IWF und Weltbank: Finanzwelt feiert wieder in Istanbul

IWF und Weltbank: Finanzwelt feiert wieder in Istanbul

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Weltbank-Präsident Robert Zoellick während einer Pressekonferenz in Istanbul

Beim Herbsttreffen der Finanzwelt, des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank am Bosporus herrscht Erleichterung, noch mal der globalen Finanzkrise entkommen zu sein. Die Risiken werden geringer, die Aussichten hellen sich auf.

Vorige Woche Pittsburgh, gestern Göteborg, morgen Istanbul. Wie Marketender ziehen die Finanzminister der großen Nationen um die Welt, um sie zu retten. An diesem Wochenende trifft sich die Truppe in der Millionenstadt zwischen Europa und Asien. Anlass ist die Herbsttagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF). Vertreter aus den 186 Mitgliedstaaten sind dabei, die Banker aller großen Kreditinstitute, natürlich die G7-Finanzminister und auch Chinesen, Inder, Brasilianer und Russen. Ach ja, der noch amtierende Bundesfinanzminister Peer Steinbrück lässt sich von seinem noch amtierenden Staatssekretär Jörg Asmussen vertreten. Tempi passati.

Noch vor einem halben Jahr stand die Welt am Abgrund. Die großen Nationen retteten die Banken vor dem totalen Zusammenbruch, und sie setzten gigantische Konjunkturprogramme auf. So dramatisch wird es diesmal in Istanbul bei weitem nicht. Der IWF rechnet mit einer rascheren Erholung der Weltwirtschaft, die Wachstumsprognose wurde um einen halben Punkt auf drei Prozent für die Welt angehoben, für Deutschland immerhin von minus 0,4 auf plus 0,3 Prozent.

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Die Gefahr eines „Down sizing“ sei noch nicht gebannt, warnt ein Ministerialbeamter aus dem Bundesfinanzministerium. Doch das klingt nicht mehr dramatisch. Es ist vielmehr ein Hinweis darauf, dass es immer noch Risiken wie eine Kreditklemme oder Unterkapitalisierungen von Banken gibt. Routine also. Es ist vor allem eine Mahnung, nun nicht mit den Reformen an den Finanzmärkten nachzulassen.

Genau diese Gefahr besteht nun, nachdem das Gröbste überstanden ist. Die Commerzbank lädt die Bankencommunity wie üblich zur Bootsparty, diesmal nicht auf dem Potomac in Washington, sondern eben am Goldenen Horn von Istanbul. Auch die Staatsbank KfW bittet zum obligatorischen Empfang anlässlich der Herbsttagung.

Die blaue Tulpe, das Symbol der Herbsttagung, das auf die lange Tradition dieser Blume in der Türkei (von hier gelangte sie später nach Holland) hinweist, verströmt Zuversicht. Beim IWF werden die Delegierten über ein höheres Stimmengewicht für China,  Indien und andere Schwellenländer beraten, wie schon vor einem Jahr und wohl wie auch noch in einem Jahr.

Entscheidungen sind nicht schnell zu erwarten. Die Chinesen wollen gar nicht so gern eine größere Rolle in der internationalen Finanzgemeinschaft spielen, erst recht nicht im IWF, dem der Ruch des Kapitalistischen anhaftet. Die Chinesen agieren lieber bilateral, in Afrika, Asien, Lateinamerika oder auch Osteuropa. China braucht den IWF nicht so sehr wie umgekehrt.

Dennoch spielt der IWF eine größere Rolle als vor der Krise. Mit IWF-Krediten wurden mehrere Volkswirtschaften vor dem Zusammenbruch gerettet. Sein Präsident, der Franzose Dominique Strauss-Kahn, hat sich selbst den Respekt der ewig kritischen Amerikaner erarbeitet.

Am Bosporus nichts neues? Nun, man redet miteinander, und das ist wichtiger denn je. Vielleicht lassen sich ja auch die Chinesen dazu bewegen, zum Abbau der globalen Ungleichgewichte im Handel beizutragen. Denn die Amerikaner werden nicht mehr so sehr konsumieren wie vor der Krise, heißt es beim IWF, und da wäre es doch wirklich an der Zeit, dass die neue Weltmacht China ihren eigenen Konsum ankurbelt und hoffentlich auch die eigene Währung endlich aufwertet. Und Deutschland soll zusehen, dass es seine eigene Wirtschaft nachhaltig ankurbelt.

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