Israels Politik-Star: Jair Lapid ist ein Freund der Millionäre

Israels Politik-Star: Jair Lapid ist ein Freund der Millionäre

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Jair Lapid war bereits Moderator, Nachrichtensprecher, Kinderbuchautor, Zeitungskolumnist und Schauspieler

von Hans Jakob Ginsburg

So unübersichtlich die innenpolitische Lage nach dem Wahlausgang scheint, für israelische Unternehmer und Investoren scheint alles klar: Ihre Freunde haben gewonnen – allen voran der Überraschungssieger Jair Lapid.

Israels Öffentlichkeit  musste lange rätseln, ob das nationalistisch-religiöse Lager um Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und seine bisherigen Koalitionspartner die Parlamentsmehrheit verloren oder mit hauchdünnem Vorsprung gehalten hatte. Am Mittwoch, einen Tag nach der Wahl, sah es nach einem Gleichstand zwischen bisheriger Regierung und bisheriger Opposition aus  – und die Börse in Tel Aviv feierte das mit einem Kursgewinn des wichtigsten Index von gut einem Prozent. Donnerstagmittag, die letzte Stimme war endlich ausgezählt, hatte die religiöse Rechte ein zusätzliches Mandat gewonnen: Netanjahu könnte jetzt theoretisch mit einer Mehrheit von 61 gegen 59 Sitzen weiterregieren wie bisher. Und an der Börse gab der TASE-Index ungefähr die Hälfte der Gewinne vom Vortag wieder ab.

Nicht, dass Börsenhändler, Investoren und Unternehmer in Israel einen Sieg der moderat erstarkten Linken ersehnt hätten. Sie haben auch nichts gegen politische Stabilität. Sie haben in ihrer Mehrheit allerdings viel gegen die Stagnation, für die Netanjahus bisherige Koalition aus Nationalisten, Religiösen und Rechtsradikalen nicht nur in der Außenpolitik steht. Anpassungen des Staatshaushalts, Reformen in der Wohnungsbau-, Bildungs- und Gesundheitspolitik sind überfällig und waren in der bisherigen Jerusalemer Machtkonstellation undurchführbar geworden: Ursache der sozialen Protestbewegung, deren Bilder im Sommer vor anderthalb Jahren aus Tel Aviv um die Welt gingen, aber auch Ursache der wachsenden Unzufriedenheit von Wirtschaftsleuten, deren Vorstellungen mit denen der Protestler wenig zu tun haben.

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Und jetzt staunen wirtschaftspolitische Beobachter der israelischen Szene, dass die antikapitalistischen Proteste von 2011 gegen hohe Mieten und Verbraucherpreise und gegen die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich zum Wahlerfolg eines lupenreinen Marktwirtschaftlers geführt hat. Denn das ist Jair Lapid, der Chef von „Es gibt eine Zukunft“ – so lässt sich der Parteiname „Jesch Atid“ übersetzen. Netanjahu, der ins Wackeln geratene Regierungschef, hat Lapid mit seinen 19 Parlamentsabgeordneten bereits die Aufnahme in eine neue Koalitionsregierung angeboten. Sollte es dazu kommen, wird der frühere Fernsehmoderator wahrscheinlich Finanzminister, und die Tel Aviver Börse könnte erneut jubeln.

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