Japan: Auferstehung aus Ruinen

Japan: Auferstehung aus Ruinen

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Yoshihiko Noda wurde zum sechsten Regierungschef in fünf Jahren gewählt. Die Märkte sind verunsichert. EPA/EVERETT KENNEDY BROWN (c) dpa - Bildfunk

Wieder einmal wird Nippons Wirtschaft wenig zugetraut – dabei forciert die Japan AG gerade ihr Globalisierungstempo. Und zuhause kurbelt der Wiederaufbau die Konjunktur gegen den internationalen Trend kräftig an.

Knapp ein halbes Jahr nach der Multi-Katastrophe mit Beben, Tsunami und Kernschmelzen erleidet Japans Wirtschaft neue Rückschläge. Auf der Flucht vor dem Risiko haben ausländische Investoren massenhaft japanische Aktien abgestoßen und dabei den marktbreiten Topix-Index auf den tiefsten Stand seit der Lehman-Pleite gedrückt. Gleichzeitig kletterte die japanische Währung auf ein neues Nachkriegshoch zum Dollar, was die Gewinne der Japan AG auffrisst. Dann stufte die Rating-Agentur Moody’s wegen Überschuldung und Politchaos auch noch Japans Kreditwürdigkeit herunter.

Wenig später bestätigte die Regierungspartei in Tokio die Einschätzung der Bonitätswächter: Statt Aufbauhilfe und Dekontaminierung voranzutreiben, standen gleich fünf Politiker in Tokio Schlange, um Premierminister zu werden. Am Dienstag wurde Yoshihiko Noda zum sechsten Regierungschef in fünf Jahren gewählt. Während Nippon vor historischen Hürden steht, die von Vergreisung und Überschuldung über Deflation bis zum Aufstieg der neuen Mächte China und Korea reichen, beschäftigt sich die politische Klasse lieber mit Postenschachern.

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Ökonomen sagen Wirtschaftswachstum voraus

Doch über dieser düsteren Welt könnte bald die Sonne aufgehen. Für 2012 und 2013 sagen viele Ökonomen ein Wirtschaftswachstum von jeweils bis zu drei Prozent voraus. Die Investitionen in neue Infrastruktur der Tsunami-Gebiete werden nämlich wie die größte Konjunkturspritze seit dem Zweiten Weltkrieg wirken. Schon im Oktober will die Regierung einen dritten Sonderhaushalt von etwa 90 Milliarden Euro beschließen. Die Konjunkturwende dürfte nach Ansicht der Bank von Japan schon im letzten Vierteljahr einsetzen. Der Ankurbelungseffekt könnte selbst die Folgen eines Exportrückgangs ausgleichen, falls die Konjunktur in China und den USA, Japans wichtigsten Handelspartnern, schwächelt.

Unterstützt wird der Aufschwung durch einen dramatischen Stimmungswandel in der Wirtschaft. In einem beeindruckenden Kraftakt hatten die Firmen binnen weniger Monate ihre Lieferketten repariert und die Produktion hochgefahren, obwohl sie wegen der Blackout-Gefahr Energie sparen mussten. Aus diesen Erfahrungen ziehen sie jetzt Konsequenzen. „Die Ereignisse vom 11. März haben viele Firmen wachgerüttelt“, beschreibt Jesper Koll, Geschäftsführer vom Brokerhaus JP Morgan in Tokio, das veränderte Denken. Vor allem die Exportfirmen holen angestaubte Umbaupläne aus den Schubladen und setzen sie mit hohem Tempo um. Sie verringern die Abhängigkeit vom Ballungsraum Tokio, diversifizieren ihre Lieferketten und bauen Puffer in das Just-in-Time-System ein.

Zugleich gehen die Firmen trotz der Katastrophe kräftig im Ausland einkaufen. In diesem Jahr haben sie nach Daten von Dealogic bereits für 50 Milliarden Dollar zugekauft. 2010 gaben sie dafür nur 34 Milliarden Dollar aus. Zu den Käufern gehört nicht nur Japans größter Pharmakonzern Takeda, der im Mai die Schweizer Nycomed für knapp 14 Milliarden Dollar erwarb. Auch kleinere Firmen kaufen Umsatz und Gewinn im Ausland zu, etwa der Windelhersteller Unicharm, der sich einen Konkurrenten in Vietnam einverleibte. „Die Unternehmen realisieren, dass sie durch China und Südkorea immer stärker marginalisiert werden“, erklärt Jörg Wolle, Präsident des Schweizer Dienstleisters DKSH mit Schwerpunkt in Asien, den Bewusstseinssprung. Deshalb drücken sie bei ihrer internationalen Expansion aufs Tempo.

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