IWF-Tagung: Banker warnen vor der Lust am Untergang

IWF-Tagung: Banker warnen vor der Lust am Untergang

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ARCHIV - Das Logo des Internationale Währungsfonds an dessen Hauptsitz in Washington (Archivfoto vom 18.05.2011). Der Internationale Währungsfonds (IWF) ist in der weltweiten Finanzkrise zu einem der wichtigsten Krisenhelfer aufgestiegen. Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen greift ein, wenn Staaten Finanzschwierigkeiten haben oder ihnen der Bankrott droht. Der IWF hilft den Mitgliedsländern dann mit Krediten. Die Finanzhilfen des IWF sind meist an strenge Auflagen geknüpft - etwa an die Sanierung des Staatshaushalts. EPA/JIM LO SCALZO (zu dpa-Hintergrund: Stichwort: Internationaler Währungsfonds) (c) dpa - Bildfunk

von Cornelius Welp

Die Tagung von Weltbank und IWF in Washington ist Treffpunkt der internationalen Bankprominenz und Indikator für die Stimmung in der Branche. Und die lässt sich in diesem Jahr sehr knapp zusammen fassen: Es sieht finster aus.

Viele Banker ziehen Parallelen zu dem Treffen vor drei Jahren, als gerade die Investmentbank Lehman Brothers pleite gegangen war„Spannenden Zeiten“ seien das, sagen Banker – und schauen besorgt. „Noch vor einem Jahr habe ich geglaubt, dass wir das Schlimmste hinter uns haben und sich die Lage wieder normalisiert“, sagt der Kapitalmarktvorstand einer großen deutschen Bank. Nun ist die Lage so verworren, dass auch er nur noch auf die Lebenserfahrung setzt. Die Krise kann noch so schlimm aussehen, es geht doch immer irgendwie weiter“, sagt er.

Die Lage ist nicht auswegslos

„Die Lage ist angespannt, aber überhaupt nicht auswegslos“, sagt einer der prominentesten deutschen Banker im Hintergrundgespräch. Und dann erklärt er engagiert seinen Vier-Punkte-Plan, mit dem die Schuldenthematik lösbar wäre, einschließlich eines weitgehenden Schuldenschnitts in Griechenland und einer deutlichen Aufstockung des Stabilisierungsfonds EFSF. Dann könnte auch eine Ansteckung anderer Länder, die „Liquiditäts-, aber keine Solvenzprobleme“ hätten, vermieden werden.

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Sein Konzept ist logisch und durchdacht, aber es hat eben auch einen Haken. „Was es dazu braucht: ist entschlossenes Handeln der Politiker“, sagt er. Dass die Marktteilnehmer eben dieses ihnen in Europa nicht zutrauen, ist der wesentliche Grund für die Zuspitzung der Krise. „Die Politiker sind sich gar nicht klar darüber, wie hoch der Zeitdruck ist“, sagt ein Bankvorstand. Und so richten viele ihre Apelle an die Psychologie. „Der Abgrund ist zwar da, aber wir müssen uns nicht selbst hineinreden“, sagt der Chefvolkswirt einer Großbank und beklagt eine weit verbreitete „Lust am Untergang“

Griechenland-Pleite nicht herbeireden

Der will sich auch Heinrich Haasis entgegenstellen. Für den Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, dessen Amtszeit im Frühjahr 2012 endet, ist es die letzte Dienstreise nach Washington und er nutzt zu einer eindringlichen Rede. So solle die Finanzwirtschaft die Krise nicht möglichst drastisch beschreiben. Und es helfe auch nicht, wenn politisch Verantwortliche die Insolvenz Griechenlands herbeireden“. Nicht nur deshalb sieht auch er „Zweifel am Vorgehen der politischen Akteure“. Und so verlangt er „ein klares Bekenntnis zum Euro als gemeinsamer Währung“ mit der Grundlage einer „vernünftigen Balance aus Solidarität und Solidität“. Und auch er mahnt eine „handlungsfähige Institution für Krisenfälle“ an, um den „unerträglichen Zustand, dass die EZB faktisch gezwungen ist, Staatsanleihen aufzukaufen“ zu beenden.

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