IWF zur Schuldenkrise: Schuldenkrise: Der Fluch der Asymetrie

KommentarIWF zur Schuldenkrise: Schuldenkrise: Der Fluch der Asymetrie

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IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn bei seinem Besuch in Spanien im Juni 2010

von Malte Fischer

Der Internationale Währungsfonds wirft den Industrieländern vor, sie hätten ihre Staatsschulden schon vor der Finanzkrise aus dem Ruder laufen lassen. In schlechten Zeiten haben sie Schulden gemacht, in guten Zeiten diese aber nicht wieder zurück geführt. Ähnlich asymmetrisch haben auch die Notenbanker reagiert – und die Wirtschaft in die Krise gestürzt.

Die Zahlen muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Mit knapp 110 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung werden die USA in fünf Jahren bei ihren Gläubigern in der Kreide stehen. Noch schlimmer sieht es für Griechenland aus, die Staatsschulden des Krisenlandes werden bis 2015 auf knapp 160 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. In Frankreich wird die Quote auf knapp 95 Prozent zunehmen, in Großbritannien auf 90 Prozent. Auch Deutschlands Schuldenstand wird – trotz des Sparpakets der Bundesregierung – in den nächsten fünf Jahren auf 81 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen.

Diese Zahlen hat der Internationale Währungsfonds (IWF) gestern vorgelegt. In einigen Industrieländern, so warnen die IWF-Ökonomen, hätten die Staatsschulden schon jetzt einen Punkt erreicht, an dem mit höheren Zinsforderungen der Finanzmärkte wegen der Gefahr eines Staatsbankrotts zu rechnen sei. Dazu zählen die IWF-Ökonomen Griechenland, Italien, Portugal, Japan und Island. Die USA, Großbritannien, Irland und Spanien näherten sich rasch diesem kritischen Punkt.

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Finanzkrise als Ausrede

Bisher diente den Regierungen die Finanzkrise als formidable Ausrede für den rasanten Anstieg der Schuldenberge. Zwar ist es richtig, dass die  im Zuge der Rezession weggebrochenen Steuereinnahmen und die milliardenschweren Konjunkturprogramme den Schuldenberg des Staates wachsen ließen. Doch den Weg in den Schuldenstaat haben die Regierungen lange vorher eingeschlagen.

In den vergangenen 35 Jahren, so urteilen die IWF-Ökonomen, haben die Regierungen der Industrieländer die öffentlichen Haushalte immer wieder benutzt, um wirtschaftliche Schocks  abzufedern. Dabei aber haben sie es verpasst, die hohen Schulden in guten Zeiten wieder zurück zu führen.  

Mit diesem Vorwurf weist der IWF auf den Kardinalfehler jeder antizyklischen Wirtschaftspolitik hin: Die Asymmetrie der Reaktionen bei den politisch Verantwortlichen. Geht es darum, der Wirtschaft mit Staatsausgaben auf Pump unter die Arme zu greifen, lassen sich die Politiker nicht lange bitten. Die notwendige Rückführung der Staatsschulden im anschließenden Aufschwung aber verschieben sie auf den Sankt Nimmerleinstag. Als Folge ächzen die Länder unter riesigen Schuldenbergen, die in Staatsbankrott und Inflation zu münden drohen.

Aber nicht nur die Regierungen, auch die Notenbanker handeln asymmetrisch. Ob Börsencrash, Asienkrise, Russlandkrise oder das Platzen der New-Economy-Blase: Jedes mal schleusten die Notenbanker die Leitzinsen ratz fatz nach unten. Nachdem sich die Wirtschaft wieder gefangen hatte, verpassten sie es jedoch, die Zinszügel rechtzeitig wieder anzuziehen. Aus Angst vor einem Rückfall in die Rezession ließen sie die Zinsen viel zu lange viel zu niedrig – und legten so die Basis für immer neue Spekulationsblasen, die Aktienkurse, Immobilienpreise, Rohstoffe und Staatsanleihen erfassten.

Es sind diese asymmetrischen Reaktionen der Geld- und Finanzpolitik, die der Weltwirtschaft die Finanzkrise beschert haben. Doch die Regierungen und Notenbanker scheint das nicht zu stören. Unbekümmert signalisieren die Währungshüter der großen Zentralbanken, die Zinsen noch für lange Zeit auf dem ultraniedrigen Niveau zu belassen. Und in den USA setzt US-Präsident Barack Obama alles daran, ein weiteres schuldenfinanziertes Konjunkturprogramm auf den Weg zu bringen. So dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis uns die nächste Krise ins Haus steht.

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