IWF-Prognose: Im Schatten von Brexit und Trump

IWF-Prognose: Im Schatten von Brexit und Trump

, aktualisiert 10. Oktober 2017, 14:12 Uhr
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Der Hamburger Hafen am Terminal Burchardkai. Die Aussichten für die Weltwirtschaft sind trotz des Risikos Trump besser als erwartet.

von Donata RiedelQuelle:Handelsblatt Online

Im Frühjahr zeigte sich der Internationale Währungsfonds (IWF) noch deutlich negativer über die Aussichten in der Weltwirtschaft. Eigentlich läuft alles besser als erwartet. Nur einer bereitet den Ökonomen große Sorgen.

BerlinDie Euro-Krise scheint vorbei. Jedenfalls beurteilt – nach deutschen und europäischen Ökonomen – auch der Internationale Währungsfonds die Wachstumsaussichten für die Euro-Zone deutlich besser als im Frühjahr. Gegenüber seinem „World Economic Outlook“ vom April korrigiert der IWF jetzt seine Prognose für dieses Jahr um kräftige 0,4 Prozent herauf und erwartet für die Euro-Staaten ein Plus von 2,1 Prozent. Auch Deutschland wächst mit 2,0 Prozent kräftiger als der Fonds im Frühjahr annahm. Der Aufschwung geht demnach im kommenden Jahr weiter: mit einem Plus von 1,9 Prozent in der Euro-Zone und 1,8 Prozent in Deutschland, erwarten die IWF-Ökonomen.

Es läuft also wirtschaftlich gut in Europa: In den Euro-Staaten hat 2016 erst der Konsum angezogen, jetzt erholt sich auch der Export. Nicht nur Exportweltmeister Deutschland profitiert von der Erholung des Welthandels, auch die übrigen Europäer stehen besser da. Mit Ausnahme der Briten: Für Großbritannien korrigiert der Fonds die Wachstumserwartungen gegenüber April für dieses Jahr um 0,3 Prozentpunkte auf 1,7 Prozent nach unten: Der Brexit wirft seine Schatten voraus.

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Die USA boomen ebenfalls weniger, als Ökonomen zu Beginn der Amtszeit von Präsident Donald Trump erwartet hatten: Die steuerlichen Impulse, die Trump im Wahlkampf versprochen hatte, sind bisher nicht umgesetzt. Eine Sonderkonjunktur durch sein „America-first“-Programm erwartet der IWF inzwischen nicht mehr. „Die IWF-Mitarbeiter gehen von einer unveränderten Politik aus, während sie im April noch einen fiskalischen Stimulus durch Steuersenkungen erwartet hatten“, heißt es nüchtern im Wirtschaftsausblick für die USA. Dies gelte vor dem Hintergrund „deutlicher politischer Unsicherheit“.

Schlecht geht es den USA deshalb allerdings nicht wirklich: Der Aufschwung, der noch während der Präsidentschaft von Barack Obama mit guter Konsumstimmung und starken Unternehmensgewinnen begonnen hatte, werde sich kontinuierlich fortsetzen. Nur eben ohne Extra-Push.

Die Politik spielt in Europa ebenfalls eine wichtige Rolle für die Konjunkturaussichten: In der Euro-Zone sind sie auch deshalb besser geworden, weil in Österreich, den Niederlanden und Frankreich rechte Parteien, die auf nationale Abschottung setzen, doch nicht an die Macht gekommen sind.

In Großbritannien wiederum ist die Zukunftsunsicherheit nach dem Brexit-Votum deutlich gestiegen. „Die mittelfristigen Aussichten hängen teilweise davon ab, wie das wirtschaftliche Verhältnis zur EU aussehen wird und in welchem Maß Grenzen für Handel, Migration und grenzüberschreitende Finanztransaktionen gesetzt werden“, beurteilt der IWF die Aussichten. Je mehr Protektionismus, so die Botschaft, desto schlechter für die britische Wirtschaft.

Den Regierungen der Industrieländer empfiehlt der IWF, den Aufschwung für unpopuläre Strukturreformen zu nutzen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron liegt demnach mit seiner Arbeitsmarktreform jetzt zeitlich genau richtig. Auch die Haushaltskonsolidierung sollten Staaten in der Hochkonjunktur beginnen. Für Spanien mit seinem kräftigen Wachstum von 3,5 Prozent in diesem Jahr ist auch nach Meinung des IWF jetzt der richtige Zeitpunkt dafür gekommen. Während der Euro-Krise hatte der IWF im Gegensatz zu Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor einem Sparkurs gewarnt: Er hätte die Rezession in Südeuropa nur verschärft, meinten damals die IWF-Ökonomen.


Mittelfristig gut, langfristig risikoreich

Auch jetzt raten sie nicht allen Industrieländern zum Sparen: Erst müsse die Konjunktur wirklich gefestigt sein, und das sei längst nicht in allen Euro-Staaten der Fall. Die Notenbanken wiederum sollten bei ihrer Niedrigzinspolitik bleiben, solange die Inflation nicht wirklich anzieht. In der Euro-Zone sei diese mit 1,5 Prozent noch zu schwach. Die Löhne steigen bisher in den meisten Euro-Ländern bisher auch noch kaum – weil vor allem im Süden die Arbeitslosigkeit noch immer sehr hoch ist.

Nach den IWF-Daten ist 2017 seit langer Zeit einmal wieder ein Jahr, in dem die Weltwirtschaft von den Industriestaaten angeschoben wird. Den reichen Ländern nutzt allerdings nach wie vor das Niedrigzins-Umfeld und ein entgegen früheren Erwartungen kaum gestiegener Ölpreis: Der Fonds erwartet, dass er auch im nächsten Jahr mit um die 50 Dollar pro Fass stabil bleibt. Denn Knappheit tritt wohl nicht ein: Die USA fördern wieder mehr Öl durch Fracking, und auch Nigeria und Lybien haben ihre Fördermengen erhöht.

In den Schwellen- und Entwicklungsländern wiederum dämpfen die schwächer als erwartet steigenden Energie- und Rohstoffpreise das Wachstum. Für Afrika bleibt das Wachstum mit 2,6 Prozent in diesem und 3,4 Prozent im nächsten Jahr zu schwach: Weil die Bevölkerung stärker wächst, dürfte die Armut gerade in den ärmsten Ländern des Kontinents noch zunehmen. In der Schwellenländergruppe liegt Chinas Wachstum leicht höher als im Frühjahr erwartet; in Indien dagegen wird es sich wohl wegen Wechselkursänderungen und einer neuen Mehrwertsteuer abschwächen.

Auch wenn der IWF in diesem und im nächsten Jahr mit einer recht stabilen Weltkonjunktur rechnet, fürchtet er mittelfristig doch etliche Risiken: Vor allem der Trend zu nationaler ausgerichteter Politik könnte der Konjunktur schaden. In China wiederum gebe es Risiken für die Finanzstabilität aus dem jüngsten Kreditwachstum dort. Wenn es zu einem Einbruch der Wachstumsrate käme, würden dies die USA und Europa als Handelspartner deutlich zu spüren bekommen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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