Japan: Neue Stärke, aber wichtige Reformen stehen noch aus

ThemaKonjunktur

Japan: Neue Stärke, aber wichtige Reformen stehen noch aus

Japans Wirtschaft meldet sich zurück. Die Stimmung in der Industrie ist so gut wie seit langem nicht mehr. Gelingt es Regierungschef Abe, das Land wieder an die Spitze der Weltwirtschaft zu führen?

Japans Wirtschaft ist nach Jahren der Krise wieder da. Die Stimmung in den Manageretagen ist so gut wie seit fast sechs Jahren nicht mehr. Großkonzerne wie Toyota fahren Rekordgewinne ein, andere wie Sony sind dabei, das Tal der Tränen hinter sich zu lassen. In den beiden vergangenen Quartalen wuchs die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt so stark wie kein anderes Industrieland. Die „Abenomics“ genannte Wirtschaftspolitik des erst seit neun Monaten amtierenden Regierungschefs Shinzo Abe zeigt Wirkung. Doch sind Japans langfristige Probleme damit auf einmal gelöst? Keineswegs, sagen Experten.
Denn den gegenwärtigen Aufschwung verdankt Japan vor allem Abes ersten beiden abgeschossenen Pfeilen. Da ist zum einen die rasante Abwertung des Yen, quasi ein Nebeneffekt der vom Premier durchgesetzten Geldschwemme durch die Notenbank - auch wenn diese offiziell die Überwindung der jahrelangen Deflation zum Ziel hat. Der schwache Yen hat bewirkt, dass die wachstumstreibende Exportindustrie im Ausland satte Gewinnsteigerungen erzielte und damit zuletzt immer wettbewerbsfähiger geworden ist.

Japans Lage

  • Schuldenstand 2013

    245,0

    Angaben in Prozent des BIP

    Quelle: IWF

  • Neuverschuldung 2013

    -9,1

    Angaben in Prozent des BIP

    Quelle: IWF

  • Leistungsbilanzsaldo 2013

    2,3

    Angaben in Prozent des BIP

    Quelle: IWF

Hinzu kommen Abes schuldenfinanzierte Konjunkturpakete. Diese sind so groß, dass dadurch die Wirtschaft nach Einschätzung von Ökonomen auch bis zum nächsten Sommer am Laufen gehalten werden dürfte.
Dennoch bleiben sowohl die Unternehmen als auch die Bürger skeptisch. Zwar hat die Stimmung unter den Managern der Großindustrie in der jüngsten Quartalsumfrage der Notenbank einen überraschend großen Sprung nach oben gemacht. Doch begründen Ökonomen dies vor allem damit, dass Abe für den Fall einer deutlichen Aufhellung versprochen hatte, die Unternehmen steuerlich zu entlasten.
Auf diese Weise will er die Firmen dazu bringen, die Löhne und Gehälter im Land zu erhöhen und wieder mehr zu investieren. Nur so lasse sich Japans Wirtschaft dauerhaft beleben. Viele Unternehmen haben jedoch mit Überkapazitäten zu kämpfen und investieren ihr angehäuftes Geld lieber im Ausland. Vor diesem Hintergrund stoßen auch Lohnsteigerungen bei ihnen auf Ablehnung.

Anzeige

Abe geht mit seiner Politik das Risiko ein, dass sich der Staat am Ende noch stärker verschuldet, als er mit einer geplanten Steuererhöhung einnehmen kann. Zwar setzt der Regierungschef angesichts der hohen Staatsverschuldung und steigender Sozialkosten im April die Verbrauchssteuer von 5 auf 8 Prozent hoch. Die negativen Effekte dämpft er aber mit einem weiteren riesigen Konjunkturpaket.
„Sollten bis zur zweiten Hälfte kommenden Jahres die Löhne und Investitionen nicht deutlich gestiegen sein, würde es zu einer deutlichen Verlangsamung des Wachstums kommen“, warnt Martin Schulz, Ökonom am Fujitsu Research Institute in Tokio. Dies könnte dann auch nicht mehr durch weitere Konjunkturpakete oder die Geldpolitik ausgeglichen werden. Statt in einem langfristigen Wachstumsprozess würde Abes Wirtschaftspolitik mit einem gewaltigen „Kater“ enden.

Weitere Artikel

Alles hängt daher nach Ansicht von Experten davon ab, ob Abe jetzt seinen dritten Pfeil abschießt: eine umfassende Steuerreform sowie weitere langfristige Strukturreformen zur Schaffung notwendiger neuer Wachstumsmärkte. Dazu gehören das Gesundheitssystem, der Handel, der Energiemarkt, die Bau- oder die Landwirtschaft - alles Sektoren, die in Japan im internationalen Vergleich relativ unproduktiv sind.
Es gibt Zweifel, ob Abe eine Öffnung dieser Märkte gegen harte interne Widerstände tatsächlich durchsetzen wird. Dass Japan jetzt mit der EU und Staaten der Asien- und Pazifikregion über Freihandelsabkommen verhandelt, ist ein wichtiger Schritt. Der Weg zurück an die Weltspitze ist damit für das einstige Wirtschaftswunderland aber noch nicht geebnet.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%