Italien: Italienische Banken erleben ihre süße Rache

Italien: Italienische Banken erleben ihre süße Rache

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Fiat Produktion in Italien: Autos finden keinen Käufer

Dank solider Banken fällt die Rezession in Italien milder aus als im übrigen Europa – dafür dürfte ein erneuter Aufschwung länger auf sich warten lassen.

Der Glaube ist in Italien wichtiger als anderswo.

Neuerdings auch in der Wirtschaft. "Geld", so erklärte Papst Benedikt XVI. Anfang Oktober, just als das erste große Kreditgewitter über Europa tobte, sei "zweitrangig". Es könne verschwinden, nichtig werden. Real hingegen sei das Wort Gottes.

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Nicht alle fanden die Worte erhellend. Die Meinung dieses "Finanzpapstes" zähle so viel wie die von "Mario Rossi, dem Tankwart in Tor Bella Monaca", schrieb ein erboster Leser dem „Corriere della Sera“ – wahrscheinlich direkt nachdem sein Geld an der Mailänder Börse verschwunden und nichtig geworden war. Denn auch in Italien verpuffen an den Finanzmärkten wie im Rest der Welt Milliarden, die Immobilienpreise sinken, der Konsum geht zurück.

Doch im Gegensatz zu anderen Ländern drohen derzeit noch keine Banken oder Großunternehmen zu kollabieren. Von einer generellen Panik zu sprechen, wäre übertrieben, zieht Gregorio De Felice, Chefvolkswirt der italienischen Großbank Intesa Sanpaolo, Bilanz.

Für die Zukunft der Realwirtschaft viel entscheidender – da scheinen De Felice und der Papst sich einig – ist der Glaube. Oder, wie De Felice sagen würde, das Vertrauen. Das der Unternehmer in die wirtschaftliche Entwicklung fiel im Oktober auf den tiefsten Stand seit 1993.

Dabei erleben die italienischen Banken gerade ihre dolce vendetta, ihre süße Rache. Nachdem sie sich jahrelang verspotten lassen mussten, sie würden die innovative Finanzwelt nicht verstehen und die Chancen der Zeit verschlafen, lächeln die italienischen Banker nun nonchalant. „Wir haben unsere Arbeit immer auf sehr traditionelle Art gemacht“, sagt De Felice. Zwar schrumpfen auch in Italien die Erträge und Aktienkurse der Banken, werden Stellen abgebaut, ist das Kapital knapp. Doch bislang können sich die italienischen Banken allein und über den Markt helfen. „Das italienische Bankensystem ist gesund“, urteilte Intesa-Sanpaolo-Chef Corrado Passera.

Das Bankenpaket, das die Regierung plant, begrüßte er trotzdem. Es sei wichtig, um „Wettbewerbsverzerrungen im internationalen Vergleich“ zu vermeiden. Wie das Paket genau aussehen soll, steht noch nicht fest, als wahrscheinlich gilt die Emission nachrangiger Anleihen ohne feste Laufzeiten. Gesprochen wird über eine für andere Länder lächerlich gering erscheinende Summe von 20 Milliarden Euro.

Die Rezession freilich ist in Italien bereits so real wie für den Papst das Wort Gottes

Ähnlich mickrig erscheint das Konjunkturpaket, über das Italien diskutiert.

Rund 80 Milliarden Euro groß, sagt Wirtschaftsminister Giulio Tremonti, könnte es werden. Er spricht dabei über Preisreduzierungen bei Strom, Gas und Autobahngebühren, Renten-Boni und Familienpakete und über Anrechenbarkeit der Gewerbesteuer für die Firmen. „Unnützes Placebo“, urteilen Gewerkschafter, denn viele der jetzt als „Konjunkturpaket“ verkauften Maßnahmen waren bereits im neuen Staatshaushalt eingeplant, noch bevor das Paket geschnürt wurde. Nur etwa zwei bis sieben Milliarden, so wird geschätzt, dürften wirklich in neue Maßnahmen fließen.

Die Rezession freilich ist in Italien bereits so real wie für den Papst das Wort Gottes. Die Konsumausgaben, in Italien bereits vor Beginn der Krise nicht rosig, sind weiter gesunken. Anschaffungen werden verschoben, wo es geht. Die Zahl der Automobil-Neuzulassungen ging nach Angaben des Europäischen Automobilherstellerverbandes Acea in Italien im Oktober mit 18,9 Prozent stärker zurück als im Rest Europas (minus 14,5 Prozent). Einzig Fiat hält sich tapfer und an der Prognose schwarzer Zahlen für 2008 fest. Für 2009 jedoch gibt es keine Prognose. In Italien seien insgesamt eine Million Jobs in Gefahr, warnte der frühere Ministerpräsident Giuliano Amato.

Die Rezession könnte Italien wegen des "relativ soliden Banksystems" weniger stark treffen als andere Länder, verkündete der Internationale Währungsfonds dieser Tage eine frohe Nachricht und lieferte die schlechte gleich hinterher: Der Aufschwung werde langsamer und schwächer ausfallen.

Schuld sind die steifen Strukturen, die Langsamkeit des Systems, eine falsche Steuerpolitik und die fehlende Konkurrenzfähigkeit. Mit Letzterer, so bescheinigte gerade eine Studie, landet Italien im internationalen Vergleich auf Platz 40 – hinter Lettland und Thailand.

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