IWF-Jahrestagung: Angst vor dem Absturz

IWF-Jahrestagung: Angst vor dem Absturz

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Wolfgang Schäuble wird auf der IWF-Jahrestagung ein gefragter Mann sein.

von Max Haerder

Internationaler Währungsfonds (IWF) und Weltbank laden nach Washington zur Jahrestagung, die Probleme stapeln sich: Die Weltwirtschaft schwächelt extrem, die USA und die EU ringen mit überbordenden Schulden und Rezessionsängsten. Vor allem der Druck auf die Eurozone ist gewaltig, ihrer Währungskrise endlich Herr zu werden.

Nicht, dass Wolfgang Schäuble unwichtig wäre. Aber selten war das Interesse am Bundesfinanzminister so groß wie diesmal, wenn er ab heute in Washington seine Amtskollegen und die wichtigsten Notenbanker der Welt trifft. Deutschland steht im Fokus, weil Europa unter Beobachtung steht: Schon kurz nach der IWF-Jahrestagung, am 29. September, muss der Bundestag über den Euro-Rettungsschirm EFSF abstimmen. Auf den größten Beitragszahler kommt es an, um eine Insolvenz Griechenlands abzuwenden.

Ohne die Solidarität und Solidität der Bundesrepublik kann sich niemand so recht vorstellen, wie die Eurokrise gelöst werden könnte. Auf Schäubles Wirken und Werben wird es also ankommen, ob von der IWF-Tagung an diesem Wochenende Zuversicht oder Skepsis ausgeht. Man dürfe sich „keinen Illusionen hingeben“, heißt es dazu in Regierungskreisen, „das Hauptthema wird die Lage der Eurozonen-Peripherie“. Das könne aber durchaus auch nützliche Züge haben: Den internationalen Partnern müsse die EU samt ihrer komplizierten Entscheidungswege immer wieder erläutert werden.

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Schäuble wird in Washington vor allem deutlich machen, dass Deutschland am eingeschlagenen Konsolidierungskurs festhalten wird – und seine Sparbemühungen auch anderen als Vorbild empfehlen. Alle Industrienationen müssten „die Glaubwürdigkeit ihrer Politik unterstreichen“, heißt es in Regierungskreisen. „Konsolidierung ist nicht wachstumshemmend.“

"Gefährliche Phase"

Der diese Woche veröffentlichte IWF-Ausblick zur Weltkonjunktur unterstrich die düstere Gegenwart: Zwar soll die Wirtschaft global dieses und auch kommendes Jahr jeweils um vier Prozent wachsen, doch der Währungsfonds korrigierte die Aussichten im Vergleich zum Juni durchweg nach unten. Bisher hatte der Fonds für 2011 noch 4,3 Prozent und für 2012 rund 4,5 Prozent des BIP erwartet.

Besonders die Wachstumsschwächen der Industrienationen erweisen sich als Problem. Die USA verharren laut der Prognose 2011 auf einem mickrigen BIP-Wachstum von 1,5 Prozent, 2012 sollen es 1,8 Prozent sein; in der Eurozone zeigt der Trend sogar nach unten, von 1,6 Prozent in diesem auf nur 1,1 Prozent im kommenden Jahr. Das EU-Schwergewicht Italien steht im nächsten Jahr gar am Rande der Rezession. Auch Deutschland kann 2012 laut IWF-Ausblick nur noch mit 1,3 Prozent Wachstum rechnen.

Kraft zur Konsolidierung sammelt sich so kaum. Man befinde sich in einer „gefährlichen neuen Phase“, warnte der IWF. Ohne die noch immer robuste Konjunktur in China und anderen Schwellenländern stünde die Weltwirtschaft vor der totalen Abkühlung.

Die Bundesregierung ist alarmiert: „Vier Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise sind wir immer noch im Krisenmodus“, warnen Regierungsvertreter. Eine der besonderen Sorgen neben der Konjunktur: In den dynamischen Schwellenländern gäbe es wegen hoher Kapitalzuflüsse „Überhitzungsgefahren“. Die offizielle und inoffizielle Agenda in Washington ist dementsprechend voll. Die EU wird in Washington deutlich machen, dass bei der Regulierung der Finanzmärkte nicht nachgelassen werden dürfe. Möglichen neuen Kreditlinien des IWF für finanzschwache Länder steht die Bundesregierung allerdings sehr skeptisch gegenüber.

Allerdings will Berlin bei der Reform des Weltwährungssystems vorankommen. Die Treffen in Washington werden deshalb auch als Vorbereitung auf den G20-Gipfel genutzt, der Anfang November in Cannes stattfindet.

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