Italien: Die Zarin steht bereit

Italien: Die Zarin steht bereit

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Marina Berlusconi

Silvio Berlusconis älteste Tochter Marina hat schon das wirtschaftliche Imperium ihres Vaters übernommen – nun könnte sie auch in der Politik seine Nachfolgerin werden.

Der König ist angeschlagen, es lebe die Königin. Noch kämpft Silvio Berlusconi um den Erhalt seiner Macht, die in den Strudeln von immer neuen Skandalnachrichten zu versinken droht. Doch niemand weiß, wie lange die politische Agonie des Premiers noch anhält und wie groß der Scherbenhaufen sein wird, den er in seiner Partei hinterlässt. Kann das auf Berlusconi ausgerichtete "Freiheitsvolk" ohne seinen Führer überhaupt überleben?

Der Kronprinz Gianfranco Fini wurde bereits vor Monaten aus der Partei gedrängt, ein neuer Kandidat für die Nachfolge ist noch nicht in Sicht. Mit dem spröden Finanzminister Giulio Tremonti kann man keine Wahlen gewinnen. Wer also soll Berlusconi beerben? Es müsste jemand sein, der ebenso reich, schillernd und mächtig ist wie der Medienmogul und natürlich ebenso antikommunistisch. Jemand, der die Partei finanzieren kann und für den die Parteihymne "Ein Glück, dass es Silvio gibt" nicht umgetextet werden müsste. Es sollte ausreichen, den Namen auszutauschen. Nichts braucht das "Freiheitsvolk" weniger als Experimente, die Zeichen stehen auf Restauration. Ein Silvio Berlusconi ohne Sexaffären, das wäre es, ein Berlusconi wie vor 17 Jahren, ein erfolgreicher Unternehmer, mit dem Italien auch international wieder eine gute Figur machen könnte.

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Dementis bleiben aus

Diese Person gibt es.

"Sie betritt das Feld", wie Il Giornale, das Hausblatt der Familie Berlusconi, verkündete – mit genau dieser Formulierung hatte einst Silvio Berlusconi seinen Fuß in die Politik gesetzt. Nun könnte seine älteste Tochter den Schritt wagen: Marina Berlusconi.

Schon öfter war die 44-jährige Chefin der familieneigenen Holding Fininvest als Nachfolgerin ihres Vaters ins Spiel gebracht worden, zuletzt vor zwei Monaten. Damals sagte Umweltministerin Stefania Prestigiacomo, seit Jahren Vertraute des Regierungschefs: "Ich weiß, dass Marinas Name in der Luft liegt. Und das ist gut so, sie ist eine sehr fähige Frau." Doch ihre Aussage wurde dementiert. "Wir wollen hier keine Monarchie installieren", beschwichtigte Marinas jüngerer Bruder Piersilvio, der das Fernsehunternehmen Mediaset leitet. Inzwischen erhalten die Gerüchte um Marina täglich neue Nahrung, die Dementis aber bleiben aus. Und das Schweigen der Tochter tönt laut wie Zustimmung.

Nicht dass Marina Berlusconi das Rampenlicht scheuen würde. Fast wöchentlich taucht sie in der familieneigenen Klatschpostille Chi auf, die die First Family auch in Ermangelung einer First Lady (nach dem Abgang von Berlusconis zweiter Ehefrau Veronica) zum italienischen Ersatzkönigshaus stilisiert. Und Marina, die neben Piersilvio noch drei Halbgeschwister hat, besitzt ganz selbstverständlich das Auftreten einer Kronprinzessin. Als Chi Weihnachtsfotos aus dem Hause Berlusconi brachte, saß Marina dem Vater an der großen Tafel mit 40 Personen gegenüber, der Ehrenplatz für die Dame des Hauses. Ganz weit vorn präsentierte die First Daughter auch ihre beiden Söhne Gabriele, 8 Jahre, und Silvio, 6 Jahre, während der Ehemann Maurizio Vanadia, 49 Jahre, sich stets im Hintergrund hält. Die Zeiten, da er als Primoballerino an der Mailänder Scala arbeitete, sind längst Geschichte.

Chefin des Imperiums

Marina hingegen befindet sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Das Wirtschaftsmagazin Forbes wähnt sie als einzige Italienerin unter den 50 mächtigsten Frauen der Welt. Schon mit 30 war die Studienabbrecherin (Jura, Politikwissenschaften) stellvertretende Vorstandsvorsitzende bei Fininvest, seit 2005 ist Marina die Chefin des Imperiums, zu dem außer Mediaset auch die Verlage Mondadori und Einaudi, die Filmfirma Medusa, der Fußballklub AC Mailand und das Versicherungsunternehmen Mediolanum gehören. Außerdem ist Marina Berlusconi zum Vorstandsmtiglied der wichtigsten Geschäftsbank Mediobanca, an der sie Anteile hält. Als »äußerst willensstark« bezeichnet sie ihr Vater, als zarina (Zarin) hänseln sie hinter vorgehaltener Hand ihre Mitarbeiter. Die zierliche Frau gilt als äußerst autoritär. Nichts entgeht ihrer Kontrolle, auch nicht die wie zufällig in Chi hingestreuten Urlaubsbilder, die sie auf ihrer Jacht mit einem marmorfesten, blanken Busen zeigen. Marina Berlusconi kennt die Macht der Bilder von klein auf. Jugendlichkeit, ein glattes Gesicht, ein makelloser Körper sind Kapital für eine Unternehmerin, die in die Politik gehen will.Wer es wagt, ihr in die Quere zu kommen, wird weggebissen. Das bekam auch die jüngere Schwester Barbara zu spüren. Die älteste Tochter von Veronica Berlusconi hatte Ansprüche auf einen Chefposten beim Verlagshaus Mondadori angemeldet, nachdem ihre Mutter die Scheidung vom Vater eingereicht hatte. Marina sträubte sich. Der Krieg der Schwestern drohte schon ein gefundenes Fressen für die Oppositionspresse zu werden, als Papa Silvio eingriff und alle zum Versöhnungstheater in seine Villa nach Sardinien einlud. Barbara, die inzwischen ihren Uni-Abschluss in Philosophie gemacht hatte, wurde mit einem Posten beim AC Mailand abgefunden – mit Marinas Drohung im Ohr: "Die Entscheidungen über den AC Mailand liegen nicht bei mir, aber ich finde, wir könnten die Bilanz verbessern." Übersetzt heißt das: Solange Papa Fußballpräsident bleibt, kann er unsere Millionen für Kicker hinauswerfen. Später drehe ich dir den Hahn ab.

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