Joshua Kushner: Im Dunstkreis des Präsidenten

Joshua Kushner: Im Dunstkreis des Präsidenten

, aktualisiert 28. Juni 2017, 18:00 Uhr
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Der Oscar-Health-Mitgründer arbeitet lieber, als auf Partys zu gehen.

von Thomas JahnQuelle:Handelsblatt Online

Sein Bruder Jared ist Berater und Schwiegersohn von Donald Trump. Trotzdem vertritt Joshua Kushner andere Ansichten. Und das nicht nur, weil das Geschäftsmodell seiner Firma Oscar Health an Obamacare hängt.

New YorkVor dem Firmensitz in New York hängt eine Flagge mit dem „Oscar“-Logo, dessen Hintergrund ein Regenbogen ziert. Dies zollt dem Christopher Street Day Tribut, der für die Gleichberechtigung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern steht. Ein Hinweis auf die Weltsicht von Joshua Kushner – und wie sehr sie sich von manch anderen in der Familie unterscheidet.

Der 32-Jährige ist der jüngere Bruder von Jared Kushner, der Präsidententochter Ivanka Trump heiratete und als Berater im Weißen Haus viel Einfluss besitzt. Joshua Kushner nahm am Women’s March in Washington teil – jenen Protesten, die sich gegen die Trump-Regierung richteten. Erst vor wenigen Wochen veröffentlichte er auf Instagram ein Foto von einem T-Shirt mit der Aufschrift „Unsere Zukunft ist weiblich“.

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In den vergangenen Tagen ging es für Kushner nicht nur um Überzeugungen, sondern auch um viel Geld. Der US-Senat wollte über ein neues Krankenversicherungsgesetz entscheiden, das die von Trumps Vorgänger Barack Obama geschaffene Versicherung ersetzen sollte. Doch der Senat konnte sich nicht auf einen Konsens einigen. Die Entscheidung ist vertagt. Für Kushner eine gute Nachricht. Denn das Ende von Obamacare wäre für ihn ein Desaster.

2012 gründete er zusammen mit zwei Partnern und Harvard-Kommilitonen, darunter der deutsche Mario Schlosser, heute Vorstandschef, Oscar Health Insurance. Die Idee kam dem Trio mit dem Gesetzesbeschluss zu Obamacare, der ersten universellen Krankenversicherung in den USA. Mit Oscar Health wollten die drei den Zugang zu dem komplizierten System erleichtern. So können Kunden auf einer App Versicherungspläne vergleichen oder gleich mit Ärzten telefonieren.

Das Start-up warb 2013, im ersten Geschäftsjahr, 16 000 Kunden. Dabei handelte es sich vor allem um jüngere, tendenziell eher gesunde New Yorker – eine begehrte Kohorte für Versicherungen. Das überzeugte Geldgeber wie die Google-Mutter Alphabet, Fidelity oder Founders Fund, den Risikokapitalfonds von Peter Thiel, die insgesamt 730 Millionen Dollar in die Firma investierten.

Allerdings verlor Oscar Health seitdem viel Geld, mehr als 200 Millionen Dollar im vergangenen Jahr. Der Ausbau eines Ärztenetzwerkes erweist sich als teuer. Dazu traf der Wahlsieg Donald Trumps im November die Firma hart. Wenn das Mandat für eine Krankenversicherung tatsächlich noch abgeschafft werden sollte, könnte Oscar Kunden verlieren – vor allem gesunde und jüngere. „Wir haben die moralische Verpflichtung, jeden Amerikaner zu versichern“, ärgerte sich Oscar-Chef Schlosser vor wenigen Wochen auf einer New Yorker Start-up-Konferenz.

Anders als Trump hält sich Joshua Kushner eher bedeckt. Er schreibt selten auf Twitter und veröffentlicht nur sporadisch Fotos auf Instagram. Zwar ist er mit „Victoria’s Secret“-Model Karlie Kloss zusammen, die beiden sind aber nur selten in der Öffentlichkeit zu sehen.

Kushner arbeitet lieber, als auf Partys zu gehen. Sein Risikokapitalfonds Thrive verwaltet mit 1,5 Milliarden Dollar nicht nur sehr viel Geld, sondern auch hochkarätige Namen: Die Fonds der Eliteuniversitäten Princeton, Harvard und Yale sind beispielsweise mit an Bord.

Kushner wuchs wie sein Bruder in New Jersey auf, wo seine Großeltern Wohnhäuser gebaut hatten. Vater Charles Kushner expandierte das Immobiliengeschäft erfolgreich, nahm seine Söhne oft mit zu geschäftlichen Terminen. 2004 fing Joshua Kushner ein Studium in Harvard an – wo der Vater 2,5 Millionen Dollar gestiftet hatte. Einer seiner Zimmergenossen auf dem Campus war Alexander Blankfein, der Sohn von Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein. Ein weiterer Freund wurde Alexander de Carvalho, einer der Erben des Heineken-Vermögens.

Gründer in der Uni-Zeit

Start-ups faszinieren Kushner. Noch in der Universität gründete er mit Freunden – darunter wieder der Deutsche Schlosser – Firmen wie Vostu, die Videospiele für Facebook und andere Plattformen herstellten. Eine andere Idee war Unithrive, die Kredite an ehemalige Harvard-Studenten vermittelt. Beide Ideen scheiterten.

Kushner machte 2011 seinen MBA, konzentrierte sich mehr auf Investitionen in bestehende junge Firmen. 2012 verzeichnete er seinen ersten spektakulären Erfolg: Ein Investment in Instagram verdoppelte sich fast über Nacht, als Facebook das Sozialnetzwerk für eine Milliarde Dollar kaufte.

Kushner unterstützte in der Vergangenheit wiederholt die Demokratische Partei. Allerdings hielt er sich im vergangenen Wahlkampf sehr bedeckt, spendete anders als zuvor kein Geld. Seine Freundin Kloss hingegen veröffentlichte ein Foto von sich, das zeigt, wie sie Hillary Clinton wählt.

Über sein Verhältnis zu Trump sagte Kushner nichts öffentlich. In einem seiner seltenen Interviews sprach er einmal über Menschen, die andere Ansichten als er selbst vertreten: „Man kann von ihnen lernen“, sagte er vor vielen Jahren, „zumindest denke ich, dass ich es kann.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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