IWF-Chefin: Lagarde macht Europa Dampf

IWF-Chefin: Lagarde macht Europa Dampf

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Christine Lagarde

von Rebecca Eisert

Sparmaßnahmen ja, aber nicht um jeden Preis. IWF-Chefin Christine Lagarde fürchtet, dass Europa und die USA die Konjunktur abwürgen. Sie fordert eine bessere Kapitalausstattung europäischer Banken.

Es war die erste Rede von Christine Lagarde seit ihrem Amtsantritt als Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Französin fand deutlich Worte: „Die Entwicklungen in diesem Sommer haben gezeigt, dass wir uns in einer gefährlichen neuen Phase befinden“, sagte sie am Samstag bei der internationalen Wirtschaftskonferenz in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming. „Die Politik muss das richtige Gleichgewicht zwischen Schuldenabbau und Maßnahmen zur Stützung der wirtschaftlichen Erholung finden“, mahnte sie und warnte „wir laufen Gefahr, dass die fragile Erholung zum Erliegen kommt. Deshalb müssen wir jetzt agieren“, sagte Lagarde auf der Konferenz, auf der sich führende Notenbanker und Experten trafen.

Notenbanken sollen Geldhahn aufdrehen

Zwei Jahre nach dem Ende der globalen Finanzkrise schwächelt das Wachstum in den USA und Europa. Die Schuldenkrisen auf beiden Seiten des Atlantiks haben das öffentliche Vertrauen in einen weltweiten Aufschwung erschüttert. Von europäischen Banken werden höhere Zinsen verlangt, weil ihre Geldgeber fürchten, dass die Institute von der Staatsschuldenkrise betroffen sein könnten. Kreditausfallversicherungen für die Branche sind inzwischen teurer als Anfang 2009, als die Finanzkrise ihren Höhepunkt erreichte. Hinzukommen die starken Ausschläge an den Finanzmärkten in den vergangenen Wochen.

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Lagarde forderte die hochentwickelten Volkswirtschaften dazu auf, langfristige Pläne zu schmieden, um ihre Schulden unter Kontrolle zu bringen. Vor allem müsse die Langzeitarbeitslosigkeit entschieden angegangen werden. Sie warnte zudem die Industrieländer davor, zu viel zu sparen und das Wirtschaftswachstum damit zu gefährden. „Vereinfacht gesagt muss die gesamtwirtschaftliche Politik das Wachstum unterstützen“, sagte die frühere französische Wirtschaftsministerin.

Nach Lagardes Ansicht sollten die Notenbankenbereit sein, den Geldhahn weiter aufzudrehen. Das Risiko eines Wirtschaftsabschwunges sei größer als das einer Inflation. Der Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, hatte bei seiner mit Spannung erwarteten Rede am Freitag jedoch keine neue Geldspritze für die schwächelnde US-Wirtschaft angekündigt. Die Fed werde aber über weitere geldpolitische Lockerungen bei ihrer Sitzung im September sprechen.

Appell an Europa

An die Staaten der Eurozone appellierte die IWF-Chefin, im Kampf gegen die Schuldenkrise eine gemeinsame  Zukunftsstrategie zu finden. „Eine unklare oder verwirrende Botschaft würde die Unsicherheit auf den Märkten verstärken und die wirtschaftlichen Spannungen vergrößern.“

Sie  forderte angesichts der weltweiten Konjunkturrisiken eine bessere Kapitalausstattung europäischer Banken. Die Institute müssten zu einer Rekapitalisierung gezwungen werden, sagte Lagarde. Dies solle möglichst durch den Privatsektor geschehen. Die neue IWF-Chefin brachte aber auch den Euro-Rettungsfonds EFSF dafür ins Gespräch.

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