichert zudem den französischen Flugzeugträger „Charles de Gaulle“ ab, den Paris ins östliche Mittelmeer entsendet hat.

Die Terrororganisation wollte diese Eskalation mit den Terroranschlägen von Paris erzwingen. Am liebsten wären dem IS wohl Bodentruppen gewesen, die man zu einem blutigen und gefährlichen Häuserkampf hätte zwingen können. Darauf lassen sich Franzosen, Amerikaner, Briten, Deutsche und andere aber nicht ein – bislang zumindest.

Anzeige

Laurent Fabius Frankreich kann sich Kooperation mit Assad-Kräften vorstellen

Keine Zusammenarbeit mit dem Regime von Assad: Das war bislang die klare Linie der französischen Regierung. Nach den Anschlägen von Paris ist die Welt allerdings eine andere.

Francois Hollande und der französische Außenminister Laurent Fabius. Quelle: REUTERS

Für Deutschland ist das militärische Engagement heikel: Zwar beteiligt sich die Bundesregierung an einer ganzen Reihe von internationalen Militäroperationen, darunter Afghanistan und Mali. Dennoch herrscht in Berlin die Überzeugung vor, sich aus bewaffneten militärischen Konflikten raushalten zu wollen, falls möglich. In den USA spotten politische Analysten gerne, Deutschland habe seine Lektion aus der Geschichte zu gut gelernt und übertreibe es gelegentlich mit seiner pazifistischen Grundhaltung.

Lange hat sich Berlin gesträubt, sich über die Waffenlieferungen an die kurdischen Truppen hinaus militärisch in Syrien zu beteiligen. Deutsche Flugzeuge werden keine Bomben in Syrien abwerfen. Aber die Bundeswehr hilft Amerikanern, Franzosen und anderen nun dabei, festzulegen, wo die ihre Bomben schmeißen. Deutschland ist spätestens jetzt zum aktiven Mitspieler im Syrien-Krieg geworden. Die Gefahr von Terroranschlägen in der Bundesrepublik dürfte damit nicht sinken – im Gegenteil.

Frankreich und der Terror

  • Juli 2016

    Am französischen Nationalfeiertag am 14. Juli rast in der Hafenstadt Nizza ein Attentäter mit einem Lastwagen in eine Menschenmenge. Mindestens 84 Menschen werden getötet, mehr als 200 verletzt.

    Am 26. Juli haben in Saint-Étienne-du-Rouvray in der Normandie zwei Geiselnehmer einen Priester getötet, ein weiteres Opfer schwebt in Lebensgefahr. Die mutmaßlichen Täter wurden getötet. Der IS reklamierte die Tat über sein Sprachrohr Amak für sich.

  • Juni 2016

    Ein Mann ersticht in Magnanville westlich von Paris einen Polizisten und dessen Lebensgefährtin. Die Polizei erschießt den Täter, der sich zuvor zum IS bekannt hatte.

  • Januar 2016

    Am Jahrestag der Anschläge auf „Charlie Hebdo“ schießen Polizisten vor einem Pariser Kommissariat einen Mann nieder. Er war mit einem Messer bewaffnet und trug die Attrappe einer Sprengstoffweste.

  • November 2015

    Bei einer koordinierten Anschlagsserie in Paris töten IS-Extremisten 130 Menschen. In der Konzerthalle „Bataclan“ richten sie ein Massaker an, Bars und Restaurants werden beschossen, am Stade de France sprengen sich während des Fußball-Länderspiels Frankreich-Deutschland drei Selbstmordattentäter in die Luft.

  • August 2015

    Ein 25-jähriger Islamist wird im Thalys-Schnellzug auf dem Weg von Brüssel nach Paris bei einem Anschlagversuch mit einem Schnellfeuergewehr von Fahrgästen überwältigt. Zwei Zuginsassen werden verletzt.

  • Januar 2015

    Bei einem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris werden zwölf Menschen ermordet. Die beiden islamistischen Attentäter Chérif und Said Kouachi kommen zwei Tage später bei einer Polizeiaktion nordöstlich von Paris um. Der Islamist Amedy Coulibaly, der die Brüder Kouachi kannte, erschießt bei Paris eine Polizistin und nimmt mehrere Geiseln in einem jüdischen Supermarkt. Er tötet dort vier Menschen, bevor er von der Polizei erschossen wird.

  • September 2014

    Die Gruppe Jund al-Khilafa („Soldaten des Kalifats“), ein Ableger der Terrormiliz Islamischer Staat, enthauptet einen in Algerien entführten französischen Touristen.

  • November 2013

    In Mali werden zwei Mitarbeiter von Radio France Internationale (RFI) entführt und ermordet. Die Terrororganisation Al-Kaida im islamischen Maghreb bekennt sich zur Tat. Zuvor hatte sich die Gruppe dazu bekannt, eine andere französische Geisel getötet zu haben.

  • März 2012

    Ein Serien-Attentäter erschießt sieben Menschen, darunter drei Kinder und einen Lehrer einer jüdischen Schule. Er wird nach rund 32-stündiger Polizeibelagerung seiner Wohnung erschossen. Zuvor hatte er sich als Al-Kaida-Anhänger bezeichnet.

  • Oktober 2002

    Vor der Küste Jemens rammt ein mit Sprengstoff beladenes Boot den französischen Tanker „Limburg“. Ein Matrose kommt ums Leben. Al-Kaida bekennt sich zu dem Anschlag.

  • Dezember 1996

    Bei einem Anschlag mit einer Gasflaschen-Bombe im Pariser S-Bahnhof Port Royal kommen vier Menschen ums Leben. Bereits 1995 waren bei einer Serie von Terroranschlägen, die islamischen Fundamentalisten aus Algerien zugeschrieben werden, in Frankreich insgesamt acht Menschen getötet worden.

  • September 1989

    Bei einem Absturz eines französischen Flugzeugs in Folge einer Bombenexplosion an Bord über dem afrikanischen Staat Niger sterben 170 Menschen. Ein französisches Gericht verurteilt sechs Libyer in Abwesenheit zu lebenslanger Haft, unter ihnen einen Schwager des damaligen libyschen Staatschefs Muammar el Gaddafi.

Dass das kein Argument sein darf, ist ab sofort die Haltung der Bundesregierung. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) sagte gestern Abend: „Wir sollten uns keiner Illusion hingeben, wir stehen bereits im Fadenkreuz. Deshalb ist es richtig, den IS an der Wurzel zu bekämpfen.“ Von Krieg will von der Leyen aber nicht sprechen. „Das ist kein Krieg, weil wir keinen Staat bekämpfen, sondern eine Mörderbande.“

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%