Japan: G8-Gipfel vor echter Bewährungsprobe

Japan: G8-Gipfel vor echter Bewährungsprobe

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Handgeschriebene Wünsche an Bambusbäumen vor dem Kanzleramt. Mit der Aktion will die Organisation OXFAM auf den kommenden G8 Gipfel in Japan aufmerksam machen

Es wird eine echte Bewährungsprobe für die Führer der mächtigsten Staaten der Erde. Die Probleme beim G8-Gipfel drehen sich diesmal nicht nur um Hunger, Aids-Waisen oder Bildungsnotstand in Afrika, Asien und Lateinamerika.

Diesmal müssen sich die Staats- und Regierungschefs der sieben führenden Industriestaaten und Russlands (G8) vor allem mit den Sorgen der Menschen daheim beschäftigen: teure Lebensmittel, horrende Rechnungen für Benzin, Öl und Gas, unkalkulierbare Risiken angesichts des Klimawandels, Angst um Arbeitsplätze in einer Welt, in der die Konkurrenz aus China, Indien und Brasilien jeden Tag aufholt. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel und die anderen sieben „Chefs“ aus den USA, Kanada, Japan, Russland, Frankreich, Großbritannien und Italien am kommenden Montag im nordjapanischen Toyako im Luxushotel Windsor zum ersten Mal am Konferenztisch Platz nehmen, stehen ihnen drei Tage harter Verhandlungen bevor.

Und die Erwartungen, dass dabei außer unverbindlichen Absichtserklärungen auch konkrete Ergebnisse herauskommen, sind - wie immer vor diesen Treffen - hoch. Der Gastgeber, Japans Premierminister Yasuo Fukuda, bringt eins der Dramen, mit denen sich die Runde beschäftigen muss, so auf den Punkt: „Die globale Erwärmung ist eine enorme Herausforderung, und die Menschheit hat keine Zeit zu verlieren.“

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Das soll US-Präsident George W. Bush mittlerweile ähnlich sehen. Doch das Land der Autofahrer mit dem Hang zu spritfressenden Autos und dem weltweit größten Ausstoß des gefährlichen Treibhausgases CO2 mag die Zeche nicht allein bezahlen. Bush, der ohnehin nur noch etwas mehr als ein halbes Jahr im Amt ist, hat nichts gegen Klimaschutz, wenn denn auch Chinesen, Inder und Brasilianer sich verbindliche Ziele festlegen. Doch China hat bereits abgewinkt.

Und so wäre die Bundesregierung schon froh, wenn in Toyako wenigstens in der Sache nicht weniger vereinbart wird als im Jahr zuvor unter Vorsitz von Merkel im Ostseebad Heiligendamm. Damals war aber nur die Rede davon, mindestens eine Halbierung des globalen CO2-Ausstoßes bis 2050 „ernsthaft zu prüfen“. Dass Klimaschutz und Energiepolitik die beiden Seiten derselben Medaille sind, werden die Diskussionen über die weiter ungebrochene Rekordfahrt des Ölpreises zeigen. Experten in Berlin machten von vornherein klar, dass die G8-Chefs „keinen Hebel umlegen und für mehr Öl oder „Preis runter“ sorgen“ können. Und es gibt nicht wenige, die darauf hoffen, dass hohe Preise die Verbraucher - nicht nur in Europa und Nordamerika - zum Energiesparen zwingen könnten.

Dass es für den Rekordölpreis mehr als einen Grund gibt, wird niemand am Konferenztisch in Japan bezweifeln: Spekulanten kalkulieren sogar die Kriegsgefahr wegen eines israelischen Militärschlags gegen iranische Atomanlagen in den Preis ein. Die schwächelnde und damit preistreibende „Ölwährung“ Dollar dürfte nach der Zinserhöhung in Europa für Anleger kaum attraktiver werden. Und dazu kommt, dass Industriestaaten und Förderländer lange die Notwendigkeit unterschätzt haben, kräftig in das Geschäft mit dem „schwarzen Gold“ investieren zu müssen.

Und wer könnte es Indien und China verdenken, für den langsam aufblühenden Wohlstand ihrer Nationen immer mehr umweltschädliche fossile Energieträger wie öl und Kohle zu verfeuern? Der neue russische Präsident Dmitri Medwedew jedenfalls nicht. Sein so rohstoffreiches Land zählt zu den wenigen täglichen Gewinnern angesichts der Preisexplosion für Öl und für das daran gekoppelte Gas.

Spitz bemerkte der Russe mit der prall gefüllten Staatskasse vor dem Gipfel, dass das weltweite Finanzsystem mit seiner Fixierung auf den US-Dollar als Leitwährung möglicherweise überholt sei. Medwedews erster Auftritt bei einem G8-Gipfel wird spannend zu beobachten sein. Die russische Einschätzung der Weltfinanzen hat durchaus Berechtigung, denn aus den USA kam in den vergangenen Monaten viel Gift für die Weltwirtschaft. Dass amerikanische Banken mit ungesicherte Krediten Milliarden verzockt hatten, brachte auch die europäische Konkurrenz in arge Turbulenzen.

Und all diese Entwicklungen treffen erst recht diejenigen, die jeden Tag um ihre Existenz kämpfen müssen. Für Hilfsorganisationen ist eine prekäre Lage entstanden. Die durch die Energiepreise angeheizte Inflation macht den Kampf gegen Hungersnöte zu einer immer kostspieligeren Aufgabe. Weltbank-Präsident Robert Zoellick schlägt Alarm: „Es ist eine von Menschen geschaffene Katastrophe, die von Menschen wieder in Ordnung gebracht werden muss.“ Er bat den G8- Gipfel um 10 Milliarden US-Dollar (6,3 Milliarden Euro), um wenigstens die ärgste Not zu lindern.

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