Japan abgelöst: China stürmt an die Weltspitze

Japan abgelöst: China stürmt an die Weltspitze

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A worker stands on a truck as he waits to transport shipping containers at the Port of Shanghai February 14, 2011. China's trade surplus fell more than expected in January after imports surged, supporting the government's case that it is doing enough to spur domestic demand without speeding up currency appreciation. REUTERS/Aly Song (CHINA - Tags: BUSINESS)

Vor zwei Jahren musste Deutschland den Exportweltmeister-Titel an China abtreten, jetzt hat das Reich der Mitte Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft abgelöst. Der Sturm an die Weltspitze scheint unaufhaltsam.

Japans Regierung versucht den Tausch der Ränge herunterzuspielen. „Als Volkswirtschaft sind wir nicht an Platzierungen in Rankings interessiert, sondern wollen das Leben unserer Bevölkerung verbessern,“ sagt der japanische Wirtschaftsminister Kaoru Yosano mit Blick auf Chinas Aufstieg zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Nach offiziellen Zahlen aus Japan lag die Wirtschaftsleistung des Landes Ende 2010 bei 5,47 Billionen US-Dollar. China kam zur gleichen Zeit auf ein Bruttoinlandsprodukt von rund 5,8 Billionen US-Dollar.

Auch wenn in Japan die Wirtschaftsleistung pro Kopf auf absehbare Zeit noch höher als in China sein wird, ist der Tausch der Ränge doch von großer Bedeutung. Denn er zeigt, wie innerhalb kürzester Zeit aus einem wirtschaftlichen und politischen Nobody eines der einflussreichsten Länder der Welt werden kannn. Schon mutmaßen Experten, in etwa zehn Jahren könnte China die USA als größte Volkswirtschaft der Welt ablösen. Amerikas Wirtschaftsleistung ist heute etwa viermal so groß wie die chinesische.

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Es ist kaum drei Jahrzehnte her, da glich China einem Land am Rande des Abgrunds. Die von Mao losgetretene Kulturrevolution hatte das Riesenreich in ein wirtschaftliches und politisches Chaos gestürzt. Hungersnöte waren noch vor wenigen Jahrzehnten nichts ungewöhnliches in China. Heute gehören Lamborghinis und Maseratis genauso zum Straßenbild in Peking und Shanghai wie McDonald’s Restaurants und Rolex-Geschäfte. Doch ist im Osten Chinas auch eine kaufkräftige Mittelschicht entstanden, die sich schicke Wohnungen, Mittelklassewagen und Handys leisten kann. Etwa 200 Millionen Menschen – die Schätzungen schwanken – haben Chinas kommunistische Führer mit ihrer Mischung aus politischer Diktatur und wirtschaftlichem Laisser-faire aus der Armut befördert. Dafür gebührt Peking Respekt.

Chinas Aufstieg hängt vom Westen ab

Begonnen hat der Aufstieg zur Wirtschafts-Supermacht mit den Reformen von Deng Xiaoping Anfang der Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts. Der charismatische Politker privatiserte die Landwirtschaft und schuf im Süden Chinas Sonderwirtschaftszonen, in denen ausländische Firmen investieren konnten. Die nächste Generation der Reformer unter dem damaligen Premier Zhu Rongji machte sich an ein weiteres großes Reformvorhaben: die Privatisierung und den Umbau Tausender maroder Staatsbetriebe. Im Großen und Ganzen ist der Umbau der chinesischen Wirtschaft gelungen. Die schwierigen und sozial heiklen Reformen gingen ohne größere politische Unruhen über die Bühne.

Im Zuge der Öffnung der Wirtschaft kamen die Investoren. Rund eine Billion US-Dollar haben Unternehmen aus dem Ausland bis Ende letzten Jahres in Fabriken, Lagerhallen, Büros und Forschungslabors in China investiert – und damit den Boom des Landes befeuert. Für viele Unternehmen ist China eine nicht mehr wegzudenkende Größe in der Bilanz. Für den Volkswagen-Konzern etwa ist das Land mit seinen 1,3 Milliarden Menschen inzwischen der wichtigste Markt der Welt. Im vergangenen Jahr steigerten die Wolfsburger ihren Absatz im Reich der Mitte um 37 Prozent. Daimler konnte seine Pkw-Verkäufe in China im selben Zeitraum sogar mehr als verdoppeln. Der Aufschwung in Deutschland wäre ohne das chinesische Wirtschaftswunder so nicht möglich. Die deutschen Ausfuhren ins Reich der Mitte klettern mit hohen zweistelligen Raten – weitaus stärker als die Exporte in alle anderen Regionen der Welt.

Doch genauso wie Chinas wirtschaftlicher Aufstieg ohne die mutigen Reformen der Achtziger- und Neunzigerjahre nicht möglich gewesen wäre, wäre er ohne den staatlichen Dirigismus nicht möglich. Billige Arbeitskräfte, billiges Kapital und eine billige Währung haben aus China die Fabrik der Welt gemacht. Der Großteil der weltweit verkauften Schuhe, Spielzeugautos oder Einwegfeuerzeuge wird im Reich der Mitte gefertigt. Dazu kommt ein staatlich gelenkter Investitionsboom, der inzwischen zu zum Teil gefährlichen Blasen bei Vermögenswerten geführt hat.

Auf Grund seiner Bedeutung als Absatzmarkt kann das Land ausländischen Unternehmen zudem die Bedingungen diktieren. In Branchen wie dem Automobil-, Flugzeug- und Eisenbahnbau geht in China nichts ohne lokale Joint-venture-Partner – eine Konstruktion, die den Chinesen das Know-how aus dem Westen sichern soll. Chinas Führer wissen, wie stark der Aufstieg ihres Landes von der Entwicklung im Westen abhängt. Darum wollen sie ihr Land unabhängiger vom Ausland machen – das große Thema des zwölften Fünfjahresplans, der demnächst in Kraft tritt.

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