Israel und Gaza: Sieger gibt es nie

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Israel und Gaza: Sieger gibt es nie

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Zerstörte Häuser nach dem letzten Angriff der israelischen Luftwaffe: die kriegerische Konfrontation in Gaza durch die Hamas-Führung wirkt wie ein Versuch dem israelischen Image in der westlichen Welt zu schaden.

von Hans Jakob Ginsburg

Rationale Argumente für die Eskalation zwischen Israel und den Palästinensern im Gazastreifen gibt es auf beiden Seiten nicht. Trotzdem stehen die Zeichen auf Sturm.


Hamas, die im Gazastreifen herrschende radikale Palästinenserorganisation, meldet sechs Tote beim letzten Angriff der israelischen Luftwaffe. Seit Montag bekennt sich die Hamas zu den zunehmend heftigen und zunehmend weitreichenden Raketenangriffen auf israelisches Territorium. "Eiserne Kuppel", das aufwändige Luftabwehrsystem der Israelis, fängt eine palästinensische Rakete über der Großstadt Aschkelon ab.

Es sieht so aus, als wolle die Hamas-Führung in Gaza eine Neuauflage der kriegerischen Konfrontation nach dem Muster von Anfang 2009 und Ende 2012: Erst andauernde, aber mangels präziser Lenkungssysteme nicht besonders wirksame Raketen auf israelische Städte und Dörfer, dann der kurze und blutige Gegenschlag der israelischen Armee gegen den Gazastreifen, der Leid und Zerstörung bringt – und Fernsehbilder, die das Image Israels in der westlichen Welt ramponieren.

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Sieger gibt es dabei nie.

Die üblichen Fronten

Am heutigen Dienstagnachmittag diskutieren die israelischen Politiker über die Weisheit einer weiteren Eskalation, und es bilden sich die üblichen innenpolitischen Fronten. Der sozialdemokratische Oppositionsführer plädiert dafür, gerade jetzt nach Verhandlungslösungen zu suchen – Verhandlungen allerdings nicht mit den Hamas-Leuten, die das ja auch gar nicht wollen, sondern mit der weitgehend machtlosen palästinensischen Autonomiebehörde im Westjordanland.

Die Justizministerin Tzipi Livni, in der Regierung weitgehend isolierte Verfechterin einer Friedenslösung, weiß mitzuteilen, ein Einmarsch von Bodentruppen im Gazastreifen sei nicht "die erste Wahl" der Regierung im Gazastreifen, aber das richtige Vorgehen hänge "weitgehend von dem Ausmaß ab, zu dem Hamas unseren Bürgern erlaubt, in Ruhe zu leben".

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Israelische Feuerwehrmänner Quelle: REUTERS

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagt, angesichts der Raketenangriffe habe Israel "die Samthandschuhe ausgezogen" – was allerdings noch nicht heißen muss, dass die bloßen Fäuste zum Einsatz kommen. Seine Armeeführung hat Reservisten mobilisiert und Truppenverbände an der Grenze zum Gazastreifen in Stellung gebracht.

Das ist eine deutliche Warnung an die Hamas, aber wenig spricht dafür, dass darum der israelische Einmarsch unmittelbar bevorsteht. Netanjahu ist bei aller diplomatischen Härte ein Zögerer, für den die Vorstellung von Straßenkämpfen der israelischen Armee in Gaza und den benachbarten Flüchtlingslagern ein Horror sein muss.

Selbst wenn solche Straßenkämpfe mit der Zerstörung der feindlichen Waffenlager und der faktischen Vernichtung der Hamas-Infrastruktur enden würden. Mit humanitären Überlegungen hat Netanjahus Zaudern dabei nicht viel zu tun. Wohl aber mit der Furcht vor diplomatischen Folgen, vor einem Überschwappen der palästinensischen Gewaltbereitschaft ins Westjordanland, mit dann unvermeidlichen eigenen Verlusten und den entsprechenden Rückwirkungen auf die eigene innenpolitische Stellung.

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Die wackelt allerdings heute schon. Außenminister Avigdor Lieberman hat mit seiner Partei die Fraktionsgemeinschaft mit Netanjahus Likud-Partei verlassen. Die Koalitionspartner plädieren samt und sonders entweder für mehr Verhandlungsbereitschaft oder für mehr Aggressivität.

Gefährliche Kritiker

Richtig gefährlich für Netanjahu sind seine innerparteilichen Kritiker wie der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Parlament, Seev Elkin. Der fordert nicht nur den Einmarsch in den Gazastreifen, sondern die erneute Besetzung des kleinen Palästinensergebietes auf Dauer: „Alles andere“, sagte Elkin im israelischen Radio, "wirkt nur solange, bis sie uns wieder auf die Probleme stellen!" An Friedenslösungen glauben Israelis wie Elkin schon lange nicht mehr.

Im Gazastreifen hören sie auch Radio. Und der Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri replizierte unmittelbar: "Ich hoffe, die Besatzer machen diesen Fehler und dringen am Boden in Gaza ein, dann bekommen wir die Gelegenheit, Soldaten zu entführen."

So redet man sich die drohende Katastrophe schön.

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