Jeb Bush in Berlin: Wie tickt Jeb Bush?

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Jeb Bush in Berlin: Wie tickt Jeb Bush?

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Jeb Bush will in Berlin sein außenpolitisches Profil stärken. Die Bürger aber interessiert: Wie viel seines ungeliebten Bruders George W. Bush steckt in dem Republikaner?

von Tim Rahmann

Der Republikaner tritt mutmaßlich bei den US-Vorwahlen an. Am Dienstag will er in Berlin sein Profil schärfen. Dabei muss er sich vor allem von seinem unbeliebten Bruder George W. Bush abgrenzen.

Sein Name ist seine größte Bürde: John Ellis – genannt Jeb – Bush hat Ambitionen, aber einen durchwachsenen Ruf. Das liegt in erster Linie nicht an dem Republikaner selbst, und auch nicht an seinem Vater, der frühere US-Präsident George H.W. Bush. Schuld hat vor allem sein Bruder George W. Bush, der von 2000 bis 2008 die USA regierte – und den Familiennamen in Verruf brachte.

Der Ex-Präsident marschierte in Afghanistan und in den Irak ein, er häufte immense Schulden an – vor allem aber: Bush verlor im Kampf gegen den Terrorismus jegliches Maß aus den Augen. Der Name Bush steht heute für Rowdytum und Dilettantismus, sowie für eine Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt.

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Mit diesen Widerständen muss sich Jeb Bush auseinandersetzen, sofern er für die Präsidentschaftswahlen in den USA kandidieren will. Noch hat der 62-Jährige seine Teilnahme an den Vorwahlen der republikanischen Partei nicht angekündigt; gleichwohl läuft er sich seit Monaten warm. Eine offizielle Kandidatur dürfte nur noch eine Frage von Tagen, maximal: wenigen Wochen, sein. Auch die Europa-Reise von Jeb Bush erhärtet den Verdacht, dass ein dritter Bush ins Weiße Haus einziehen will. In Deutschland (auf der Jahrestagung des CDU-Wirtschaftsrats in Berlin), Polen und Estland will Bush sein außenpolitisches Profil schärfen.

Wie aussichtsreich wäre eine Kandidatur von Jeb Bush? Und vor allem: Wie viel von dem umstrittenen George W. Bush steckt in dem sechseinhalb Jahre jüngeren John Ellis Bush?

„Es gibt fraglos inhaltliche Schnittmengen“, sagt Martin Thunert, Politikwissenschaftler am „Center for American Studies“ der Universität Heidelberg. Eine Kopie seines Bruders sei Jeb Bush aber nicht. „Er ist smarter, er ist erfahrener – und vor allem: Jeb Bush ist weltläufiger als sein Bruder.“

Das ist Jeb Bush

  • Florida statt Texas

    John Ellis Bush ist der jüngere Bruder von George W. Bush. Er wurde 1953 in Texas geboren. Seine politische Heimat aber ist Florida. Als einziger Republikaner schaffte er es, von 1999 bis 2007 im Staat Florida als Gouverneur zwei Amtszeiten lang zu regieren.

  • Glaubhaft in Einwanderungsfragen

    Bush hat mit seiner mexikanischen Frau Columba – die er während eines Schüleraustausches in Mexiko kennenlernte – drei Kinder. Er spricht fließend Spanisch. Aufgrund seines familiären Hintergrunds vertritt er eine liberale Haltung in der Einwanderungs-Debatte. Das könnte ihm nun helfen. Fast jeder fünfte US-Bürger ist hispanischer Abstammung.

  • The eGovernor

    Wie wichtig das Internet im amerikanischen Wahlkampf ist, hat spätestens der 2012er-Wahlkampf von Barack Obama gezeigt. Geht man nur nach den Zahlen bei Twitter hat Jeb Bush mit 168.000 Followern sicherlich noch Luft nach oben. Obama und Hillary Clinton kommen da nämlich  auf mehrere Millionen Anhänger.

    Bush veröffentlicht gerade nach und nach ein E-Book, dass Hunderttausende von E-Mails aus seiner Zeit als Gouverneur enthält, anhand dessen er seine Geschichte als Gouverneur erzählt. Im ersten Kapitel berichtet er, dass sein Nickname, nachdem er seine offizielle Mail-Adresse veröffentliche, „The eGovernor“ war. Allerdings soll er zu dieser Zeit ein privates E-Mail Konto auch für dienstliche Mails benutzt haben. Wegen ähnlichen Vorwürfen stand Hillary Clinton zuvor stark in der Kritik. Bush selbst zählte zu Clintons Kritikern.

  • Alte Sünden

    Aber auch Jeb Bush könnte in einem späteren Wahlkampf über die ein oder andere vergangene Sünde stolpern. Anlässe sind schon jetzt einige gegeben. So gab er zu, Marihuana zu Jugendzeiten geraucht zu haben. Dies ist aber auch von Obama bekannt und hinderte ihn nicht an einem Sieg. Schwerer wirkt, dass seine Tochter 10 Tage ins Gefängnis musste, da sie im Besitz von Kokain gewesen sein soll. Seiner Frau wird vorgeworfen, einen Hang zum teuren Schmuck zu haben und diesen in einem Fall nicht ordnungsgemäß verzollt zu haben.

Geboren und aufgewachsen in Texas, wird Jeb Bush aufgrund seiner schwachen Schulleistungen als Jugendlicher auf die „Phillips Academy“, eine Eliteschule in Massachusetts, geschickt. Seine Noten bessern sich zunächst nicht; der Vietnamkrieg und die dazugehörige Protestwelle ziehen an Bush vorbei, mit Desinteresse schlendert er durch die heile Welt des Eliteinternats. Mit 18 Jahren geht er mit Schulfreunden für zehn Wochen nach Mexiko, um Englisch zu unterrichten. Dort lernt er die 16-jährige Columba Garnica Gallo kennen – und verliebt sich.

Er fliegt von nun an alle sechs Monate zu seiner Freundin ins mexikanische León, drückt in Schule und Universität auf die Tube, um schnellstens einen Abschluss zu bekommen und heiratet 1974 seine Columba. Nach einer Tätigkeit bei einer Bank in Houston geht das Ehepaar – getrieben vom Fernweh der Frau – für zwei Jahre nach Venezuela.

„Jeb Bush hat sich in fremden Kulturen angepasst und durchgesetzt“, sagt Thunert. Es gäbe nachvollziehbare Gründe zu hoffen, „dass er der Welt weniger eindimensional zugewandt ist, als es sein Bruder war“.

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