Israels Gasfunde: Neuer Partner für Nabucco?

Israels Gasfunde: Neuer Partner für Nabucco?

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Gas

von Hans Jakob Ginsburg

Euphorie in Israel: Unter dem Mittelmeer vor der Küste des Landes lagern erhebliche Erdgasbestände. Manche Israelis sehen einen Exportboom voraus – und hoffen bei der Erschließung und Vermarktung des Schatzes auf Kooperation mit europäischen Unternehmen.

Die Tel Aviver Börse TA jubelte. Binnen weniger Stunden schnellte der Aktienkurs der israelischen Energieunternehmnen um 20 Prozent und mehr hoch. Am Vormittag hatte Noble Energy, ein mit dem israelischen Delek-Konzern verbandelter Öl- und Erdgasexplorator aus Texas, seine Studie über Erdgasvorkommen vor der israelischen Mittelmeerküste aktualisiert. Vor einem halben Jahr hatten die Amerikaner mitgeteilt, sie könnten mit 50prozentiger Wahrscheinlichkeit feststellen, dass 16 Billionen Kubikfuß Erdgas (gut 450 Milliarden Kubikmeter) in wirtschaftlich nutzbarer Tiefe in einem Gasfeld nordwestlich der Hafenstadt Haifa lagerten. Jetzt bestätigte Noble Energy die erste Studie, sprach aber von hundertprozentiger Sicherheit. Das Erdgasfeld Leviathan, benannt nach einem in der Bibel mehrfach erwähnten Meeresungeheuer, sei danach selbst bei einem sehr konservativ bemessenen Erdgaspreis an die 100 Milliarden Dollar wert. Bislang ist die fast vollständiger Abhängigkeit von importierten Energieträgern eine wirtschaftliche und vor allem auch sicherheitspolitische Schwäche Israels. Demnächst, so meinen israelische Zeitungen, werde das Land mit seinen oft feindlichen Nachbarn als Exporteur auf den Weltenergiemärkten konkurrieren. In der israelischen Innenpolitik entbrannte ein Streit um die Verteilung der erwarteten Einnahmen: Eine Regierungskomission fordert, die Abgaben für Gewinne aus der Förderung von Bodenschätzen von derzeit 30 auf mindestens 55 Prozent zu erhöhen - Delek, den meisten Israelis bisher hauptsächlich als Tankstellenbetreiber bekannt, behauptet, bei solcher Besteuerung werde die Ausschöpfung der Gasfunde unter dem Meer unrentabel und für prospektive ausländische Partner uninteressant.

Auf jeden Fall kann Israel sich mit den Energie-Exportriesen in der Region auch in Zukunft wohl nicht messen: Die 450 Milliarden Kubikmeter des neuen Gasfeldes entsprechen knapp 0,3 Prozent der heute bekannten Weltreserven. Katar hat nach letzten vorliegenden Zahlen mehr als 25 Billionen Kubikmeter Reserven, Israels Erzfeind Iran mehr als 29 Billionen. Immerhin: Zusammen mit zwei weiteren Vorkommen unter dem Meer, von denen eines seit 2004 swchon betrieben wird, bringt Leviathan die Israelis auf gut 700 Milliarden Kubikmeter Reserven auf Platz 30 in der Weltstatistik der Erdgasländer, ungefähr auf dem Niveau von Bolivien oder Vietnam. „Wir sind nicht die Champions League, aber doch ein internationaler Player", sagt ein Banker aus Tel Aviv, der augenblicklich in Österreich und Deutschland Partner für das israelische Gasgeschäft sucht.

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Der Blick der Israelis geht nicht zufällig in die Mitte Europas. Delek und seine bisherigen Partner brauchen Know-how und Kooperation bei der Vermarktung. Denn für das Sieben-Millionen-Land Israel ist die anvisierte Fördermenge viel zu groß. Selbst bei sehr optimistischen Konjunkturpognosen für die derzeit boomende israelische Volkswirtschaft entsprächen schon 65 Prozent des Erdgases aus dem Mittelmeer 2030 dem israelischen Inlandsbedarf entsprechen, der bislang vor allem durch Importe aus Ägypten gedeckt wird.

Israel sucht also Abnehmer. Die Delek-Manager denken über Erdgas-Verflüssigung nach – aber vor allem über Anschluss an internationale Pipelines. Damit kommt natürlich die ungefestigte außenpolitische Lage des Landes in die Quere. Mit den arabischen Nachbarländern reichen die Beziehungen vom offiziellen Kriegszustand mit Syrien bis zum krisenbelasteten Frieden mit Ägypten. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu strebt eine energiepolitische Kooperation mit seinem griechischen Freund und Kollegen Jorgos Papandreou an. In die gleiche Richtung geht ein Regierungsabkommen über die wirtschaftliche Seegrenze zwischen Israel und der griechisch dominierten Republik Zypern. Gegen dieses Abkommen hat die Türkei protestiert, die mit Israelis und Zyprioten fast gleichermaßen entzweit ist und sich als Schutzmacht der arabischen Mittelmeeranrainer Syrien und Libanon profiliert.

Trotzem setzt Delek auf die Türken, die auch in anderen Branchen ihre wirtschaftlichen Beziehungen mit Israel trotz aller politischenSpannungen kultivieren. Delek wirbt für seine Pläne mit einer Landkarte, auf der sich schon der denkbare Verlauf einer Unterseepipeline von den israelischen Gasfeldern zum türkischen Hafen Ceyhan gezeichnet. Und von Ceyhan ginge der logische weitere Weg des israelischen Erdgases in Richtung Nabucco.

Nabucco ist die geplante Riesenpipeline, die in ein paar Jahren vom Osten der Türkei quer durch den Balkan Richtung Österreich und Deutschland führen soll. Weshalb die Israelis Fühler vor allem zum vielleicht wichtigsten Nabucco-Partner ausgestreckt haben. Das ist der österreichische Energiekonzern OMV; zusammen mit OMV sucht Delek jetzt auch das Gespräch mit deutschen Unternehmen.

Die Kontakte sind wegen der Iran-Interessen der Nabucco-Konsorten nicht einfach. Schwer vorstellbar, wie sich die europäischen Konzerne gleichzeitig mit den schwer verfeindeten Israelis und Iranern ins Geschäft kommen sollten; und gegen die Felder im Iran ist der Riesenfisch Leviathan natürlich ein Zwerg. Die Israelis aber sind optimistisch. In Europa hören sie oft genug, dass sich ihre möglichen Partner immer mehr vom Iran abwenden, und das nicht nur wegen der UN-Sanktionen. Kontrakte der Europäer mit den iranischen Firmen – direkt oder aus Tarnungsgründen über asiatische Drittstaaten – seien mit immer höheren Nebenkosten für Bestechungen verbunden: erstens verboten und zweitens zu teuer. Was die Israelis mindestens so freut wie die Aussicht auf die Gewinne aus dem Lewiathan-Feld.

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